14.09.2016, 2623 Zeichen
Der Fall der abgesagten Fusion von Linde (WKN: 648300 / ISIN: DE0006483001) und dem US-Konkurrenten Praxair zeigt wieder einmal die Licht- und Schattenseite der aktuellen Fusionitis am weltweiten Kapitalmarkt. Dank der historisch günstigen Finanzierungsbedingungen greifen Unternehmen immer tiefer in die Kassen, um statt organisch, wenigstens durch Zukauf zu wachsen. Aber Größe ist nicht alles.
Unterstellen wir einmal, dass die Fusion von Linde und Praxair aufgrund der jeweiligen Unternehmensausrichtung tatsächlich so etwas wie Synergien gebracht, ist der Zeitpunkt der nicht zufällig. In vielen Branchen wird derzeit geschaut, welcher Wettbewerber denn ein interessantes Übernahmeziel wäre. Bestes Beispiel ist die Agrarchemiebranche mit dem Übernahmekampf um Monsanto, das derzeit augenscheinlich von Bayer (WKN: BAY001 / ISIN: DE000BAY0017) zu einem absurd hohen Preis gewonnen wurde.
Unter normalen Finanzierungsbedingungen wäre es zu einem solchem Konzentrationsprozess wohl überhaupt nicht erst gekommen. Doch EZB, Fed und Co. drücken mit ihrer Geldpolitik die Kapitalkosten der großen Konzerne künstlich nach unten. Und billiges Geld verleitet zu waghalsigen Übernahmen. Es bleibt spannend, welche Unternehmen die nächsten Fusionitis-Patienten sind.
Eines darf man aber auch nicht vergessen. Nicht nur die Geldpolitik ist entscheidend. Häufig sorgt auch ein überzogenes Selbstverständnis von Konzernführungen für falsche Übernahmeentscheidungen. In Deutschland wird wohl auf ewige Zeiten die Chrysler-Übernahme durch Daimler-Benz und die Bildung von DaimlerChrysler ein Negativbeispiel in diesem Bereich sein. Inzwischen ist Daimler (WKN: 710000 / ISIN: DE0007100000) wieder alleine aktiv und erfolgreicher denn je. Chrysler hat mit Fiat eine neue Heimat gefunden, die deutlich besser – auch imagemäßig – passt.
Manche Fehler lassen sich mit viel Geld und viel Zeit beheben. Insofern haben die Linde-Manager offenbar rechtzeitig die Reißleine gezogen. Schiere Größe stellt kein Automatismus für erfolgreiche Unternehmen dar. Das sind nur erfolgreiche Produkte. Damit lässt es sich organisch wachsen und am Ende haben die Aktionäre wirklich etwas davon. Vor allem, wenn diese an langfristigem Erfolg im Sinne des eigenen Vermögensaufbaus interessiert sind.
In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihre dieboersenblogger.de-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt
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Börsepeople im Podcast S23/05: Tatjana Aubram
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