Ich stimme der Verwendung von Cookies zu. Auch wenn ich diese Website weiter nutze, gilt dies als Zustimmung.

Bitte lesen und akzeptieren Sie die Datenschutzinformation und Cookie-Informationen, damit Sie unser Angebot weiter nutzen können. Natürlich können Sie diese Einwilligung jederzeit widerrufen.





Feindbild Kleinaktionär (Günter Luntsch)

Bild: © Martina Draper/photaq, BSN Roadshow #67

02.07.2018, 3453 Zeichen

Feindbild Kleinaktionär. Freitag ist HV-Pause, es gibt leichtere Kost. Auf einer HV in dieser Woche sass ich bei Tisch neben sozialdemokratischen Aktionären, die eifrig über Politik diskutierten, da schnappte ich ein paar Wortfetzen auf: "Ich war ja immer ein Sozialdemokrat. Aber wie die uns behandeln! Dabei sind sie selbst die größten Kapitalisten. Ihre Leute schicken sie zu Siemens. Der K. kriegt zu seinem Gehalt noch was drauf, weil er von einem Gehalt nicht leben kann. Und für die B. haben sie extra einen gutbezahlten Job geschaffen." Ja, selbstverständlich gibt es auch sozialdemokratische Aktionäre. Die Kleinaktionäre sind ein Querschnitt der Bevölkerung. Hier finden sich Friseure, Kellner, Arbeitslose, Verkäuferinnen, Pensionisten. Es sind Menschen, die ihr Geld vielleicht inflationssicherer anlegen wollen als auf dem 0,6%-Sparbuch. Der eine hat seine Abfertigung in ein paar Blue Chips investiert. Der andere hat über Jahrzehnte immer wieder kleinere Beträge in Aktien gesteckt. Der dritte hat als Postler die Telekom-Aktie beim Börsegang günstiger erwerben können als andere. Ich sehe da weit und breit keinen Klassenfeind, es sind überwiegend kleine Leute. Warum also behandeln die uns wirklich so? Verkehrte Welt: der angestellte Manager wird als Werktätiger von Partei und Gewerkschaft unterstützt, und der kleine Aktionär, der ganz wenig an Dividende bekommt, muss besteuert werden, "bis der letzte Aktionär Österreich verlassen hat" (so einmal ein hochrangiges oberösterreichisches Parteimitglied).

Die Aktionäre müssen sich damit abfinden, dass sie keine Lobby haben. Auch von der neuen Regierung ist noch nichts in Richtung Steuerentlastung (Nach der KöSt zahlt man bei Ausschüttung oder Verkauf über Einstandspreis noch die auf 27,5% erhöhte KeSt, darf Verluste nicht einmal vortragen, darf Spesen und Sollzinsen nicht absetzen) gekommen. Es wird wohl so sein: Es tut dem Budget gut, wenn die Steuer so verlässlich sprudelt, überhaupt da wegen der Niedrigzinsen nur mehr wenig an KeSt aus Sparguthaben hereinkommt. Und da die Steuer auch noch so schön unfair ist (man zahlt in guten Jahren, die Verluste in schlechten Jahren schluckt man allein), kommt besonders viel Geld herein. Die Kuh lässt sich melken, bis sie kaputt ist. Irgendwann wird wohl wirklich der letzte Aktionär Österreich verlassen haben.

Solidarität mit dem kleinen Mann sucht man schon lange vergeblich. Viel wohler fühlen sie sich unter Spitzenverdienern, wie viele Beispiele zeigen. Die doch recht niedrige Wahlbeteiligung in Österreich zeigt, dass viele Menschen sich von gar keiner Partei mehr vertreten fühlen. Auch nicht von der Regierungspartei, die angetreten ist, um in die Fußstapfen der Sozialdemokraten zu treten, wie man am Plan zur Abschaffung der Notstandshilfe sieht. Immer mehr Menschen sind unvertreten und werden an den Rand gedrängt, die Aktiensparer genauso wie die Notstandshilfeempfänger. Jede Partei glaubt, ihre Zielgruppe zu kennen, und dann reden sie an der Zielgruppe vorbei. Ich halte das für sehr gefährlich für unseren Staat und unsere Gesellschaft, dass immer mehr Menschen ausgeschlossen werden. So schnell kann man gar nicht schauen, und eine ehemalige Großpartei fliegt aus dem Parlament. Und das kann allen passieren, die große Teile der Bevölkerung nicht mehr vertreten wollen, weil sie glauben, die seien eh nur eine Minderheit, die man leicht zum Feindbild erklären kann, um die vermeintlichen Zielgruppenwähler glücklich zu machen.


