26.09.2017, 3451 Zeichen
Behavioural Finance ist ein etablierter Ansatz im Portfoliomanagement. Man versucht die Emotionen und Erwartungen der Märkte über deren Teilnehmer und Teilnehmerinnen in den Kursen zu entdecken bzw. deren Potentiale danach zu analysieren. Also so wie sich die Leute verhalten so auch die Interpretation. Ein immer wieder spannender Ansatz um Fehlbewertungen, Übertreibungen oder Ignoranz als Chance und Investmentgrundlage heranzuziehen.
Was aber wenn immer wieder Marktteilnehmer, bzw. Agitatoren die Märkte beeinflussen, irrational „misbehave“? Wenn ein Politführer lautstark verkündet, dass Rot heute Grün ist und man daher die notwendigen Schritte unternehmen wird. Zum Beispiel wenn Nordkorea meint, alles was in den USA gesagt wird sei eine Kriegserklärung und basta. Logik und homo oeconomicus kurzerhand ausgeschaltet. Genauso wenn dann am anderen Ende des Globus die provozierten Politiker in dieselbe Sandkiste springen um auf die Sandkuchen des anderen zu treten. Kindisch? Dumm? Einfach darüber hinwegsehen? Oder ein Fakt den man an den Märkten ernst nehmen soll? Leichte Frage, schwierige Antwort. Die Wutprobe als tägliche Übung nach den Nachrichten.
Mein Philosophieprofessor hatte mir von gefühlt 100 Jahren einmal auf die Frage, was denn Vernunft wirklich sei, in seiner ziemlich unnachahmlichen Art gesagt: „Vernunft ist die Kanalisation des Willens“. Und ich hatte damals das Gefühl, ich hatte es verstanden. Heute vielleicht schwieriger. Kanalisation kann man hie und da schon mit einigen Verbalinjurien verbinden, aber welchen Willen? Aber genau diesen Willen dahinter gilt es herauszuschälen und danach eigene Überlegungen punkto Investment abzuleiten.
Nun das ist ja nicht mehr so schwer im Falle Nordkoreas. Hunger, Angst vor Gesichtsverlust und der Druck aus der selbstgewählten Sackgasse auch wieder heraus zu müssen sind vielleicht die hervorstechendsten Motive. Die Mähr des verrückten Diktators bleibt angesichts des dafür benötigten Regierungsapparates nur die zweitbeste Interpretation. Die USA haben da schon mehr Unwägbarkeiten am Tablett: innenpolitisches Manko, Drohgebärden, denen Taten folgen müssten, die aber Konsequenzen nach sich ziehen, Wahlkampfrhetorik als einzige Rhetorik, globale Politik die trotzdem wichtiger ist und eine heimische Wirtschaft, die mit solchen Krisen wenig am Hut hat, weil Nordkorea unter den Konsumnationen wohl nicht in der ersten Reihe steht während dessen Rohstoffe mit China gerade verbrüdert werden.
Also eigentlich kein Wunder, dass man ob solcher Gedankenschlüsse zum „Patt-Ergebnis“ kommt und sich wieder den Konjunkturdaten in Europa, Notenbankpolitik, Wahlergebnissen mit anschließender Farbenlehre oder einfach nur dem ökonomischen Aufholprozess Europas widmet, der inzwischen auch dank steigender Direktinvestitionen immer kräftiger unterwegs ist. Denn das sind Fakten.
Man kann daher erwarten, dass es vielleicht kurzfristige Volatilitäten geben wird, die wir durchaus auch spüren werden, aber die Bestätigung eines Konjunkturwachstums in der Heimat wiegt am Ende für die Aktien mehr. Auch die Bonds gehorchen weiterhin Mario Draghi, können bei dessen inzwischen erlangter Marktposition auch gar nicht anders. Somit übernimmt bei den Aktien wieder die „Gier“, oder besser gesagt, die Erwartung auf Ertrag, die Emotionen und damit gewinnt, bevor Homo oeconomicus wieder das langfristig ausgerichtete Ruder übernimmt, kurzfristig wieder die Behavioural Finance wenn man so will.
Börsepeople im Podcast S23/04: Johanna Duchek
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