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Dadat-Chef Ernst Huber: "Immer mehr jüngere Menschen interessieren sich für Wertpapiere"

Gespräch mit Ernst Huber, CEO der DADAT-Bank und dem Bankhaus Schellhammer & Schattera

Herr Huber, welches Kundenverhalten haben Sie während der Corona Krise beobachtet?

Ernst Huber. Die Neukundengewinnung konnte durch die Lockdowns enorm gesteigert werden. Wir hatten dabei einen Faktor 4, also mehr als 100 neue Kunden pro Tag, die ein Depot bei uns eröffneten. Einen Zuwachs ähnlicher Dimension verzeichneten wir im Bereich der Transaktionen: Wir haben im Jahr 2020 viermal so viele Transaktionen durchgeführt wie im Jahr davor. Dafür ist nicht nur Corona und der Lockdown verantwortlich, sondern auch das Null-Zinsniveau. Die Menschen haben begriffen, dass sie sich um ihr Geld wirklich kümmern müssen. Und im Lockdown hat man mehr Zeit gehabt, sich um Veranlagung und Finanzbildung zu kümmern. 

Hält dieses Verhalten an oder ändert es sich mit dem Ende der Lockdowns?

Die Tendenz im Kundenzuwachs ist geblieben und es gibt keine Anzeichen, dass die Dynamik endet. Immer mehr jüngere Menschen interessieren sich für Wertpapiere. Grund ist die Null-Zinssituation und die Leute sorgen sich um ihre Altersvorsorge. Die Furcht vor Altersarmut ist sicherlich eine starke Triebfeder. Die Dynamik jetzt ist mindesten doppelt so stark wie zur Zeit der New Economy-Blase, ich habe so etwas in meinen 30 Jahren Berufserfahrung noch nie gesehen. Das Interesse an Veranlagung hält an, da gibt es kein Zurück mehr. Die Menschen wissen, sie müssen etwas gegen den Realwertverlust tun.

Wie sehen Sie Ihren Direktvertrieb zwischen klassischem Bankvertrieb und neuen digitalen Vertrieben positioniert und wo sind Ihre Chancen?

Wir unterscheiden uns als Online-Broker sehr von den Neo-Brokern wie etwa Robin Hood. Bei uns bekommt der Kunde ein vollumfängliches Angebot an Aktien, Fonds, Zertifikaten usw. und er bekommt Informationen und Bildungsangebote. Er kann aus allen Handels­plätzen wählen, er kann selbst entscheiden, ob er seine Daimler-Aktien in Frankfurt oder München kauft oder OTC über einen Makler bzw. Direkthandelspartner -  wir bieten den direkten Zugang zu allen Märkten. Wir bieten vielfältige Order-Funktionalitäten wie Limits und Ähnliches und haben ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Wir sind transparent und bieten über die DADAT-Bank eben auch alles aus einer Hand, wir sind eine erste österreichische Adresse und sind voll reguliert.

Der Markt wird weiter stark wachsen, Wertpapierveranlagung ist ein Wachstumsmarkt, die Zahl der Kunden wächst. 

Welche Rolle spielen bei Ihnen digitale Assets bzw. Kryptowährungen?

Ich bin ja eigentlich dafür, dass man Kryptos verbietet, denn man kauft nur Energieverbrauch. Aber wir müssen uns damit beschäftigen. Wir bieten Kryptos nur über Wertpapiere wie zB Zertifikate an. Die Nachfrage ist aber da, weil jeder schnell Geld verdienen will. Jeder will zu den Gewinnern gehören und dabei sein.

Wie setzen Ihre Kunden Zertifikate ein?

Knapp die Hälfte unserer Transaktionen findet in Zertifikaten statt, weil unsere Kunden sie zur Absicherung oder zur Renditeoptimierung einsetzen. Zusätzlich werden viele Anlagezertifikate gekauft, etwa von 5 Prozent unserer Kunden. Diese streben eine Rendite von etwa 5 Prozent pro Jahr an und schätzen die Einfachheit der Produkte.

Welches Potenzial sehen Sie für Zertifikate im Wettbewerb zu Direktveranlagungen, Fonds, ETF’s und Bitcoins?

Zertifikate sind sehr gute Instrumente, um Sparer zu Investoren zu entwickeln, weil sie zum Teil Sicherungsfunktionen haben und gleichzeitig Chancen auf reale Renditen bieten. Da gibt es ein Riesenpotenzial, Zertifikate als Einstiegsprodukt zu positionieren.

Welche Rolle spielen nachhaltige Veranlagungen für Ihre Kunden?

In unserer Vermögensverwaltung sind es knapp 40 Prozent, die die nachhaltige Variante wählen, bei den Fondsinvestoren sind es lediglich ca. 10 Prozent unserer Kunden, die speziell ESG-gekennzeichnete Fonds wählen. Wir spüren ständig mehr Nachfrage nach „grüner“ Veranlagung, und ich bin sicher, dass sich - durch aufsichtsrechtliche Maßnahmen - dieser Trend noch weiter verstärken wird.

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(Juni 2021)





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