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WIFO: Tourismusanalyse Wintersaison 2019/20

03.06.2020
Wien (OTS) - Waren im Winter 2019/20 die Vor- und Hauptsaison noch äußerst erfolgreich verlaufen (November 2019 bis Februar 2020: Gästeankünfte +7,0%, Nächtigungen +7,2%), brach die Nachfrage im letzten Saisondrittel infolge der COVID-19-Krise massiv ein (März bis April 2020: Ankünfte ‑80,0%, Übernachtungen ‑72,1%). Für das gesamte Winterhalbjahr 2019/20 bedeutet dies nicht nur beträchtliche mengenmäßige Einbußen von rund einem Fünftel (Ankünfte ‑22,0%, Nächtigungen ‑18,1%), sondern auch entsprechend hohe Einnahmenverluste (nominell 16,9%, real 18,2%).
Die vor Ausbruch der COVID‑19-Pandemie erwirtschafteten Einnahmen im Wintertourismus stellten für viele Betriebe eine wichtige Reserve für die Lockdown-bedingten Ausfälle ab Mitte März 2020 dar: Trotz klimatisch eher unvorteilhafter, weil zu warmer Bedingungen für den alpinen Wintertourismus, zog die Nachfrage in den ersten vier Saisonmonaten kräftig an. Der Schalttag im Februar 2020 sowie frühe Ferientermine (2020 schon im Februar anstatt im März) auf wichtigen Quellmärkten wie Bayern, Belgien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich begünstigten das Ergebnis der Vor- und Hauptsaison zusätzlich (Ankünfte +7,0%, Nächtigungen +7,2%; schalttagbereinigt betrug die Steigerung bei Ankünften +5,9%, bei Übernachtungen +5,2%). Die negativen Auswirkungen der COVID-19-Krise spiegelten sich dann im letzten Winterdrittel auch in der Beherbergungsstatistik deutlich wider: Infolge der Grenz- und Betriebsschließungen ab Mitte März 2020 schrumpfte die Zahl der Ankünfte im gesamten vorletzten Wintermonat um über zwei Drittel (‑67,4%), jene der Übernachtungen um ‑58,6%; im April kam infolge des durch die Bundesregierung ausgesprochenen Betretungsverbotes von Beherbergungsbetrieben für touristische Zwecke die Nachfrage so gut wie vollständig zum Erliegen (Ankünfte ‑97,9%, Übernachtungen ‑96,5%). In einem "Normaljahr" ohne Sonderereignis wie der aktuellen Pandemie hat vor allem der Monat März mit gut einem Fünftel der Winternächtigungen maßgebliches Gewicht, auf den April entfallen üblicherweise rund 10% bis 12% der Nachfrage (in Abhängigkeit von der Lage der Osterferien); in der aktuellen Saison belief sich das Nächtigungsaufkommen beider Monate zusammen auf nur gut ein Zehntel des Gesamtvolumens. In Summe bilanzierte der Wintertourismus 2019/20 mit ‑22% bei Gästeankünften und ‑18,1% bei Übernachtungen (unbereinigte Werte; auf schalttagbereinigter Basis gingen die Ankünfte um ‑22,6% zurück, die Nächtigungen um ‑19,4%). In absoluten Größen entspricht das aktuelle Nächtigungsniveau mit 59,7 Mio. in etwa jenem des Winters 2006/07 (59,4 Mio.), auf den bisherigen Höchstwert der Saison 2018/19 fehlen somit 13,2 Mio. Übernachtungen.
Die Entwicklung der Tourismuseinnahmen verlief aktuellen Schätzungen zufolge ähnlich jener der Mengenindikatoren: Während von November 2019 bis Februar 2020 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018/19 noch Zuwächse von nominell rund einem Zehntel bzw. real 7¼% erzielt wurden (einschließlich Schalttageffekt; bereinigt: nominell +8¼%, real +5½%), lag das Saisonergebnis aufgrund der pandemiebedingten Einbußen ab Mitte März mit unbereinigt insgesamt 12,43 Mrd. € um nominell rund 17% unter dem Niveau des Winters 2018/19 (real ‑18¼%). Nach Korrektur um den Kalendereffekt betrugen die Einnahmen im österreichischen Wintertourismus 2019/20 nominell 12,32 Mrd. €, das Minus gegenüber der Saison 2018/19 vergrößerte sich auf dieser Basis um jeweils rund 1½ Prozentpunkte (nominell ‑18½%, preisbereinigt –19¾%).