(02.07.2018)

BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Börsepeople im Podcast S23/05: Tatjana Aubram




 

Bildnachweis

1. BSN Roadshow #67 , (© Martina Draper/photaq)   >> Öffnen auf photaq.com

Aktien auf dem Radar:EuroTeleSites AG, RHI Magnesita, Flughafen Wien, Austriacard Holdings AG, Addiko Bank, Zumtobel, FACC, Pierer Mobility, Andritz, CA Immo, Lenzing, Mayr-Melnhof, OMV, UBM, SBO, Wiener Privatbank, Frequentis, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, Josef Manner & Comp. AG, Amag, EVN, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria, Verbund.


Random Partner

Warimpex
Die Warimpex Finanz- und Beteiligungs AG ist eine Immobilienentwicklungs- und Investmentgesellschaft. Im Fokus der Geschäftsaktivitäten stehen der Betrieb und die Errichtung von Hotels in CEE. Darüber hinaus entwickelt Warimpex auch Bürohäuser und andere Immobilien.

>> Besuchen Sie 62 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


 Latest Blogs

» Wiener Börse Party #1079: Kleine ATX-Korrektur am Ende einer weiteren Re...

» Österreich-Depots: Weekend-Bilanz, Post wird in Austria 30 Private IR au...

» Börsegeschichte 23.1.: Bank Austria (Börse Geschichte) (BörseGeschichte)

» Nachlese: Tatjana Aubram, Roland Sinkovits Bell (audio cd.at)

» News zu Kapsch TrafficCom, höheres Kursziel für Bawag, Paul Severin im E...

» Kleine Korrektur nach dem All-time-High gestern (Christian Drastil)

» Wiener Börse zu Mittag etwas leichter: Austriacard, FACC, Flughafen Wien...

» Börse-Inputs auf Spotify zu u.a. Tatjana Aubram, cyan, Novomatic, Bionte...

» Börsepeople im Podcast S23/05: Tatjana Aubram

» ATX-Trends: RBI, AT&S, Bawag ...


Useletter

Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

Newsletter abonnieren

Runplugged

Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

per Newsletter erhalten


Meistgelesen
>> mehr





PIR-Zeichnungsprodukte
Newsflow
>> mehr

Börse Social Club Board
>> mehr
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 22-23: OMV(2), Uniqa(1)
    Moneyboxer zu Kontron
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 21-22: OMV(1)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 20-21: Strabag(1)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 19-20: Frequentis(3)
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 18-19: Frequentis(2), Kapsch TrafficCom(1)
    Star der Stunde: UBM 0.87%, Rutsch der Stunde: Flughafen Wien -1.44%
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 17-18: Fabasoft(2), Porr(2)
    Star der Stunde: Porr 0.87%, Rutsch der Stunde: SBO -1.48%

    Featured Partner Video

    Wiener Börse Party #1066: Nach schwachem Start nun ein ATX-Drei-Königs-Springen, im wikifolio Cash-Anteil verdoppelt, Bell Hans Lang

    Die Wiener Börse Party ist ein Podcastprojekt für Audio-CD.at von Christian Drastil Comm.. Unter dem Motto „Market & Me“ berichtet Christian Drastil über das Tagesgeschehen an der Wiener Börse. Inh...

