Wann greifen die „starken Hände“ zu? (Andreas Kern)
29.10.2018, 7059 Zeichen

Kein Tag ohne neuen Trump-Tweet, einer Volte aus Italien oder der Gewinnwarnung eines DAX-Unternehmens. Dass viele dieser Ereignisse nur bedingt erfreulich waren, braucht man nicht weiter schönzureden, zumal sich die Konsequenzen unmittelbar am DAX ablesen lassen, und nicht nur dort. Dabei ist lange nicht überall, wo Überraschung draufsteht, auch eine Überraschung drin. Nehmen wir zum Beispiel die Gewinnwarnung von Daimler oder – eine Etage tiefer – die des Automobilzulieferers Leoni: Dass es im deutschen Fahrzeugbau nicht rund läuft, wusste man bereits aus den täglichen Schlagzeilen. Zudem befanden sich beide Aktien bereits seit Wochen auf Talfahrt. Die Meldungen über die Zurücknahme der Gewinnziele waren daher nur noch die Bestätigung einer Entwicklung, die längst ihre Spuren hinterlassen hatte. Aufgrund solcher, teils hausgemachter Probleme sollte allerdings nicht vorschnell auf den Zustand der Weltkonjunktur geschlossen werden. Denn in vielen Branchen besteht weiter Anlass zum Optimismus, besonders bei US-Technologietiteln: So berichtete Microsoft zuletzt über einen satten Gewinnanstieg um fast ein Drittel auf 8,8 Mrd. USD. Hier waren es vor allem die Cloud-Dienste, die für Wachstum sorgten. Ähnlich zuversichtlich präsentierten sich übrigens Unternehmen wie PayPal oder Hewlett-Packard.

Lernen durch Wiederholung
Nehmen wir für einen Moment an, dass wir Menschen vielleicht doch lernfähig sind. Zugegeben, das fällt in diesen Tagen nicht immer leicht. Übertragen auf die Börse müssten wir dann einen Gewöhnungseffekt berücksichtigen. Wenn schlechte Nachrichten, in diesem Fall Gewinnwarnungen, nicht mehr automatisch zu deutlich fallenden Kursen führen, dann könnte dies ein Indiz dafür sein, dass viel Negatives bereits eingepreist ist. Auch die Aktien von Daimler und Leoni konnten sich nach einer ersten Verkaufswelle wieder erholen, ehe sie im Zuge der jüngsten Turbulenzen erneut nachgaben. Der Markt lotet also bereits das „richtige“ Bewertungsniveau aus. Erfahrungsgemäß ist für eine echte Bereinigung aber ein Wechsel der Papiere zu den sogenannten „starken Händen“ notwendig, also zu jenen Investoren, die derartige Turbulenzen schon oft durchlebt haben und die über die Nervenstärke verfügen, auch gegen eine allgemein ängstliche Stimmung zu handeln.
Der Gewinn liegt im Einkauf
Erfahrungsgemäß sind in derart volatilen Marktphasen insbesondere hochbewerte Aktien gefährdet. Echte Value-Investments bieten dagegen aufgrund ihrer Substanz oder ihrer vergleichsweise günstigen Bewertung einen gewissen Schutz. Solche Überlegungen nimmt Gert Odenius („WorldwideValue“) in seinem wikifolio „Regel Nr.1: Kein Geld verlieren“ auf, wobei die Bezeichnung schon seinen grundsätzlich konservativen Investmentansatz betont. Als klassischer Value-Investor betrachtet Odenius verschiedene Bewertungskennziffern wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder das KGV.
Er weiß, dass der Gewinn meist im (günstigen) Einkauf liegt. Erreicht ein Papier dann den von ihm ermittelten fairen Wert, trennt er sich in der Regel wieder von den Papieren. In der aktuell schwierigen Marktphase setzt Odenius auf eine hohe Cash-Quote. Unter den restlichen Positionen finden sich vor allem deutsche Nebenwerte wie die Beteiligungsgesellschaft MBB, der Dämmstoffhersteller Steico und der Autovermieter Sixt. Odenius ist es gelungen, in den vergangenen zwölf Monaten kein Geld zu verlieren. Das ist bereits respektabel. Seit Auflage im Mai 2013 liegt der von ihm erwirtschaftete Gewinn sogar noch immer bei rund 90%.
Simply the best
Fast jeder Anleger nimmt für sich in Anspruch, sein Depot mit den aussichtsreichsten Aktien bestücken zu wollen. Tatsächlich schaffen es aber nur wenige, die jeweilige Benchmark auf lange Sicht zu schlagen. Auch Markus Buchner („Sparmeister“) besitzt diesen Ehrgeiz. Mit einem Plus von 110 % seit dem Start seines wikifolios „Solides Wachstum“ Anfang 2012 dürfte er das Gros der Investoren deutlich hinter sich gelassen haben. Sogar auf Sicht der vergangenen zwölf Monate bringt es Buchner noch auf einen Wertzuwachs von gut 6%. Bei der Zusammensetzung dominieren globale Unternehmen mit starken Marken und hohen Cash Flows. Buchner vertraut auf die Tech-Schwergewichte Amazon und Alphabet, den Luxuskonzern LVMH, das Kreditkartenunternehmen Mastercard sowie die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing.
Auffällig ist neben der Übergewichtung von Großkonzernen auch die Branchen-Diversifikation seiner Investments, die zu einer stabilen Wertentwicklung beitragen soll.
Wachstum aus der Wolke
Beide Aktien verbuchen auf Jahressicht ein komfortables Plus von über 30%. Diese starke Kursentwicklung spiegelt sich auch im Wertzuwachs des wikifolios, das seit Start im August 2017 rund ein Drittel zulegen konnte. Der scharfen Korrektur im Tech-Sektor konnte sich aber auch Siemonsmeier zuletzt nicht ganz entziehen. Auf Jahressicht verbleibt allerding noch immer ein eindrucksvoller Wertzuwachs von rund 28%.
Was kommt?
Das sollten Anleger im Auge behalten
Auf beiden Seiten des Atlantiks steuert die Berichterstattung zum dritten Quartal ihrem Höhepunkt entgegen. Nachdem bislang vor allem Unternehmen mit operativen Schwierigkeiten die Schlagzeilen dominierten, dürften nun auch wieder vermehrt optimistische Töne zu hören sein. An Allerheiligen zieht beispielsweise das wertvollste Unternehmen der Welt Bilanz: Apple. Der iPhone-Hersteller steuert auf neue Umsatz- und Gewinnrekorde zu. Schon am Dienstag werden Bayer, Beiersdorf, Fresenius, Lufthansa und VW berichten und damit die Richtung des DAX maßgeblich bestimmen.
Aus Italien, das derzeit unter besonderer Beobachtung steht, erreichen uns am Dienstag Daten zum Bruttoinlandsprodukt. Am Mittwoch folgt dann die Bekanntgabe der Arbeitslosenquote, die zuletzt bei erschreckend hohen 9,7% lag. Die Woche endet schließlich mit den Einkaufsmanagerindizes aus Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland.
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