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02.04.2014, 3108 Zeichen

Die Telekom hat sich trotz widriger Umstände 2013 wacker geschlagen: Der
Gewinn je Aktie beträgt bescheidene 0,20, die Mini-Dividende von 0,05 wird
beibehalten, die Nettoverschuldung ist auf fast 3,7 Milliarden explodiert,
das Eigenkapital wird wegen einer erfolgreich platzierten Hybridanleihe von
0,6 Milliarden EUR mit 1,5 Milliarden ausgewiesen, woraus sich ein Gearing
von beängstigenden 244 Prozent errechnet; die Nettoverschuldung zu EBITDA
hat sich deutlich von 2,2 auf 2,9 erhöht. 

Die Schatten der Vergangenheit wirken stark nach: Skandale, Missmanagement,
personelle Fehlgriffe im Top-Management, ein überforderter, naiver
Aufsichtsrat, teure Akquisitionen in Bulgarien und Weissrussland, eine
vollkommen verfehlte  Dividendenpolitik; bis vor kurzem sinnlose und teure
Aktienrückkäufe haben das Unternehmen nachhaltig geschwächt. Die schwierigen
Marktbedingungen haben die Schwächen des Unternehmens zusätzlich
schonungslos aufgedeckt. 

Der Kernaktionär ÖIAG hat auf diese Entwicklungen nicht entsprechend
reagiert und ist seit dem Einstieg von Amercan Movil in einer unangenehmen
Zwickmühle. Das Unternehmen bracht dringend eine Verbesserung der
Eigenkapitalbasis, aber das Geld ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden.
American Movil agiert zurückhaltend geschickt, ist aber als derzeit gleich
starker Aktionär auf Dauer mit einer Position am Gängelband der ÖIAG nicht
einverstanden. Die Lösung soll ein Syndikatsvertrag bringen, womit Zeit
gewonnen wird, die Öffentlichkeit beruhigt und die gravierenden Fehler der
Vergangenheit kaschiert werden sollen. Wer das Geld hat, schafft
letztendlich an: Wenn die ÖIAG nicht im Verhältnis zur American Movil die
Anzahl der Aktien auf gleicher Höhe halten kann, ist die Marginalisierung
vorprogrammiert. Nach Abschluss des Syndikatsvertrages ist fast sicher mit
einem Pflichtangebot zu rechnen: diese eingelieferten Aktien müssten sich
die beiden Hauptaktionäre teilen und auch einen Großteil der kolportierten
Kapitalspritze von 1,5 Milliarden aufbringen. Auch wenn Rudolf Kemler und
seine Berater noch so gut verhandeln, sie können aus ihrer geschwächten
Position resultierende Nachteile nicht kompensieren. Fatal ist auch, dass
der Betriebsrat die Belegschaft nicht motivieren konnte eine
Mitarbeiterstiftung nach Modell voestalpine aufzubauen. Die Absicherung
nicht mehr zeitgemäßer "Beamtenprivilegien" in einem im scharfen Wettbewerb
stehenden Technologieunternehmen war leider wichtiger.

Der Erhalt der prestigereichen Position des Aufsichtsratsvorsitzenden und
die Zentrale in Wien für zehn Jahre ist mehr als dürftig und bedeutet nett
verpackt das Ende der Telekom als österreichisches Infrastrukturunternehmen.
Was immer bei den Verhandlungen herauskommen wird, die PR-Verantwortlichen
werden daraus eine Erfolgsstory für die Öffentlichkeit basteln. All
diejenigen, die dies nicht wahr haben wollen, sei an das Schicksal der Bank
Austria erinnert: ein Ableger einer italienischen Bank, die derzeit von
extrem hohen Verlust geplagt wird, und die ihre prestigereiche Zentrale in
der Schottengasse an den Telekom-Zampano und Ex-Mitarbeiter Ronny Pecik
verkaufen musste. 

Wilhelm Rasinger



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Autor
Wilhelm Rasinger
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