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ATX-Trends: Vorsicht ist weiterhin angesagt (Mario Tunkowitsch, Wiener Privatbank)

08.06.2017, 5228 Zeichen
  • Weiter vorsichtig angesichts der für heute anstehenden Ereignisse verhielten sich die europäischen Investoren gestern, was den wichtigsten Indices leicht niedrigere Schlusskurse bescherte. Zusätzlich lastete ein deutlich nachgebender Ölpreis auf der Stimmung. Im Bankensektor herrschte Erleichterung, dass die spanische Großbank Santander  den in finanzielle Schieflage geratenen Konkurrenten Banco Popular für einen symbolischen Euro übernimmt. Allerdings erhöht sie ihr Kapital über die Ausgabe neuer Aktien um sieben Milliarden Euro, um damit die Kapitallücken der übernommenen Bank zu stopfen, welche die EZB zuvor als nicht überlebensfähig eingestuft hatte. Die Santander-Aktien verloren 0,8%. In Deutschland wirkte die Nachricht, dass die Brennelementsteuer vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, befeuernd auf die Versorger, RWE erzielte ein Plus von 5,5%, Eon konnte 5,2% zulegen.
     
  • Der ATX konnte gestern wieder zulegen und hat damit bereits den vierten Handelstag in Folge mit einem Gewinn beenden können. Gestützt wurde der österreichische Leitindex vor allem von Bankaktien, Erste Group gewann 1,1%, Raiffeisen konnte mehr als 1,4% zulegen. Die Nachricht, dass es anscheinend Schwierigkeiten beim Börsegang der Polentochter gibt, beeindruckte Anleger nicht, dafür profitierte der Titel von einer Kurszielerhöhung durch Goldman Sachs. Bei VoestAlpine fiel die Kurszielerhöhung noch viel deutlicher aus, das konnte aber Investoren nur wenig reizen, der Stahlkonzern konnte nur knapp 0,2% dazugewinnen. Andritz liefert zwei Spezialöfen in die USA, der Titel konnte mehr als 0,7% dazugewinnen.
     
  • Moderate Zugewinne verzeichneten die drei wichtigsten Indices in den USA, wenngleich auch hier der Handel von Zurückhaltung geprägt war. Hier wartet man nicht nur auf die heutigen Wahlen in Großbritannien, auch die Anhörung von Ex-FBI Chef Comey durch den Kongress bewegt die Gemüter. Tesla stellte das SUV-Modell, auf das der Konzern große Hoffnungen setzt, bereits für 2019 in Aussicht, daraufhin konnte der Titel knapp 2,0% zulegen. Coca-Cola wurde von der Bank of Montreal auf „Market perform“ herabgestuft und schloss 1,0% tiefer, gleiches widerfuhr dem Konkurrenten PepsiCo, hier betrug der Verlust aber nur etwas mehr als 0,5%. Zu den Favoriten im Dow gehörte der Krankenversicherer UnitedHealth, nachdem Morgan Stanley eine Kaufempfehlung ausgesprochen hatte legte der Titel 1,3% zu.  
     
  • Steil bergab ging es gestern für den Ölpreis. Die Lagerbestände in den USA hatten entgegen den Erwartungen deutlich zugenommen, zudem wurde durch den IS-Anschlag in Teheran klar, dass durch die OPEC ein immer deutlicherer Riss geht, der eine Einigung bei der Umsetzung von Beschlüssen innerhalb des Kartells zunehmend unwahrscheinlicher werden lässt.  Brent schloss 4,1% tiefer, WTI gab 5,1% ab. Gold konnte das relativ hohe Niveau halten, auch wenn das Edelmetall gestern leicht abgeben musste. Sehr volatil verhielt sich der Euro zum US-Dollar, nachdem zunächst Gerüchte laut wurden, dass die EZB ihre Inflationsprognosen senken wird, gab die Gemeinschaftswährung deutlich nach, später half die Nachricht, dass die Konjunkturerwartungen erhöht werden, wieder zu Gewinnen. Am Ende des Tages  stand für den Euro ein Minus von knapp 0,2%.
     
  • Der EZB-Rat dürfte den im Dezember 2016 beschlossenen Kurs heute bestätigen, zugleich aber erste Signale geben, dass er über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nachzudenken beginnt. Volkswirte erwarten, dass die EZB sowohl die Leitzinsen als auch das Volumen der Wertpapierkäufe unverändert lassen wird. Der im Dezember 2016 beschlossene Plan, den Anleihebestand mindestens bis Ende 2017 monatlich um 60 Milliarden Euro zu erhöhen, bliebe damit in Kraft. Auch deutliche Änderungen bei der "Forward Guidance" sind angesichts niedriger Inflationsraten unwahrscheinlich. Sie sieht einerseits vor, dass die Anleihekäufe mit einem Monatsvolumen von 60 Milliarden Euro zunächst bis Ende dieses Jahres fortgeführt werden, auf jeden Fall aber so lange, bis die Inflation dauerhaft bei rund 2 Prozent zu liegen verspricht. Zudem verspricht die EZB eine Erhöhung des Volumens und/oder eine Verlängerung der Laufzeit für den Fall, dass sich Ausblick oder Finanzierungsbedingungen verschlechtern sollten. Andererseits prognostiziert die EZB, dass sie ihre Leitzinsen deutlich über die Dauer von Wertpapierkäufen hinaus auf dem aktuellen oder einem noch niedrigeren Niveau belassen wird. Sowohl die Prognose für die Ankäufe als auch jene für die Leitzinsen enthalten also einen "Easing Bias". Am ehesten können Analysten sich vorstellen, dass die Prognose eventuell weiter sinkender Zinsen gestrichen wird. Dazu passt, dass Beobachter ziemlich einhellig erwarten, dass die EZB die Risiken für den Wachstumsausblick nicht mehr als abwärts gerichtet, sondern als ausgewogen bezeichnen und zudem die Wachstumsprognosen leicht anheben wird.
     
  • Vorbörslich sind die europäischen Märkte unverändert indiziert. Die asiatischen Börsen schließen uneinheitlich. Von der Makroseite steht heute das Ergebnis der EZB-Sitzung im Fokus. Erste Hochrechnungen zu den UK Wahlen werden erst in der Nacht veröffentlicht. Von der Unternehmensseite ist es relativ ruhig.

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