09.05.2017, 5247 Zeichen
Liebe Leser,
die Wahlen in Frankreich sind nun vorüber und der Ausgang erfolgte wie erwartet, allerdings scheint nun die Euro Erholung mit etwas Gegenwind zu hadern. Macron ist mit einem starken Vorsprung zum Präsidenten gewählt worden. Anleger hatten das spätestens seit der Erstrunde antizipiert. Die Debatte zwischen Macron und Le Pen, sorgte dabei für den letzten Run in Richtung 1,10 US-Dollar je Euro, wo das Währungspaar nun in dieser Woche mustergültig gedreht hat. Diese Reaktion war im Großen und Ganzen zu erwarten gewesen. Nicht nur der Sell the Fact- Effekt spielt dabei eine Rolle.
Der US-Dollar hatte sich nämlich bereits in der letzten Woche stabil gegen andere Währungen gezeigt. Der US-Dollar Index blieb weiterhin schwach jedoch größtenteils bedingt durch den Euro und das britische Pfund. Beide Schwergewichte im Index. Die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Zinsschritt im Juni erfolgt, ist in der letzten Woche abrupt angestiegen, nachdem das FOMC-Statement zwar kaum Neues hervorbrachte, aber auch keine Einwände angedeutet wurden. Die Arbeitsmarkdaten am Freitag, bestätigten diese Erwartungen. Im EUR/USD wurde diese Entwicklung jedoch von den Erwartungen an die Wahlen in Frankreich überschattet. Sie werden nun in dieser Woche sichtbar. Schauen wir uns die aktuellen Gegebenheiten etwas genauer an.
Euro Erholung könnte korrigiert werden
Die beiden wahrscheinlichen Zinsschritte, die in diesem Jahr erwartet werden, werden nun eingepreist. Besser gesagt, der nächste Zinsschritt. Die Frage ist, ob sich dieses Einpreisen tatsächlich stark auf den EUR/USD Kurs auswirken wird? Die CME beziffert die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes im Juni aktuell mit 83,1 %. Bloombergs Kalkulationen legen sogar eine Wahrscheinlichkeit von über 90 % zu Grunde. Für den zweiten Zinsschritt berechnet die CME eine Wahrscheinlichkeit von aktuell etwa 38 % für September oder November. Beide Zinsschritte von 25 Basispunkten.
Ich persönlich bin nicht davon überzeugt, dass das Einpreisen des nächsten US-Zinsschrittes sich stark auf den EUR/USD-Kurs auswirken wird, da zum einen die beiden Zinsschritte bereits teilweise eingepreist waren und zum anderen die FED sich mit der Verkleinerung der Bilanz voraussichtlich Zeit lassen wird. Zudem spielen Erwartungen an die EU-Konjunktur und die daraus möglicherweise resultierende weniger lockere Geldpolitik der EZB, zunehmend eine größere Rolle.
Turn-Around Versuch noch nicht beendet
In den letzten Monaten konnte Mario Draghi Marktteilnehmer nicht davon überzeugen, dass die Geldpolitik weiterhin über die vorher festgelegten Ziele locker bleibt. Auch wenn sie das bis dahin noch tut, so wird zumindest bereits jetzt ein Turn-Around gespielt. Ein Turn-Around, der teils durch die konjunkturelle Entwicklung in der EU bestätigt wird.
Wie es aber nun mal mit einem Turn-Around Versuch so ist. Dieser baut sich überwiegend auf Erwartungen auf, bricht dann aber in sich zusammen, sofern diese Erwartungen nicht bestätigt werden können. Und genau hier liegt mein Einwand. Diese Erwartungen sind, meiner Meinung nach weiterhin berechtigt, denn es gab bis auf die schwache Inflation per März und vereinzelt Aussagen einiger EZB-Mitglieder, keinen Anhaltspunkt dafür, warum diese Erwartungen ins Leere laufen sollten. Bisher zumindest.
Abgesehen von den möglichen US-politischen Einflüßen, auf die ich hier in diesem Beitrag „Weiterhin im Euro bullisch?“ näher eingehe, sehe ich daher momentan noch keinen Grund dafür, warum die Euro Erholung nicht stabil bleiben sollte. Betonung liegt auf stabil, nicht stark steigend. Das kann sich spätestens dann ändern, wenn sich Inflationsdaten in den nächsten Monaten deutlich verschlechtern und die Erholung in den Verbraucherpreisen nur vorübergehender Natur wäre. Andererseits, zeichnen sich tatsächlich so etwas wie Zweitrundeneffekte in den Preisen ab, dürfte es mit einem steigenden Euro sehr schnell gehen.
Fazit für die Euro Erholung
Zusammenfassend sehe ich aktuell die sich bereits zuvor schon abzeichnende Schwäche im EUR/USD-Kurs entwickeln. Ein Abpraller an der 1,10 US-Dollar je Euro war zu erwarten gewesen. Aber nicht nur aufgrund der Markttechnik, sondern aufgrund der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines baldigen Zinsanstieges in den USA, sowie dem Sell The Fact Effekt nach dem Ausgang der Wahlen in Frankreich.
Die technische Lage ist zwar unterstützend, meiner Meinung nach aber nur ein Teil des Ganzen. Der nächste Zinsschritt in den USA wird aktuell eingepreist, was für mich jedoch noch keinen Grund darstellt, warum der Euro nicht seine Stabilität beibehalten sollte. Erst wenn sich gravierende politische Veränderungen in den USA ergeben oder EU-Konjunkturdaten erneut negativ ausfallen, sehe ich das Risiko für den EUR/USD Long Trade steigen. Ein anderer Risikofaktor wäre die schneller als erwartet angekündigte Verkleinerung der FED-Bilanz.
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Viel Erfolg!
David Iusow

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Unter 2i-Services verbirgt sich der selbstständige Händler und Marktanalyst David Iusow. Neben diesen Tätigkeiten fungiert David Iusow zudem als Berater und Online-Redakteur.
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