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30.10.2020

Kompromisslos kombinierte Geld- und Fiskalpolitik spricht für US-Aktien. Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus sprengte die US-Notenbank im Frühjahr alle Grenzen. Sie senkte die Zinsen auf fast null Prozent, kaufte erstmals Unternehmensanleihen und bot Hilfe für Mittelständler durch Überbrückungskredite. Insgesamt wurden weit über eine Billion US-Dollar für den Kauf von Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren, sogenannte Mortgage-Backed Securites (MBS), aufgewendet. Damit gelang es der Fed, den Verlust an Arbeitsplätzen und Einkommen zu begrenzen.

Was der US-Notenbank nach eigener Aussage hingegen nicht im gewünschten Ausmaß gelang, war die rasche Wirtschaftsbeschleunigung und das Erreichen des avisierten Inflationsniveaus. Sie forderte daher zusätzliche Unterstützung durch fiskalische Maßnahmen der Regierung. „Trotz anziehender Konjunktur komme die Wirtschaft erst in einem Jahr auf Vorkrisenniveau“, so Fed-Chef Jerome Powell.

Dem Ruf der Fed folgend stellte der US-Senat mehrere Hilfspakete in Billionenhöhe auf die Beine. Damit kam es zu einer heftigen Ausweitung der Staatsverschuldung. Das US-Bundesdefizit betrug im September zu Ende gegangenen Haushaltsjahr 2020 über 3,1 Bio US-Dollar oder rund 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Neuverschuldungsquote lag nur in den Jahren 1943 bis 1945 höher als heute. Infolge dessen kletterte die Schuldenquote der USA auf über 100% des BIP, was man bisher nur von Ländern wie Italien, Griechenland und Japan kennt.

Gemäß der Standard-Wirtschaftstheorie führen die erhöhten US-Staatsausgaben zu einer höheren Konsumneigung. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wächst an, infolge dessen würden ohne Berücksichtigung der aktuellen Notenbankpolitik auch die Zinsen steigen, was wiederum die privaten Investitionen dämpft (Crowding out) und den US-Dollar aufwertet. Die Importneigung würde zunehmen und die Nettoexporte würden sich verschlechtern.

Gegen diese steigenden Zinsen stemmt sich jedoch vehement die US-Notenbank dagegen. "Wir denken noch nicht einmal daran, über eine Zinserhöhung nachzudenken", so der Fed-Chef Jerome Powell kürzlich in einer Mitteilung.

Mit diesem kompromisslosen Einsatz von Geld- und Fiskalpolitik (dem sogenannten Policy Mix) hat sich die USA eine ideale Wettbewerbssituation verschafft.

Wo liegt das Risiko? Durch die kombinierte Vorgehensweise von Fed und US-Regierung ist ein neues Risiko entstanden. Sollte die US-Wirtschaftsleistung zu stark anziehen, könnte dies die Inflation anfachen. Die Fed müsste den Geldhahn zudrehen.

Dieser Gefahr ins Auge sehend hat die US-Notenbank vor kurzem ihre geldpolitische Strategie geändert. Sie möchte nach wie vor eine Durchschnittsinflation von zwei Prozent erreichen - diese Marke soll aber keine Obergrenze mehr darstellen. Daraus kann gefolgert werden: Wenn die Fed zehn Jahre ihr Inflationsziel von zwei Prozent nicht erreicht hat, dann kann sie auch zehn Jahre lang Inflationsraten von über zwei Prozent akzeptieren, ohne dabei die geldpolitischen Zügel anzuziehen. "Wir binden uns bei der Definition der Durchschnittsinflation nicht an eine mathematische Formel", sagte Powell. Man wolle das "flexibel" handhaben.

Die Richtungsänderung der Fed impliziert, dass die Leitzinsen noch lange Zeit bei null Prozent liegen dürften, selbst wenn die Inflation über 2 Prozent klettert. Damit bleiben die Kapitalbeschaffungskosten weiterhin niedrig, was sich positiv auf die Unternehmensgewinne auswirkt. Vor diesem Hintergrund und den weiteren Vorteilen aus dem Policy Mix bleiben wir positiv für US-Aktien.

About: Einschätzung von Roland Rupprechter, CEO der R&B Research und Vermögensmanagement Gesellschaft, Vorarlberg.

(Der Input von Gast kommentar für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 30.10.)


 

Bildnachweis

1. Roland Rupprechter



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