BSN
Fintech Finessen (B2C-Showcase hier)

Interview mit Andreas Gerstenmayer, CEO der AT&S (Transkript boersenradio)

börsenradio.at: Wenn man nach einer Come-Back-Story einer Aktie suchen mag, dann sollte man sich, glaube ich, mal mit Ihrer auseinandersetzen. Lange gebeugt durch Anlaufprobleme in China und seit ein paar Wochen, zack, geht es eigentlich nur noch bergauf. Über 80 Prozent seit Jahresbeginn, über 40 in den vergangenen paar Wochen. Wie kommentieren Sie diese Ergebnisse, diese Ereignisse?

Andreas Gerstenmayer: Naja, ich denke, wir konnten jetzt mit der veränderten Guidance zeigen, dass die Investitionen, die wir in den letzten Jahren getätigt haben, ihre Wirkung beginnen zu entfalten. Man könnte es ein bisschen bildlich beschreiben: Der Deckel ist vom Topf, der Dampf ist raus und ich denke, die Investoren honorieren uns das jetzt einfach, weil die Angst ein Stück weit zurückgegangen ist. Auf der anderen Seite, glaub‘ ich einfach, wir haben gute Fortschritte gemacht und wir können auf eine stabile Entwicklung jetzt hinschauen und das auch in Zukunft, denke ich, weiter so in die Richtung entwickeln.

Eine angehobene Prognose, ich nenne die Zahl mal noch: 20 bis 25 Prozent Umsatzwachstum statt 10 bis 16 Prozent Plus und eine EBITDA-Marge von 19 bis 22 statt 16 bis 18 Prozent. Das ist eine Steigerung, ja, aber es war ja auch klar, dass es irgendwann dazu kommen wird. Deshalb bin ich so überrascht, dass der Markt so positiv reagiert. Also, war das so überraschend?

Naja, es zeigt meiner Meinung einfach, wie viel Skepsis drin war, wie viel Risiko letztendlich auch eingepreist war. Natürlich haben wir länger gebraucht, das erste Werk in Chongqing zu renden. Ja, das war so. Gespürt hat das alles lange gedauert. Ich will aber daran erinnern, wir waren der Erste in dieser Industrie, der das in dieser Zeitspanne überhaupt geschafft hat. Also ich denke, die Mannschaft hat da einen ganz tollen Job gemacht und ich denk‘, da geht’s jetzt weiter. Und das zweite Werk ist wie eigentlich am Schnürchen gezogen jetzt hochgelaufen. Da waren wir selber am Anfang eher etwas konservativer eingestellt und haben gesagt: ,Schauen wir mal wie das läuft‘, aber das ist wirklich perfekt wie geschmiert hochgelaufen und ich denke, das stellt es jetzt einfach dar und zeigt, dass wir die Technologie ja auch jetzt im Griff haben.

Das heißt, ist da jetzt alles im Griff? Läuft da jetzt alles, so wie es soll?

Naja, es läuft nie so, wie es soll. Also es gibt immer Möglichkeiten und wenn ich als CEO sage, es ist alles bestens … das glaube ich, kann nicht passieren. Aber es ist deutlich besser, wir machen gute Fortschritte und wenn dieser Trend mal eingeschlagen ist, die Lernkurve in der richtigen Richtung unterwegs ist, dann entsteht auch eine Eigendynamik, von der man ausgehen kann, dass es weitere Verbesserungen in eine positive Entwicklung geben wird.

Ziel war ja ursprünglich mal einen Umsatzschub zu bekommen. Wie Volumina zu steigern und die Margen zu verbessern. Sind Sie da schon?

Wir zeigen jetzt, dass wir annähernd an die Margen rankommen. Wir sind nicht da, das ist ganz klar, kann auch nicht sein. Wir haben in beiden Werken erst zwei Linien aber die Infrastruktur für jeweils vier Linien. Also da ist schon ein Potenzial.

Und die Aktie, ist die jetzt da wo sie hingehört oder auch erst auf dem Weg?

Ich denke, sie hat jetzt mal eine gute Entwicklung genommen. Ist für uns auch wichtig, dass es auch hier eine solide Entwicklung gibt. Ich denke, es schadet jetzt nicht, nach diesem sehr schnellen Sprung nach oben, mal wieder ein bisschen Konsolidierung zu haben, bisschen Beruhigung im Markt zu haben und dann sind wir bereit für weitere Entwicklungen.

Ja, was ja Thema war, ist, dass das Ergebnis so stark belastet war durch die Verzögerungen und Verschiebungen. Wir haben da ja häufiger darüber gesprochen in den verschiedenen Interviews. Wie sieht es denn aus mit Verlusten? Abschreibungen auf das EBIT wird es ja trotzdem geben, auch wenn die weniger stark ausfallen, was ja auch gemeldet wurde als ursprünglich mal prognostiziert.

Naja, ich meine, Abschreibungen haben wir ja im Wesentlichen aufgrund der Investitionstätigkeit. Wir sind jetzt ein bisschen niedriger in den zusätzlichen Abschreibungen für dieses Jahr, weil wir ein bisschen weniger investiert haben. Wir konnten etwas Erfolg beim Equipment-Einkauf, aber auch durch Verschiebung von Investitionen, bessere Nutzung von bestehendem Equipment, und so weiter. Ich denke, da spielen viele Faktoren eine Rolle und in Summe - ja, natürlich ist das Ergebnis belastet durch Abschreibungen - aber es soll ja auch der Umsatz dazu kommen und damit, denke ich, haben wir dann auch die Chance das Ergebnis in die richtige Richtung zu entwickeln.

