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Montecuccoli: Entspannung beim Schadholz, Anspannung am Markt

03.03.2021
Wien (OTS) - Die Land&Forst Betriebe Österreich ziehen Bilanz über die Forstwirtschaft 2020: Klima- und Corona-Krise, erschwerte Marktbedingungen und ein zunehmender Hype um den Erholungsraum Wald machen heimischen Waldbesitzern das Leben schwer. „Das Jahr 2020 war von zwei weltweiten Krisen geprägt: Die Klima- und die Covid-19-Krise. Hinzu kommt ein sehr volatiler Markt. Einerseits haben wir es mit steigenden Kosten für Käferbekämpfung, Wiederaufforstung, Waldhygiene etc. zu tun, andererseits mit niedrigen Holzpreisen. Zudem steigen massiv die Anforderungen der Gesellschaft an die vielfältigen Waldfunktionen – vor allem die Erholungsfunktion hat den Wald 2020 mit einem regelrechten Ansturm an Freizeitnutzern an seine Grenzen gebracht. Im Kampf gegen den Klimawandel brauchen wir mehr denn je eine nachhaltige, aktive Waldbewirtschaftung“, resümiert DI Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.
Zwtl.: Klimawandel ist Realität – Verschnaufpause im Sommerregen 2020
Anfang des Jahres 2020 mussten heimische Forstwirte vom Schlimmsten ausgehen – das Frühjahr 2020 war geprägt von enormer Trockenheit und fehlendem Niederschlag. Früher Borkenkäferflug, schlechte Wasserversorgung der Böden sowie Waldbrandgefahr hielten Waldbesitzer in Atem. 2020 zählt abermals zu den wärmsten Jahren der österreichischen Messgeschichte, aber der Sommer brachte zum Glück den so notwendigen Niederschlag für die Wälder. Das war eine kurze Verschnaufpause für Wald und Waldbesitzer, denn langfristig gesehen schreitet der Klimawandel unerlässlich und immer schneller voran.
Zwtl.: Covid-19 brachte den Markt zusätzlich durcheinander
Neben der Klimakrise war das Jahr 2020 noch von einer weiteren Herausforderung betroffen: Die Corona-Krise traf zu Beginn der Pandemie die gesamte Wertschöpfungskette Holz. Im Lockdown eins kam es zu Produktionsrückgängen der Säge-, Papier und Plattenindustrie mit negativen Auswirkungen auf die Urproduktion. Die Nachfrage nach heimischem Frischholz ging zurück und die Preise sind massiv gesunken. Erschwerte Aufarbeitungsbedingungen und Arbeitskräftemangel durch den Lockdown taten ihr Übriges. Ab Mai 2020 ging es zumindest für die Marktpartner wieder bergauf. Die Sägeindustrie konnte ihren Betrieb wieder aufnehmen und erlebt seitdem einen Aufwärtstrend, während die Urproduktion aus dem Talboden nicht herauskommt.
Zwtl.: Verstärkte Freizeitnutzung in Corona-Zeiten
Die Corona-Krise hatte zudem einen unerwarteten Effekt auf den Freizeit- und Erholungsraum Wald. In Zeiten der Ausgangs- und Reisebeschränkungen strömen deutlich mehr Menschen auf der Suche nach Erholung und Bewegung in die Wälder. Der Wald hat aber zahlreiche Funktionen zu erfüllen und hier kommt es immer wieder zu Konflikten. „Waldbesucher fühlen sich bereits durch die Masse anderer Waldbesucher gestört, Wildtiere werden aufgeschreckt und zurückgedrängt, Jungkulturen werden betreten und beschädigt, Schutzgebiete werden überlaufen, Waldarbeit wird behindert und Menschen in Gefahr gebracht. In manchen Regionen werden wir künftig um Lenkungsmaßnahmen und klare Spielregeln für die Freizeitnutzung nicht herumkommen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in bedarfsorientieren Lösungen und vor allem in der Kommunikation“, ist der Verbandspräsident überzeugt.
