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Über die digitale Fitness der Zertifikate Industrie (ZFA interviewt Christian Drastil)

Lieber Christian, Du beobachtest den österreichischen Kapitalmarkt seit vielen Jahren sehr intensiv. Gleichzeitig bist Du ein Kenner der Social Media Szene und selbst im Bereich Digitalisierung hoch aktiv. Ist die Digitalisierung am österreichischen Kapitalmarkt tatsächlich schon angekommen?

Eine kurze Antwort darauf fällt mir schwer. Ich denke, die Zertfikateindustrie war zum Beispiel schon digitalisiert als das Wort Digitalisierung noch nicht zu den Trendbegriffen gehört hat. Da geht es um Skalierbarkeit pur im Emissionsprocedere, beim Prospekt usw. Erfreulicherweise spielen die österreichischen Vertreter der Zertifikatebranche ganz vorne mit. Schaut man sich den Kapitalmarkt jedoch etwas breiter an, so ist Österreich noch sehr Old School, ich meine damit etwa Bereiche der Vermögensverwaltung oder den einen oder anderen Prozess im Brokerage. Der österreichische Kapitalmarkt ist leider sehr überschaubar und ich sehe die Digitalisierung als Chance, an neue Interessentenkreise zu kommen. Wir sehen, dass rund um Social Media oder Social Trading viel Emotion da ist. Mit der Digitalisierung geht beispielsweise im Learning- und Schulungsbereich sehr vieles leichter, es gibt unter anderem nette virtuelle Messen.

Würde eine engere Zusammenarbeit von Fintechs mit arrivierten Banken und Emittenten den Fortschritt der Digitalisierung in der heimischen Finanzwelt befruchten und beschleunigen?

Davon bin ich überzeugt. Man sieht das eh schon, die Erste Group tut viel, liegt mit „George“ super im Rennen, nur leider nicht bei der Wertpapier-Brokerage. Insgesamt hat man sich viel externen Input geholt, das gilt jetzt auch für Raiffeisen mit dem Elevator Lab. Gut so. Es gehört aber vielmehr überlegt, was zu wem passt. Einfach nur die Formel, dass Fintech plus Bank die Lösung bringt, ist Blödsinn.

Beim diesjährigen Zertifikate Kongress wurde der Robo Advisor in der Anlageberatung von den Experten eher kritisch gesehen, die Emotionalisierung gerade in der Zertifikatewelt durch digitale Unterstützung hingegen durchaus positiv. Wo könnte Deiner Meinung nach im Zertifikateuniversum durch Digitalisierung für Anleger und Emittenten mehr erreicht werden?

Ich sehe die Bottom Line ähnlich wie hier von euch geschildert. Ich bin als Oldie und Bauchmensch naturgemäß skeptisch bei Robo Advisern, wenn es aber um „Robo Researcher“ auf Basis von Big Data Analysen geht, ist das eine geniale Grundlage, um darauf rasch Produkte mit Human Touch und Human Story aufsetzen zu können. Ein Geschäftszweig unserer Firma ist es, aus großen Datenmengen automatische Marktberichte mit Highlighting von statistischen Sondersituationen herauszufiltern und in Robo-Texte zu packen. Das gefällt Selbstentscheiderkunden bei Brokern.

Ist für Dich die Digitalisierung das nächste große Ding am Kapitalmarkt, oder siehst Du andere disruptive Trends, die das Leben der Kapitalmarktteilnehmer nachhaltig beeinflussen werden?

Die Digitalisierung ist ein großes Ding am Kapitalmarkt, zweifellos. Aus österreichischer Sicht wäre es aber wohl das Disruptivste, wenn man Mindsets und Schulbücher endlich auf internationale Standards umscripten würde. Das „Kapitalmarkt = Spekulantentum = Böse“-Ding gehört weg. Das wäre dispruptiv, das wäre neu, das würde nachhaltig beeinflussen. Ein digitales Teufelszeug ist nicht besser als ein analoges, wenn ich es mal überspitzt ausdrücke.

Du zitierst in einem Deiner jüngsten Editorials eine aktuelle ECCO-Studie, in der Österreichs CEOs im Umgang mit Social Media nicht allzu gut abschneiden. Du erwähnst, dass kein einziger ATX-CEO auf Twitter aktiv ist. Glaubst Du persönlich, dass diese Kommunikationskanäle in Österreich noch an Relevanz gewinnen sollten?

Definitiv. Gerade der österreichische Anleger hält schon einiges aus, damit meine ich auch Bad News, sollten solche vorliegen. Das Problem bei vielen Unternehmen ist, dass man zwischen den Pflichtveröffentlichungen gar nichts hört. Und das erzeugt Unruhe und Unsicherheit bei den Aktionären, es kommt keine Soap Opera Stimmung auf. Und genau die ist ja das Lässige am Finanzwissen. Man bekommt die Megatrends step by step mit und kann mitreden. Auch die Player aus der Zertifikateindustrie lassen da noch viele Chancen ungenützt. Toller aktueller Content ist ja da, sonst könnte man nicht laufend so spannende Produkte begeben.

Du bist passionierter Läufer – kommen Dir kreative Geschäftsideen, vielleicht auch private Anlageentscheidungen, bei der Ausübung Deines Lieblingssports?

Laufen ist mittlerweile mein einziger Sport, weil der Nullpunkt-Aufwand wirklich fast bei Null liegt: Da geht’s spontan daheim aufs Laufband oder schnell raus auf die Donaukanal-Strecke vor der Haustüre. Und ja, beim Laufen hab ich Unmengen an Geschäftsideen, die schießen da nur so ein, Anlageentscheidungen sind allerdings nicht dabei. Ich bin euch dankbar für die Frage, habe noch gar nicht so darüber nachgedacht. Bei Anlageentscheidungen habe ich offenbar einen anderen Zugang. Meist ist dieser News-Driven, was dann Recherche und Entscheidungsprozess auslöst. Beim Laufen kommt hingegen unglaublich viel an Inspiration, wohl eben, weil gerade keine News oder Aussendungen permanent eintrudeln.

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Christian Drastil (c) Michaela Mejta

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Aus dem Börse Social Magazine #09
(September 2017)





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