07.01.2016, 4235 Zeichen
Der US-Dollar-Index wird mittels eines Währungskorbs aus sechs Währungen ermittelt. Er wurde 1973 eingeführt und wird an der Terminbörse ICE gelistet. Der Euro beansprucht mit 57,6 Prozent den größten Teil des Korbes. Die weiteren Währungen sind der japanische Yen (13,6 Prozent), das britische Pfund (11,9 Prozent), der kanadische Dollar (9,1 Prozent), die schwedische Krone (4,2 Prozent) sowie der Schweizer Franken (3,6 Prozent).
Die berechtigte Kritik an dieser starren und nicht der Realität entsprechenden Verteilung – der Yuan fehlt komplett – führte zur Bildung eines handelsgewichteten US-Dollar durch die Fed. In diesem Dollar-Index hat der chinesische Yuan einen Anteil von 21 Prozent, gefolgt vom Euro mit 16 Prozent. Der kanadische Dollar und der mexikanische Peso sind mit jeweils 12 Prozent gewichtet.
Uns interessiert der Vergleich des US-Dollar-Index (orange) mit dem handelsgewichteten Index (blau).

Dabei zeigt sich für das Jahr 2015 im Trendbild ein deutlicher Unterschied. Während der US-Dollar-Index mit einem kleinen Fehlausbruch auf der Oberseite Anfang Dezember eine Art Doppelhochformation ausgebildet hat, ist der Anstieg des handelsgewichteten US-Dollars völlig intakt. Der handelsgewichtete Dollar-Index müsste nur noch etwa 5-6 Punkte ansteigen, um das Hoch des Jahres 2002 zu erreichen. Dieses Niveau ist als ein starker Widerstand anzusehen. Der Anstieg sollte hier zumindest gebremst werden, könnte aber auch zu einer Umkehr führen.
Warum machen wir uns Gedanken über einen Dollar-Index, den man nicht handeln kann? Im Falle einer Yuan-Abwertung würde der handelsgewichtete Dollar-Index – im Gegensatz zum althergebrachten Dollar-Index – weiter steigen. Und dies nicht zu knapp, da der Yuan das Index-Schwergewicht darstellt. Das Hoch des Jahres 2002 könnte auf diese Art und Weise erreicht werden, selbst wenn sich Euro und Yen stabilisieren sollten.
Würde China den Yuan abwerten, stünde der US-Dollar mit seiner Stärke allein auf weiter Flur. Diese wäre für die USA insofern gefährlich, weil Deflation importiert werden würde und sich die Exportaussichten für US-Produkte verschlechtern würden. Der US-Industriesektor spürt solche Auswirkungen bereits. Die Margen international operierender US-Unternehmen würden unter Druck geraten. Zudem würde die internationale Liquidität weiter versiegen. Dollar-Kredite gerieten in Rohstoff- und Schwellenländern in Gefahr.
Der indexierte Vergleich von Euro, Yen und Yuan (1995=100) zeigt, dass die einzige große Währung ohne Abwertungsrally der chinesische Yuan ist.

Die Abwertung des Euro und des Yen verlief für beide Wirtschaftsräume bislang erfolgreich. Hingegen leidet die Wettbewerbsfähigkeit Chinas auf dem Weltmarkt. Das sich verlangsamende chinesische Wirtschaftswachstum führt zu Abflüssen von Investoren-geldern. Weil das Kapital abfließt, muss die chinesische Zentralbank Dollar verkaufen, um den Kurs des Yuan stabil zu halten. Die Devisenreserven Chinas fielen innerhalb der vergangenen 17 Monate von 4 auf 3,4 Billionen US-Dollar.

Auch wenn noch ein großes Polster vorhanden ist: Das Tempo des Schwunds an Devisenreserven ist beeindruckend. Solange der Kapitalabfluss anhält – und wir nehmen an, dass die Entwicklung zumindest im ersten Halbjahr anhalten wird -, steht der Yuan unter Abwertungsdruck. Mit einer Entscheidung pro Yuan-Abwertung könnte die chinesische Zentralbank ihre Reserven schonen.
Wir nehmen an, dass China nicht darum herumkommen wird, die vorhandene Distanz zu Euro und Yen zu verkürzen. Dies dürfte den handelsgewichteten Dollar-Index weiter stärken.
Sie lasen gerade einen Auszug aus dem Wellenreiter-Jahresausblick 2016. Der Ausblick kann über die Wellenreiter-Website heruntergeladen werden.
Ein Beitrag von Robert Rethfeld.
Robert Rethfeld betreibt den Börsendienst Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender, abonnementsbasierter Börsenbrief. Seit Ende der 80er Jahre lebt er im Vordertaunus, zunächst in Bad Homburg und seit dem Jahr 1999 in Oberursel. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und hält sich durch Laufen im Taunus sowie durch Golfspielen fit.
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Bildquelle: Robert Rethfeld / dieboersenblogger.de
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