Zwtl.: Holzeinschlag – Schadholzaufkommen halbiert
Im Jahr 2020 betrug die österreichische Gesamt-Holzernte rund 16,4 Millionen Festmeter (2019: 18,9 Mio. FM). Der Niederschlag im Sommer brachte eine Entspannung bei den Käferkalamitäten. Somit halbierte sich die Schadholzmenge 2020 im Vergleich zum Vorjahr auf 5,8 Millionen Festmeter (2019: 11,7 Mio. FM). Die Schadholz-Situation in den Nachbarländern Deutschland und Tschechien war und ist jedoch nach wie vor auf Rekordniveau. Der klimawandelbedingte enorm hohe Schadholzanteil führte nicht nur zu einem Mengendruck, sondern auch zu einer Preisreduktion, die die heimischen Forstbetriebe schmerzhaft zu spüren bekommen. Viele Waldbesitzer, die nicht von Kalamitäten betroffen waren, haben sich vom Markt zurückgezogen.
Zwtl.: Holzpreise 2020 auf historisch niedrigem Niveau
2020 brachte über alle Sortimente eine weitere deutliche Preisreduktion im Vergleich zu 2019. Die Holzpreise befinden sich zudem bereits seit mehreren Jahren auf einer Abwärtsspirale. War zu Beginn des Jahres 2020 – also vor der COVID-19-Pandemie – bei den Nadelsägerundholzpreisen noch ein leichter Trend nach oben erkennbar (Jänner/Februar 2020: 75,6 Euro/fm), gingen die Holzpreise mit Beginn der Corona-Krise auf Talfahrt und erreichten im Sommer 2020 mit 61,3 Euro/fm einen Rekord-Tiefstwert. Erst Ende des Jahres 2020 waren wieder positive Preissignale erkennbar.
„Der Jahresdurchschnittspreis 2020 betrug beim Nadelsägerundholz 68,8 Euro pro Festmeter, das ist eine 30-prozentige Preisreduktion zu den eigentlich notwendigen Preisen von Mitte 2014. Im 3. Quartal 2020 lag der Sägerundholzpreisindex erstmals seit 2009 unter der 100-Prozent-Marke. Bei solchen Preisen ist kein positives Ergebnis mehr möglich! Durch den Holzverkauf können wir die betrieblichen Kosten nicht mehr decken und eine nachhaltige Forstwirtschaft wird in Gefahr gebracht. Ein Lichtblick besteht darin, dass seit dem 4. Quartal 2020 die Preise leicht ansteigen, die Auftragsbücher der Sägeindustrie voll sind und von Seiten der Industrie auch große Investitionen angekündigt sind“, erläutert Felix Montecuccoli die aktuelle Holzpreissituation.
Zwtl.: Außenhandelsbilanz 2020
Österreich importierte 2020 insgesamt 12,06 Millionen Festmeter Rohholz. Hauptimportländer waren Tschechien und Deutschland. Der Nadelschnittholzexport ist gleichzeitig um etwa 2,5 Prozent zurückgegangen. Hier hat die Corona-Krise in einigen Ländern großen Einfluss gehabt, was aber Mitte des Jahres wieder ausgeglichen werden konnte. In dem bisherigen Hauptexportmarkt Italien ging der Export um 9,4 Prozent zurück. Dies wurde durch einen verstärkten Export nach Deutschland (+13 Prozent) und USA (+26 Prozent) ausgeglichen. Aus einem Gesamt-Rohholzimport von 12,06 Millionen Festmeter und einem Gesamt-Rohholzexport von 0,63 Millionen Festmeter ergibt sich somit ein Netto-Rohholz-Import 2020 von 11,43 Millionen Festmeter.
