21.09.2016, 4009 Zeichen
Do&Co und der überschätzte ATX -Effekt
Am Montag, den 19. September, feierte die Do&Co-Aktie ihre Premiere im Wiener Leitindex ATX. Dass die Aktie just am Tag vor der Indexaufnahme mit einem Abgang von 4,25 Prozent auf 69,31 Euro und satten 1116 Prozent (bei Do&Co) üblicher Tagesumsätze grösster Tagesverlierer bei den Nebenwerten war, überraschte doch. Einen derart grossen Tagesverlust hatte es direkt vor einer Leitindex-Aufnahme in Österreich noch nicht gegeben. Vielleicht wurde im Vorfeld zu stark auf Indexfollower-Käufe spekuliert und in der Schlussauktion spekulativ zugekauftes Material angeboten – das hat nicht funktioniert, dazu war der Indexeffekt zu klein, Do&Co hat nur 1,38 Prozent Gewicht im Leitindex. Die Aktie war in den Tagen davor auch deutlich gestiegen, um ca. 10 Euro von 62 auf 72 Euro, unterbrochen von kleinen Rücksetzern. Der Rückfall um besagte 4,25 Prozent auf 69,31 Euro muss damit auch relativiert gesehen werden. Wertvoll bleiben wird der o.a. Handelsumsatz, der das mehr als Doppelte des bisher besten 2016er-Tages in dieser Hinsicht brachte, denn dies wird auch für künftige Beobachtungslisten wichtig sein, schliesslich konnte der Flughafen Wien im Zuge der aktuellen Umstellung nur knapp übertroffen werden. Der hohe Einzelumsatz vom 16. September wird also künftig helfen. Und noch eine Zahl: Do&Co konnte den durchschnittlichen Handelsumsatz je Tag gegenüber dem Vorjahr um satte 72 Prozent steigern. Für die Liquidität im Orderbuch sorgen u.a. die Raiffeisen Centrobank AG als Specialist sowie die Market Maker Oddo Seydler Bank AG, Wood & Company Financial Services und Spire (neu nach ATX-Aufnahme).
Auch insgesamt ist die Do&Co-Geschichte durchaus „speziell“. Denn jahrelang hatte das
Unternehmen zu den Top-Performern am Wiener Markt gezählt, just 2016 ist man am Ende des ATXPrime-Feldes, das hohe Türkei-Exposure (nicht zu vergessen: die grosse Kapitalerhöhung 2010 war an der Börse in Istanbul durchgeführt worden) drückte auf den Kurs, was sich mit rund 30 Prozent Minus seit Jahresbeginn zu Buche schlägt. Aber just die Verkaufswelle aufgrund von Türkei-Unsicherheiten sorgte für das Handelsvolumen, das man für ein Dabeisein im ATX braucht. Damit hatte der Flughafen Wien wie schon im März (damals als aktiver ATX-Wert knapp gegen AT&S ausgeschieden) erneut das Nachsehen. Nebensatz zur AT&S: Das ATX-Aus bescherte auch hier ein 10faches normaler Tagesumsätze, richtig: das wird dann wieder für künftige Listen wichtig. Bei AT&S scheiterte es aber auch an der Market Cap, hier ist man derzeit ausserhalb der für den ATX notwendigen Top25.
Mit Do&Co kommt jedenfalls ein Wert in den Leitindex, der sich als exzellenter Dividendenzahler positioniert hat. Seit dem Börsengang beteiligte Do&Co seine Aktionäre durchgehend am Gewinn – zuerst mit einer über neun Jahre konstanten Zahlung, ab 2010 dann mit rasant steigenden Ausschüttungen, die 2015 in einer satten Sonderdividende gipfelten. Auch 2016 blieb die Basis hoch.
Fazit: Es gab einmal Fondsmanager-Aussagen nach dem Motto „Immer wenn Do&Co fällt, kann man die Aktie kaufen“. Zuletzt gehört im Jahr 2015 hatte diese Aussage auch stets ihre Gültigkeit. Nun mit der grossen Türkei-Problematik sieht es vielleicht ein wenig anders aus, die Kursziele der Analysten sind aus dem dreistelligen Euro-Bereich in die Region des aktuellen Kurses bei 70 Euro zurückgefallen . Ich werde trotzdem in den kommenden Tagen beginnen, für mein Österreich-wikifolio erste Stücke aufzusammeln. Im Q1 des Geschäftsjahrs 2016/17 stieg der Umsatz um 10,9 Prozent auf 254,5 Mio. Euro, das Konzernergebnis von 6,7 auf 6,8 Mio Euro. Man darf jedenfalls gespannt sein, ob sich das Unternehmen mit der ATX-Aufnahme auch etwas stärker dem österreichischen Privatanleger zuwendet. Das war bisher nicht so die Priorität wie das hervorragende Essen.