Übersicht 1: Tourismusentwicklung in der laufenden Wintersaison – auf der [WIFO-Website] (https://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Regional wirkten sich die pandemiebedingten Nachfrageausfälle im Hinblick auf das Wintergesamtergebnis im Norden und Osten Österreichs überdurchschnittlich stark aus: Die Städtedestination Wien verzeichnete bereits im März 2020 die mit Abstand höchsten relativen Nächtigungseinbußen unter allen Bundesländern (‑70,6%), in Nieder- und Oberösterreich sowie im Burgenland bedingte vor allem der flächendeckende Nachfrageausfall im April eine insgesamt überproportional negative Winterbilanz 2019/20 – in diesen Bundesländern hat der letzte Saisonmonat üblicherweise rund doppelt so hohes Gewicht an den Winternächtigungen wie in Österreich insgesamt; in Ober- und Niederösterreich entwickelte sich zudem die Nachfrage bereits von Dezember 2019 bis Februar 2020 deutlich schwächer als bundesweit. Für die Einnahmen der genannten Bundesländer bedeutet dies im gesamten Winterhalbjahr 2019/20 relativ stärkere Rückgänge als in den übrigen Landesteilen (von nominell rund ‑23% in Oberösterreich bis ‑29% im Burgenland; Schätzung: nur unbereinigte Werte verfügbar). Salzburg, Kärnten und Tirol verzeichneten dagegen dank eines besonders erfolgreichen und gewichtigen Februars vergleichsweise moderate Umsatzrückgänge (rund ‑13% bis ‑15%), in der Steiermark und Vorarlberg fielen die prozentualen Einbußen im Wintertourismus 2019/20 ähnlich wie für Österreich insgesamt aus.
Übersicht 2: Vergleich unbereinigter und bereinigter Ergebnisse – auf der [WIFO-Website] (https://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Ein jeweils deutlich höherer internationaler Marktanteil sowie eine weniger rückläufige Nächtigungsdynamik bei Wintergästen aus dem Ausland als im Bundesschnitt begünstigte in Kärnten, Salzburg und Tirol die im Vergleich zu den übrigen Regionen relativ bessere Gesamtentwicklung im Winter 2019/20. Mittelfristig werden jedoch die Bundesländer mit einem hohem Internationalisierungsgrad (dazu gehören neben den drei genannten auch noch Vorarlberg und Wien) in stärkerem Maße und länger mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Krise konfrontiert sein, da auch alle wichtigen Auslandsmärkte von Reise- und Ausgangsbeschränkungen betroffen sind und auch nach Öffnung der Grenzen noch mit einer verhaltenen Nachfrage zu rechnen ist. Ein weiteres Hemmnis stellt der vollkommen zum Erliegen gekommene Flugverkehr dar: Hier ist derzeit nicht absehbar, wie sich Umfang und Struktur der Branche durch die Krise verändern werden, wobei sich das Angebot auch im Hinblick auf notwendige Maßnah­men zum Klimaschutz langfristig stark verändern könnte. Neben der Forcierung des Inlandstourismus werden daher die Nahmärkte Deutschland, Niederlande, Schweiz, Ungarn und Tschechien von entscheidender Bedeutung für die Erholung des Tourismus in Österreich sein.
Im Winter 2019/20 zeigte sich die Nächtigungsentwicklung in Österreich auf 15 ausgewählten Auslandsmärkten rückläufig (insgesamt ‑16,7%), jedoch mit unterschiedlich starker Ausprägung: Nächtigten die Gäste aus Dänemark und den Niederlanden nur um 6,2% bzw. 8,8% seltener als in der Saison 2018/19 – ihr Marktanteil an der internationalen Nachfrage betrug zusammen 14,5% –, waren es am wichtigsten Markt, Deutschland (47,7% des ausländischen Nächtigungsaufkommens), 17,0%; hier entsprach der Rückgang der internationalen Gesamtdynamik. Relativ geringere Nächtigungseinbußen verzeichneten die Beherbergungsbetriebe im Winter 2019/20 bei Gästen aus Russland (‑12,4%), Osteuropa (Ungarn, Tschechien, Polen, Rumänien – insgesamt ‑15,1%) und Schweden (‑15,1%), deutlich kräftigere auf den von der COVID-19-Pandemie wesentlich stärker betroffenen Quellmärkten Frankreich (‑20,6%), Schweiz (‑21,1%), Vereinigtes Königreich (‑23,3%), USA (‑24,7%), Belgien (‑25,7%) und Italien (‑32,2%). Das Nächtigungsaufkommen inländischer Gäste war um 21,7% geringer als in der Saison 2018/19.
Von den einzelnen Unterkunftsarten bilanzierten im Winter 2019/20 einzig die Ferienwohnungen und ‑häuser mit relativ moderaten Nächtigungsverlusten – der besonders erfolgreiche Saisonverlauf bis zum Lockdown Mitte März milderte das Gesamtergebnis deutlich ab (gewerblich ‑10,1%, privat ‑12,9%). Anders dagegen in der Hotellerie und den Privatquartieren, wo von November 2019 bis April 2020 um insgesamt knapp ein Fünftel weniger Gäste nächtigten. In den übrigen Unterkünften (Campingplätze, Unterkünfte für Kinder und Jugendliche, Kurheime, bewirtschaftete Schutzhütten, Sonstige) fiel das Minus sogar noch etwas höher aus (‑22,8%).
Pressemitteilung von Statistik Austria (Hochrechnung zu Ankünften und Übernachtungen): http://www.statistik.at/web_de/presse/123294.html (http://www.statistik.at/web_de/presse/123294.html)
 

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