27.08.2014, 1967 Zeichen
In den letzten Jahrzehnten war Wachstum dass Allheilmittel für viele wirtschaftlichen Probleme. Der Staat hatte keine Hemmungen, sich zu verschulden, da Wirtschaftswachstum höhere Steuereinnahmen brachte. Soziale Spannungen konnten vermieden werden, weil der eine viel mehr, der andere immerhin ein wenig mehr davon profitierte. Eine moderate Inflation verstärkte die Illusion, dass das Einkommen stieg, auch wenn real die Zuwächse nur bescheiden waren. Wachstumsraten von knapp über Null werden nicht mehr wahrgenommen und die Angst vor den Folgen eines auch nur geringen Rückgangs von ein bis zwei Prozent bereitet Politikern und Wirtschaftsexperten unruhige Stunden und verursacht hilflose Reaktionen bzw. unrealistische Zukunftshoffnungen, dass dies nur vorübergehend sei. Der neurotische Zwang nach mehr Produktivität führt dazu, dass menschliche Arbeitskraft immer mehr durch Rationalisierungen und neue Technologien ersetzt wird. Die Arbeitslosenzahlen werden sich trotz statistikbeschönigenden Umschulungen und durch das hartnäckige Festhalten auf einem niedrigen Pensionsantrittsalter weiter erhöhen. Den Preis zahlt die Jugend, der eine stark belastete Umwelt übergeben wird, und die, wenn überhaupt, nur einen Arbeitsplatz zu wesentlich schlechteren Bedingungen findet, aber die aufgelaufenen Staatsschulden schultern muss. Das wird auf Dauer so nicht funktionieren. Mit einem weiteren Ausverkauf von Staatsvermögen kann das Problem zwar hinausgeschoben, aber nicht gelöst werden.
Einbrüche auf den Exportmärkten wegen zunehmender Konkurrenz oder Kriegshandlungen verschärfen die Situation. Es ist höchste Zeit, dass sich Experten mit den Folgen der Wachstumskrise und deren Bewältigung auseinandersetzen, anstatt den Wachstumsraten der Vergangenheit nachzutrauern. Die Sparer, die derzeit hilflos einem Realverlust von einem bis zwei Prozent hinnehmen müssen, spüren bereits die Auswirkungen, die sich wahrscheinlich noch verschärfen werden.
Dr. Wilhelm Rasinger
Wiener Börse Party #1145: ATX dank Andritz mit Hydropower fester, Raiffeisen Research passt den Game Plan an
Telekom Austria
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