Zwtl.: Kein Requiem für tote Wälder
Montecuccolis Blick in die Zukunft fällt gemischt aus: „Der Waldfonds bringt wertvolle Unterstützung für aktive Waldbewirtschaftung, die Nachfrage nach Holz und Holzwerkstoffen steigt. Wir brauchen weiterhin eine gute Konjunktur, positive Preisentwicklungen und auch Vertrauen und Transparenz in der Holzübernahme. Neben den marktwirtschaftlichen Bedingungen bleibt aber ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor: Der Klimawandel! Die Produktionsstätten des Rohstoffes Holz liegen unter freiem Himmel und sind direkt von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.“
Unter all den Unsicherheiten des Klimawandels und den schwierigen Marktbedingungen ist der Waldfonds, der seit Februar 2021 beantragt werden kann, eine ganz wichtige Hilfe für die Aufrechterhaltung der nachhaltigen Forstwirtschaft und für die Pflege klimafitter Wälder. „Jeder Euro dieses Pakets ist gut investiert – in die Zukunft der Wälder, unseres Klimas und unserer Enkelkinder. Im Unterschied zu Förderungen in anderen Ländern ist dies kein Zuschuss für ein Requiem für tote Wälder, sondern eine wertvolle und wirksame Unterstützung für eine aktive und klimafitte Waldbewirtschaftung“, zeigt sich Montecuccoli erfreut.
Zwtl.: Entlasten statt Belasten
Die Land&Forst Betriebe Österreich thematisierten in ihrer Pressekonferenz auch politische Rahmenbedingungen. Zur Biodiversitätsstrategie hält Verbandspräsident Montecuccoli fest: „Die Forderung nach Außer-Nutzen-Stellen ist ganz klar der falsche Weg. Der richtige Weg lautet: Holz nützen – Klima schützen! Und wir Landbewirtschafter müssen in den Prozess miteinbezogen werden. Eindimensionale Forderungen und Verpflichtungen sind kein Lösungsansatz für das so bedeutende Thema Biodiversität und konterkarieren zudem den Klimaschutz und viele andere Waldleistungen. Es braucht partnerschaftliche Lösungen. Nur proaktiv von Landbewirtschaftern und Grundbesitzern mitgestaltete und mitgetragene Biodiversitätsmaßnahmen werden nachhaltigen Erfolg für die Zukunft bringen können. Bereits bisher erfolgreich umgesetzte Vertragsnaturschutzlösungen bilden hier eine geeignete Grundlage!“
Weiters fordert der Verband mehr Tempo in der Umsetzung des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes. „Im Kampf gegen die Klimakrise haben wir keine Zeit, um zu warten und aufzuschieben. Das ausgesprochene Klimaziel der Bundesregierung rückt in weite Ferne“, mahnt Montecuccoli und ergänzt: „Eines ist klar: Ohne biogene Energieträger ist die Energiewende nicht zu schaffen. Biomasse-Anlagen leisten auf dem Weg, weg von fossiler und hin zu erneuerbarer Energie, einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Biomasse ist eine wichtige Ergänzung zu emissionsfreien Energiequellen wie Sonne, Wind, Wasser. Denn Strom aus Biomasse kann unabhängig von der Witterung immer und regelmäßig erzeugt werden. Zudem sichert der Fortbestand der Biomasseanlagen regionale Wertschöpfung und wertvolle Arbeitsplätze im ländlichen Raum.“
Außerdem fordert der Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich für die Forstwirtschaft eine steuerliche Entlastung statt einer Belastung: „Steuern und Abgaben müssen aus Erträgen finanzierbar sein. Forstwirtschaft wird ein schlechtes Geschäft bleiben und soll trotzdem vielfältige Leistungen für Umwelt und Gesellschaft erbringen. Wer in Zukunft Waldbewirtschaftung betreibt, wird ein Arbeitseinkommen haben, aber eine sehr geringe Vermögensverzinsung. Steuern und Abgaben müssen aus Erträgen finanzierbar sein und keinesfalls aus der Substanz!“
Die Land&Forst Betriebe Österreich sind die freiwillige Vereinigung österreichischer Landbewirtschafter, mit der Zielsetzung, Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren Tätigkeit sowie Verantwortung zu schaffen. Die Mitgliedsbetriebe der Land&Forst Betriebe Österreich bewirtschaften zusammen ein Drittel des österreichischen Waldes und produzieren jede fünfte Tonne des österreichischen Getreides.
 

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