HINWEIS: Dieser Text stammt aus der Nullnummer von "Drastils Börsenbrief", der am 23.9. der kompletten Auflage von Medianet beigelegt ist. PDF unter http://www.boerse-social.com/fachheft downloadbar.
Kapitalmarkt-stimme.at daily voice: Bianca-Olivia, Elisabeth Oberndorfer und Andreas Onea reden mit der Wiener Börse übers Investieren
ATX
Uhrzeit:
Veränderung zu letztem SK: 0.02%
Letzter SK: 5813.68 ( 2.80%)
DO&CO
Uhrzeit: 19:03:07
Veränderung zu letztem SK: -1.67%
Letzter SK: 186.00 ( 1.42%)
Bildnachweis
1.
Drastils Börsenbrief unter http://www.boerse-social.com/fachheft downloadbar
Aktien auf dem Radar:Rosenbauer, RBI, DO&CO, Semperit, Austriacard Holdings AG, EuroTeleSites AG, Porr, Amag, Andritz, AT&S, VIG, Uniqa, Palfinger, Polytec Group, Marinomed Biotech, OMV, Addiko Bank, Erste Group, Flughafen Wien, Lenzing, Mayr-Melnhof, RWT AG, Strabag, Wienerberger, BKS Bank Stamm, BTV AG, Oberbank AG Stamm, CA Immo, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria.
Random Partner
REPLOID Group AG
Die 2020 gegründete REPLOID Group AG stellt hochwertige Proteine und Fette sowie biologischen Dünger aus der Aufzucht von Larven der Schwarzen Soldatenfliege her. In den für ihre Kunden errichteten Mastanlagen – den REPLOID ReFarmUnits – erhalten vom Unternehmen gelieferte Junglarven eine auf den jeweiligen Standort abgestimmte Futtermischung aus Reststoffen der regionalen Lebensmittel-Wertschöpfungskette. Nach erfolgter Mast übernimmt REPLOID die Larven zur zentralen Vermarktung.
>> Besuchen Sie 55 weitere Partner auf boerse-social.com/partner
Latest Blogs
» LinkedIn-NL: Die neue Podcastwelle zum Wiener Aktienmarkt
» ATX, OMV, AT&S: Österreichs Börse im Fokus der Charttechnik – und warum ...
» Börse-Inputs auf Spotify zu u.a.: Das überraschende Allzeithoch des ATX TR
» ATX Total Return knackt erneut die Bestmarke – Wiener Börse glänzt mit 1...
» Börse-Inputs auf Spotify zu u.a. Addiko Bank, CTS Eventim, Polytec
» Österreich-Depots: Weekend Bilanz (Depot Kommentar)
» Börsegeschichte 10.4: Böhler-Uddeholm, UBM (Börse Geschichte) (BörseGesc...
» Nachlese: Norbert Hofer Emerald Horizon (audio cd.at)
» PIR-News: News zu Verbund, Addiko, Research zu Telekom Austria, neue Akt...
Useletter
Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab.
Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.
Newsletter abonnieren
Runplugged
Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)
per Newsletter erhalten
- LinkedIn-NL: Die neue Podcastwelle zum Wiener Akt...
- 21st Austria weekly - Verbund (10/04/2026)
- 21st Austria weekly - Addiko, Andritz (09/04/2026)
- 21st Austria weekly - ASTA Energy (08/04/2026)
- 21st Austria weekly - Porr (07/04/2026)
- 21st Austria weekly - Andritz (06/04/2026)
Featured Partner Video
Wiener Börse Party #1131: ATX leichter, Nr.1-Surprise gestern, Applaus für Andritz, feine Frequentis-Worte, RBI, Addiko und viele offene Punkte
Die Wiener Börse Party ist ein Podcastprojekt für Audio-CD.at von Christian Drastil Comm.. Unter dem Motto „Market & Me“ berichtet Christian Drastil über das Tagesgeschehen an der Wiener Börse. Inh...
Books josefchladek.com
Stephen Gill
The Pillar
2019
Nobody
Richard Avedon
Nothing Personal
1964
Atheneum Publishers
Léon-Paul Fargue & Roger Parry & Fabian Loris
Banalité
1930
Librairie Gallimard