    Books josefchladek.com

    Jeff Mermelstein
    What if Jeff were a Butterfly?
    2025
    Void

    Man Ray
    Photographie n'est pas L'Art
    1937
    GLM

    Niko Havranek
    Fleisch #74 „Ganz Wien“
    2025
    Self published

    Dominique Lapierre, Jean-Pierre Pedrazzini, René Ramon
    So lebt man heute in Rußland
    1957
    Blüchert

    Jan Holkup
    Posedy / Hunting Stands
    2025
    PositiF


    02.07.2018, 3453 Zeichen

    Feindbild Kleinaktionär. Freitag ist HV-Pause, es gibt leichtere Kost. Auf einer HV in dieser Woche sass ich bei Tisch neben sozialdemokratischen Aktionären, die eifrig über Politik diskutierten, da schnappte ich ein paar Wortfetzen auf: "Ich war ja immer ein Sozialdemokrat. Aber wie die uns behandeln! Dabei sind sie selbst die größten Kapitalisten. Ihre Leute schicken sie zu Siemens. Der K. kriegt zu seinem Gehalt noch was drauf, weil er von einem Gehalt nicht leben kann. Und für die B. haben sie extra einen gutbezahlten Job geschaffen." Ja, selbstverständlich gibt es auch sozialdemokratische Aktionäre. Die Kleinaktionäre sind ein Querschnitt der Bevölkerung. Hier finden sich Friseure, Kellner, Arbeitslose, Verkäuferinnen, Pensionisten. Es sind Menschen, die ihr Geld vielleicht inflationssicherer anlegen wollen als auf dem 0,6%-Sparbuch. Der eine hat seine Abfertigung in ein paar Blue Chips investiert. Der andere hat über Jahrzehnte immer wieder kleinere Beträge in Aktien gesteckt. Der dritte hat als Postler die Telekom-Aktie beim Börsegang günstiger erwerben können als andere. Ich sehe da weit und breit keinen Klassenfeind, es sind überwiegend kleine Leute. Warum also behandeln die uns wirklich so? Verkehrte Welt: der angestellte Manager wird als Werktätiger von Partei und Gewerkschaft unterstützt, und der kleine Aktionär, der ganz wenig an Dividende bekommt, muss besteuert werden, "bis der letzte Aktionär Österreich verlassen hat" (so einmal ein hochrangiges oberösterreichisches Parteimitglied).

    Die Aktionäre müssen sich damit abfinden, dass sie keine Lobby haben. Auch von der neuen Regierung ist noch nichts in Richtung Steuerentlastung (Nach der KöSt zahlt man bei Ausschüttung oder Verkauf über Einstandspreis noch die auf 27,5% erhöhte KeSt, darf Verluste nicht einmal vortragen, darf Spesen und Sollzinsen nicht absetzen) gekommen. Es wird wohl so sein: Es tut dem Budget gut, wenn die Steuer so verlässlich sprudelt, überhaupt da wegen der Niedrigzinsen nur mehr wenig an KeSt aus Sparguthaben hereinkommt. Und da die Steuer auch noch so schön unfair ist (man zahlt in guten Jahren, die Verluste in schlechten Jahren schluckt man allein), kommt besonders viel Geld herein. Die Kuh lässt sich melken, bis sie kaputt ist. Irgendwann wird wohl wirklich der letzte Aktionär Österreich verlassen haben.

    Solidarität mit dem kleinen Mann sucht man schon lange vergeblich. Viel wohler fühlen sie sich unter Spitzenverdienern, wie viele Beispiele zeigen. Die doch recht niedrige Wahlbeteiligung in Österreich zeigt, dass viele Menschen sich von gar keiner Partei mehr vertreten fühlen. Auch nicht von der Regierungspartei, die angetreten ist, um in die Fußstapfen der Sozialdemokraten zu treten, wie man am Plan zur Abschaffung der Notstandshilfe sieht. Immer mehr Menschen sind unvertreten und werden an den Rand gedrängt, die Aktiensparer genauso wie die Notstandshilfeempfänger. Jede Partei glaubt, ihre Zielgruppe zu kennen, und dann reden sie an der Zielgruppe vorbei. Ich halte das für sehr gefährlich für unseren Staat und unsere Gesellschaft, dass immer mehr Menschen ausgeschlossen werden. So schnell kann man gar nicht schauen, und eine ehemalige Großpartei fliegt aus dem Parlament. Und das kann allen passieren, die große Teile der Bevölkerung nicht mehr vertreten wollen, weil sie glauben, die seien eh nur eine Minderheit, die man leicht zum Feindbild erklären kann, um die vermeintlichen Zielgruppenwähler glücklich zu machen.


