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Wo die Inflation herkommt (Gastautor, Christoph Scherbaum)

Autor:
Christoph Scherbaum

Die Börsenblogger ist das einfache und direkte Sprachrohr von Journalisten und deren Kollegen, die teils schon mit jahrzehntelanger Arbeits- und Börsenerfahrung aufwarten können. Auch als professionelle Marktteilnehmer. Letztlich sind wir alle Börsenfans. Aber wir vertreten in diesem Blog auch eine ganz simple Philosophie: Wir wollen unabhängig von irgendwelchen Analysten, Bankexperten oder Gurus schreiben, was wir zum aktuellen (Börsen-)Geschehen denken, was uns beschäftigt. Das kommt Ihnen, dem Leser, zu Gute.

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Über Inflation machen sich derzeit die wenigsten Sorgen. Das mag zwar in diesem Moment gerechtfertigt sein, doch langfristig wird Inflation ein Problem bleiben.

Inzwischen gehen nicht wenige Ökonomen davon aus, dass Inflation nie wieder zum Problem wird. Gründe dafür gibt es. Da ist zum einen eine im Durchschnitt immer älter werdende Gesellschaft und zum anderen ein globaler Arbeitsmarkt, der die Kosten niedrig hält.

Eine älter werdende Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die jüngeren Generationen mehr sparen müssen und dadurch weniger konsumieren. Diese Ersparnisse werden im Alter zwar wieder aufgebraucht, doch immer langsamer. Unterm Strich sinkt das Konsumwachstum.

Ein wichtiger Faktor für die Inflation ist der Preis von Arbeit. Jedes Produkt muss hergestellt werden und Arbeit kostet. Je mehr Arbeit kostet, desto teurer ist auch das Produkt. Da nun aber die Produktion immer besser und schneller dorthin verlagert werden kann, wo die Kosten niedrig sind, ist dies ein geringerer Kostentreiber als früher.

Arbeit ist ein wichtiger Kostenfaktor, aber nicht der einzige. Jedes Produkt, welches wir kaufen, kommt ja auch irgendwo her. Es kommt von Feldern, aus Minen oder aus dem Stall. Wer das nächste Mal einkaufen geht, muss nur betrachten, was im Einkaufswagen liegt. Es sind Rohstoffe. Diese Rohstoffe sind zwar verarbeitet – man kauft ja nicht ein Büschel Getreide, sondern Brot – doch am Ende sind es die verarbeiteten Rohmaterialien.

Diese Rohmaterialien haben es in sich. Die Grafik zeigt die derzeitige Marktgröße für Rohstoffe. Dabei handelt es sich um die Preise, die im unverarbeiteten Zustand gezahlt werden müssen. Bei Öl sind das global derzeit etwas über 1,7 Billionen Dollar. Als Benzin sind es dann schon 2,3 Billionen Dollar. An der Zapfsäule sind es 8,3 Billionen Dollar, wenn man unsere Preise zugrunde legt.

In diesem gigantischen Aufschlag, der aus 2,3 gleich 8,3 Billionen werden lässt, sind viele Steuern enthalten. Lässt man diese unberücksichtigt, zahlt der Endkonsument in etwa das Doppelte des Produktionspreises. Das entspricht für alle Rohstoffe zusammen einem Betrag von 20 Billionen weltweit. Das sind 28 % der globalen Wirtschaftsleistung.

Kurz gesagt: wenn Rohstoffpreise steigen, dann wird es teuer. Rohstoffe sind der bestimmende Faktor für Inflation. Die Rohstoffpreise orientieren sich an Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage steigt weniger schnell als früher (Demographie usw.), doch das Grundprinzip hat sich nicht geändert. Wird das Angebot im Vergleich zur Nachfrage knapp, ist es vollkommen egal, ob die Gesellschaft heute im Durchschnitt älter ist als noch vor einigen Jahrzehnten.

Das Angebot von Rohstoffen folgt einem Investitionszyklus. Sind die Preise hoch, wird viel investiert. Werden die zusätzlichen Produktionskapazitäten erst einmal aktiviert, kommt es zu einem Überangebot wie bei Öl seit Ende 2014. Die Preise sinken, es wird weniger investiert und nach einigen Jahren wird das Angebot plötzlich knapp. Die Preise steigen wieder.

Wann das das nächste Mal der Fall ist, weiß keiner. Es ist aber vollkommen illusorisch anzunehmen, dass sich das Gesetz von Angebot und Nachfrage geändert hat. Es gilt immer noch. Es wird daher auch wieder einmal zu höherer Inflation kommen.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de

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(25.09.2017)

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