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Und wie veranlagen wir jetzt 200.000? (Gerhard Massenbauer für das Börse Social Magazine)

 Lieber Gerhard, Du hast Dir eben bei unserem Stammtisch die Satire des Sportjournalisten Robert Sommer ( 200.000 Euro veranlagen (Robert Sommer für das Börse Social Magazine) durchgelesen. Es ist echt schwierig geworden, 200.000 Euro zu veranlagen, oder siehst Du das anders?

Gerhard Massenbauer: Es ist keineswegs schwierig Geld zu veranlagen. Wer aber denkt er kann das tun ohne etwas dazu beizutragen, also daran arbeiten in der Vorbereitung und während der Anlagezeit, dem kann man nicht helfen. Die Zeit, in der Untätige Geld verdienen konnten ist definitiv vorbei.

Die Börsen siehst Du jedenfalls an einem entscheidenden Wendepunkt, hast Du mir eben gesagt.

Die Bewertungen (KGV, KBV) sind höher als vor der Finanzkrise 2008. Ebenso ist die Verschuldung amerikanischer Unternehmen bedeutend höher, als vor dem Technologiecrash 2000 oder vor der Finanzkrise 2008, ja sogar höher als zu deren jeweiligen Höhepunkten (die Schuldenlasten steigen während einer Krise deutlich an). Beides zusammen ist kein günstiges Signal für die Börsen. Daraus allein ist aber auch nicht abzuleiten, dass die Börsen in sich zusammenfallen müssen.

Und die Vola ist ebenfalls fast auf Rekordtief. Ein Alarmsignal?

Was dazu kommt ist, dass die Börseninvestoren aktuell extrem „sorglos“ sind. Zumindest ist dies aus dem niedrigsten Stand des Volatilitätsindex VIX abzuleiten. Wenn man in die Vergangenheit

zurückblickt, ist es an der Börse nicht zu Börsenabstürzen gekommen, als die Volatilität bereits hoch war, sondern wenn die Sorglosigkeit enorm war. Es brauchte aber immer einen „heilsamen Schock“, um die Mehrheit der Anleger aus ihrer bequemen Ruhe aufzuwecken. Aktuell erkennt man keine zwingenden Gründe, die eine Börsenkorrektur erzwingen müssten.

Können sich Aktienanleger darauf verlassen, dass die Zinsen tief bleiben?

Die Notenbanken halten den Ball noch immer flach. Die Zinsen sind nicht (wesentlich) angehoben worden, die Wirtschaft läuft relativ rund und die Arbeitslosigkeit sinkt – auch in europäischen Krisenländern. Und dennoch bahnt sich, zumindest in Deutschland, aber auch Österreich eine Belastung an.

Einige Non-Darlings wie Finanzwerte laufen wieder gut, jetzt kriegt die Autoindustrie ihr Fett ab.

Genau. Vor zwei Jahren waren Goldaktien ein rotes Tuch, 2016 waren es Bankaktien und Energiewerte. Aktuell zeichnet sich ein weiterer zukünftig ungeliebter Sektor ab: Die Autoindustrie. Die Probleme um die Autoindustrie in Deutschland nehmen nicht ab. Dies verspricht eine echte Belastungsprobe zu werden, für den DAX, der zu einem hohen Anteil von Autounternehmen getragen wird aber auch für österreichische Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Die Herausforderung durch Tesla wird durch zunehmende Konkurrenz in der E-Mobilität aus China unterstrichen. Das fordert die erfolgsverwöhnte und nicht wenig arrogante Autoindustrie in Europa auf neue Art heraus.

Europa war zuletzt immer das Sorgenkind, Trump scheint das auszugleichen.

Ob dies aber ausreicht, im Herbst einen Börsenrückgang auszulösen ist noch nicht absehbar. Ein weiterer Risikopunkt für die Entwicklung an den Börsen ist die schwache Position, in der Präsident Trump mittlerweile in den USA ist. Er hat noch keines seiner Wahlversprechen umsetzen können und je länger ihm dies misslingt, desto weniger scheren sich die Abgeordneten im Senat und im Kongress um ihn.

Das alles führt zu einem ytd extrem schwachen Dollar, muss man Angst vor Effekten in Unternehmensbilanzen hierzulande haben?

Die Wirtschaft in den USA läuft alles andere als rund und die Erwartungen in die Erneuerung des Landes sind zumindest deutlich reduziert. Der USD hat 2017 deutlich an Wert verloren. Wer nur auf das Verhältnis des USD zum Euro achtet, bekommt dabei nicht mit, dass der USD auf breiter Front verloren hat. Gegenüber dem Mexicanischen Peso hat der USD in diesem Jahr sogar über 20% eingebüßt. Große Veränderungen im Währungsmarkt sind in der Vergangenheit nicht allzuoft eingetreten. Die letzten Male waren es die Jahre 2000 – 2002 und 2008-2009 und in beiden Fällen sind die Börsen nicht erblüht. Für europäische Werte und auch österreichische Unternehmen ist die USD Abwertung eine Überraschung gewesen. Es ist zu erwarten, dass die Gewinne von exportorientierten Unternehmen in den kommenden Monaten leiden.

Deine Bottom Line, Deine Empfehlung?

Wer aus der aktuellen Gesamtlage einen anbrechenden Boom ableiten kann, kann diese Erwartung nicht auf Fakten bauen. Die Wirtschaft wächst zwar, aber beileibe nicht dynamisch. Die Konjunktur wächst zwar, doch tut sie dies durchaus asymmetrisch. Einzelne Sektoren funktionieren gut, während andere leiden. Die in den letzten 12 Monaten stark steigenden Finanzwerte haben ihren Zenit vermutlich erreicht. Der Abbau von Kreditportfolios europäischer Banken ist noch nicht abgeschlossen und wird auch auf mittlere Sicht keine Ausweitung des Kreditvolumens zulassen. Damit ist aber auch das Wirtschaftswachstum begrenzt. Denn ohne Investitionen (und dazu gehörige Kredite) ist an ein sehr starkes, inflationär wirksames Wirtschaftswachstum nicht zu denken.

Dass tiefe Zinsen nicht automatisch mehr Kreditnachfrage erzeugen hat sich in den letzten Jahren klar manifestiert. Dass dies unter dem Eindruck zunehmender Digitalisierung der Wirtschaft auch weiterhin schwer zu erwarten ist, leuchtet ein. Im Gegenteil. Es kann daraus auf mittlere Sicht eine weitere Belastung auf die Börse zukommen, wenn sich nämlich erweist, dass es nur wenige Gewinner im Digitalisierungswettlauf geben wird und viele Verlierer. Dies ist erst längerfristig belastend für die Börsen. Aber Investoren an der Börse erkennen neue Trends oft früher als andere und ziehen sich aus ihren Investitionen zurück. Momentan ist es ratsam in langlaufende Anleihen, Edelmetalle (währungsgesichert) und vielleicht auch Edelmetallaktien zu investieren. Dazu sollte man Antizyklische Investments eingehen, Trendfolger-Fonds wären hier sinnvoll.  

Aus dem "Börse Social Magazine #7" - 1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro. Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4

Autor: Gerhard Massenbauer (Censeo Vermögensverwaltung GesmbH) ist gerichtlich beeideter Sachverständiger und Buch- sowie Börsenbriefautor.

Die Seiten aus dem Magazine
Und wie veranlagen wir jetzt 200.000? - Börse Social Magazine #07

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Aus dem Börse Social Magazine #07
(Juli 2017)





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