    (02.07.2018)

    BSN Podcasts
    Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

    Börsepeople im Podcast S23/05: Tatjana Aubram




     

    Bildnachweis

    1. BSN Roadshow #67 , (© Martina Draper/photaq)   >> Öffnen auf photaq.com

    Aktien auf dem Radar:EuroTeleSites AG, RHI Magnesita, Flughafen Wien, Austriacard Holdings AG, Addiko Bank, Zumtobel, FACC, Pierer Mobility, Andritz, CA Immo, Lenzing, Mayr-Melnhof, OMV, UBM, SBO, Wiener Privatbank, Frequentis, BKS Bank Stamm, Oberbank AG Stamm, Josef Manner & Comp. AG, Amag, EVN, CPI Europe AG, Österreichische Post, Telekom Austria, Verbund.


    Random Partner

    Warimpex
    Die Warimpex Finanz- und Beteiligungs AG ist eine Immobilienentwicklungs- und Investmentgesellschaft. Im Fokus der Geschäftsaktivitäten stehen der Betrieb und die Errichtung von Hotels in CEE. Darüber hinaus entwickelt Warimpex auch Bürohäuser und andere Immobilien.

    >> Besuchen Sie 62 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


     Latest Blogs

    » Wiener Börse Party #1079: Kleine ATX-Korrektur am Ende einer weiteren Re...

    » Österreich-Depots: Weekend-Bilanz, Post wird in Austria 30 Private IR au...

    » Börsegeschichte 23.1.: Bank Austria (Börse Geschichte) (BörseGeschichte)

    » Nachlese: Tatjana Aubram, Roland Sinkovits Bell (audio cd.at)

    » News zu Kapsch TrafficCom, höheres Kursziel für Bawag, Paul Severin im E...

    » Kleine Korrektur nach dem All-time-High gestern (Christian Drastil)

    » Wiener Börse zu Mittag etwas leichter: Austriacard, FACC, Flughafen Wien...

    » Börse-Inputs auf Spotify zu u.a. Tatjana Aubram, cyan, Novomatic, Bionte...

    » Börsepeople im Podcast S23/05: Tatjana Aubram

    » ATX-Trends: RBI, AT&S, Bawag ...


    Useletter

    Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

    Newsletter abonnieren

    Runplugged

    Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
    (kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

    per Newsletter erhalten


    Meistgelesen
    >> mehr





    PIR-Zeichnungsprodukte
    Newsflow
    >> mehr

    Börse Social Club Board
    >> mehr
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 22-23: OMV(2), Uniqa(1)
      Moneyboxer zu Kontron
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 21-22: OMV(1)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 20-21: Strabag(1)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 19-20: Frequentis(3)
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 18-19: Frequentis(2), Kapsch TrafficCom(1)
      Star der Stunde: UBM 0.87%, Rutsch der Stunde: Flughafen Wien -1.44%
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 17-18: Fabasoft(2), Porr(2)
      Star der Stunde: Porr 0.87%, Rutsch der Stunde: SBO -1.48%

      Featured Partner Video

      Wiener Börse Party #1066: Nach schwachem Start nun ein ATX-Drei-Königs-Springen, im wikifolio Cash-Anteil verdoppelt, Bell Hans Lang

      Die Wiener Börse Party ist ein Podcastprojekt für Audio-CD.at von Christian Drastil Comm.. Unter dem Motto „Market & Me“ berichtet Christian Drastil über das Tagesgeschehen an der Wiener Börse. Inh...

      Books josefchladek.com

      Robert Frank
      Os Americanos (first Brazilian edition)
      2017
      Instituto Moreira Salles

      Marjolein Martinot
      Riverland
      2025
      Stanley / Barker

      Henrik Spohler
      Flatlands
      2023
      Hartmann Projects

      Dominique Lapierre, Jean-Pierre Pedrazzini, René Ramon
      So lebt man heute in Rußland
      1957
      Blüchert

      Tenmei Kanoh
      New York 1969
      2014
      Ishi Inc.