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Persönliche Börsegeschichte Ernst Vejdovszky: Jeder hat das Pouvoir, das er sich nimmt

Eigentlich bin ich gelernter Techniker, habe die Bau-HTL gemacht: Tiefbau, also Dinge wie Straßen und Brücken. Das hatte mich sehr interessiert, so habe ich nach der HTL als Bautechniker begonnen. Das Problem bei der an sich spannenden Aufgabe war: Eine Baustelle war in der Steiermark, die nächste dann wieder in Tirol. Das war nichts für mich, so mobil wollte ich Anfang meiner 20er nicht sein. Also: Studium. Dazu muss man wissen, dass die Zeit in der HTL durchaus eine Fleißige war mit 45 Einheiten in der Schule und etlichen technischen Einheiten zu Hause. Auch als Bautechniker war ich das Arbeiten gewohnt. Das hat dazu geführt, dass ich nach drei Studiensemestern daraufgekommen bin, dass ich eigentlich schon fünf Semester geschafft hatte. Dies führte zur Idee, dass es auch ein Leben neben der Arbeit geben könnte. Und so habe ich dann in herkömmlichem Tempo fertigstudiert. Meine Studienrichtung war natürlich Technik, dazu die Informatik auf dem Stand der späten 70er, da war viel Betriebswirtschaft dabei. Ich habe dann auch noch weitergemacht im Studientempo und zwei Jahre am Institut für Höhere Studien gearbeitet. Das IHS ist quasi die wissenschaftliche Komponente in meinem Lebenslauf, das hat mir viel gebracht. Ich konnte mit international angesehenen Professoren interagieren und habe dabei gelernt, dass auch die alle nur Menschen sind. Das Ergebnis war ein Schub beim Selbstvertrauen. 
Girozentrale.  Dann, Anfang der 80er, begann meine Banktätigkeit bei der Girozentrale. Es war eine günstige Zeit für junge Absolventen. Ich habe mich damals für den Bankjob entschieden, obwohl ich zwei finanziell bessere Angebote hatte. Aber die Bank reizte mich, ich kam in einen Bereich, in der junge Kräfte die Möglichkeit hatten, neue Dinge anzugehen, man hatte viele Freiheiten nach dem Motto: Was bringt ihr zusammen, was kommt dabei raus? Ich spezialisierte mich auf Beteiligungsmodelle, Finanzierungen, Verlustbeteiligungen, ein wenig Venture Capital. Es waren noch nicht Dinge an der Börse, aber knapp neben der Börse oder eben vorbörslich, eine Stufe davor. Wir schnupperten in neue Eigenkapitaldinge wie Genussscheine, die damals steuerlich sehr interessant waren, hinein und konnten rasch neue Produkte für eine gehobene Klientel etablieren. Ein Fazit zu den Erfahrungen in einer sehr großen Bank ist: Jeder hat das Pouvoir, das er sich nimmt. Das hat komischerweise sehr gut funktioniert. Aber ich bin auch immer verantwortungsvoll  mit dem Pouvoir umgegangen.
Macht doch was mit Immos.   Irgendwann kam die Idee: Macht doch irgendwas mit Beteiligungen im Immo-Bereich. Und so durfte ich 1986 die Sparkassen Immobilien Anlagen AG, einen Vorgänger der jetzigen S Immo, entwickeln und bin dort Vorstand geworden. Passend zur damaligen Zeit war das aber irgendwie ein Nebenjob zwischen Leasing und Verlustbeteiligungen. Rückwirkend war das vielleicht ein Fehler, dass wir zu viele Jobs hatten, die Entwicklungsgeschwindigkeit hätte höher sein können.
Am Schwarzen Montag an die Börse. 1987 begann dann die Zeit an der Börse. Wir sind mit einem Gewinnscheinprodukt bemerkenswerterweise exakt am 19.10. an die Börse gegangen, freilich wussten wir bei der Terminisierung nicht, dass genau dieser 19.10.1987 als Schwarzer Montag in die Geschichte eingehehen sollte, der Dow stürzte um 22 Prozent ab. Wir konnten nichts dafür, aber so etwas härtet ab. Mein Schwerpunkt war dann bald ausschließlich das Immobiliengeschäft, so war ich parallel zur Sparkassen Immobilien Anlagen AG auch 11 Jahre lange Vorstand der Immorent mit den Schwerpunkten Immobilienleasing, -Dienstleistungen, - Developments. Im Jahr 2002 erfolgte die Fusion der Erste Immo AG mit der Sparkassen Immobilien Anlagen AG zur heutigen S Immo. Um die Jahrtausendwende haben wir auch die Chancen in Osteuropa erkannt: Tschechien, Ungarn, Slowakei, bald Rumänien. 2005 haben wir dann festgestellt, dass die Märkte im Osten bereits stark überhitzt sind, die Flieger nach Bukarest waren rammelvoll mit Westmanagern, die Preisentwicklung war weit übertrieben. Damals nahm ich ein paar CEE-Karten vom Tisch, denn eine Lage in Hamburg kostete plötzlich die Hälfte einer vergleichbaren Lage in Bukarest. Es folgte Berlin, es folgten Zinshäuser.  Wenn ich das ganz schwarze Jahr 2009 wegrechne und die Jahre davor und danach ansehe, war die Welt für uns eigentlich stets in Ordnung. Choose Optimism. Wir sind glaube ich auch immer verantwortsvoll mit dem Pouvoir, das uns die Aktionäre gegeben haben, umgegangen. 

Ernst Vejdovszky, Jahrzehntelang Vorstand der S Immo

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(April 2021)





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