Und das andere Thema sind die Margen. Sie hatten ja jetzt schon gesagt, Sie sind wieder etwas an die Margen rangekommen. Preisdruck war ja auch etwas, über das wir gesprochen hatten. Vor allem um IC-Substrate ging es da dann. Wie sieht’s denn gerade aus mit diesem Preisdruck? Hat sich das auch etwas gelöst?

Nein, kann man nicht sagen. Also der ist nach wie vor weiter sehr hoch. Wir sehen zwar neue Technologien auf uns zukommen, bei denen wir davon ausgehen, dass die Preise sich dann etwas erholen werden. Aber mit dem Thema werden wir sicherlich noch eine Zeit lang mit umgehen müssen und das ist sicherlich auch ein Fokuspunkt, an dem wir weiterarbeiten müssen, um uns dort auch weiter zu verbessern.

Ja, jetzt haben wir sozusagen schon ein Spezialisteninterview geführt über die Themen, haben sozusagen alles schon mal vorausgesetzt. Ich möchte kurz mal ein kleines Stückchen rauszoomen. Um was geht es denn überhaupt? Es geht bei Ihnen um Leiterplatten, Smartphone-Technologie, High-End-Verbindungslösungen. Machen wir es mal ein bisschen anschaubar: Wo im Smartphone findet man Sie denn jetzt?

Naja, im Smartphone hauptsächlich in der Hauptplatine. Also ohne uns spielt das Telefon nicht. Wir sind in vielen Anwendungen im Automobil drin. Also, all‘ die neuen Dinge, Entertainment, Driver-Assistent-System, also all‘ die Navigationsgeräte, Spurwechselassistenten, Medizintechnik kommt immer mehr. Also von Hörgeräten über Herzschrittmacher aber auch industrielle Anwendungen. Wir sehen jetzt gerade aufgrund des internationalen Recovery, kann man sagen, der Industrie. Es läuft, es fängt auch an, dass die Investitionen wiederkommen. Damit wird auch unser Industriegeschäft wieder Wachstumsimpulse sehen.

Und damit sind wir beim wichtigen Thema: Industrialisierung, Digitalisierung 4.0. Ich hatte in unseren vergangenen Interviews immer Smartphone-Fragen gestellt. Wird es so langsam mal Zeit sich von diesen Smartphone-Themen zu lösen?

Naja klar. Ich meine, 57 Prozent sind nicht Smartphone, sondern mobile Endgeräte und IC-Substrate. Aber immerhin 47 Prozent sind ja auch noch im automobil-, industrie- und medizintechnischen Bereich. Und hier spielt letztendlich auch das Thema Digitalisierung eine große Rolle. Ob das jetzt das Thema autonomes Fahren ist, Industrie 4.0, Vernetzung, Smart-Devices, Smart-Production ist … all‘ die Dinge spielen eine Rolle und die können wir mit unseren Technologien extrem gut unterstützen.

Und da ist ja diese Riesennachfrage da. Das sind ja Themen, über die redet wirklich jeder und jede Industrie. Ihre Werke sind ausgelastet, habe ich gesehen. Müssen Sie da dann bald auch wieder investieren, um Kapazitäten auszubauen?

Naja, wir haben, wie vorhin schon gesagt, noch das Potenzial in den beiden Werken in Chongqing eine zweite Phase zu machen. Das machen wir wie immer: Wir schauen uns den Markt an. Wir schauen, wie sich der Markt entwickelt. Das sind immer zwei Perspektiven, einerseits technologisch und andererseits umsatzseitig und bedarfsseitig und wenn wir dort ein gutes Gefühl haben, werden wir über die nächsten Ausbaustufen nachdenken.

Dann frage ich mal generell: Wie zufrieden sind Sie jetzt mit diesem Jahr? Es ist ja doch einiges, was in den letzten Jahren nicht so gut gelaufen ist, ist jetzt wieder besser gelaufen.

Naja, ich denke, wir haben jetzt ein sehr schweres 2016 hinter uns. Wir haben 2017 jetzt gesehen, dass unsere Maßnahmen wirken. Wir sind insofern zufrieden, dass wir die neuen Werke jetzt wirklich zum Laufen gebracht haben. Wir können zeigen, dass die Dinge wirksam sind und wir müssen jetzt auf dem Pfad weiterarbeiten.

Dann wünsche ich auf diesem Pfad viel Glück, Herr Gerstenmayer. Vielen Dank.

Herzlichen Dank fürs Gespräch.

Hinweis: Audio unter http://www.wienerborse.at (barrierefrei, Österreich) bzw. http://www.boersenradio.at (Login, Komplett-Feed).


Random Partner #goboersewien

VIG
Die Vienna Insurance Group (VIG) ist mit rund 50 Konzerngesellschaften und über 24.000 Mitarbeitern in 25 Ländern aktiv. Bereits seit 1994 notiert die VIG an der Wiener Börse und zählt heute zu den Top-Unternehmen im Segment “prime market“ und weist eine attraktive Dividendenpolitik auf.


>> Besuchen Sie 52 weitere Partner auf boerse-social.com/goboersewien







Beitrag von boersenradio.at



Prime Content Magazine

1 Jahr, 12 Augaben, 77 Euro.
Ca. 100 Seiten im Monat, ca. 1200 Seiten Print A4 gesamt. Das Abo endet nach Ablauf automatisch.
by the way: Die Heftrücken aneinandergereiht werden im Bücherregal den ATX-Chart ergeben, der rote Balken ist stets der Stand vom Monatsultimo.
>> Abo bestellen