25.05.2016, 3005 Zeichen
Ein toller Monat bisher an den Kapitalmärkten, dieser Mai 2016.
Einerseits übertönen immer mehr gute Wirtschaftsdaten die bestehenden emotionalen Marktthemen Brexit, Grexit und Europas Flüchtlingskrise. Auch haben sich aus unserer heimischen Sicht massive Verschiebungen im politischen Umfeld ereignet und last but not least hat auch die Wiener Börse zu einem neuen Vorstandsteam gefunden.
Über das politische Potential nach der Regierungsumbildung in Österreich wurde ja schon viel geschrieben und so wie es aussieht bestätigt sich die Erwartung, dass der eine oder andere „Denkzettel“ im Verein mit Selbsterkenntnis manche Verkrustung im Denken und Sich-Etwas-Getrauen löst und plötzlich Zuversicht entstehen lässt. Das tut jeder Wirtschaft und so auch jeder Börse auf dieser Welt gut. Auch das neue Team der Börse Wien ist als mutige Neupositionierung zu verstehen, denn erstmals ist kein Österreicher im Vorstand, und jünger als gewohnt ist der CEO ebenso. Ein Signal für eine Internationalisierung im Auftritt und ein Ausrufezeichen punkto Zukunftsbewusstsein. Wünschenswert natürlich, dass mit einer solchen Orientierung auch der Widerstand innerhalb der heimischen Politik endlich einmal direkter adressiert und entsprechend durchbrochen werden kann. Transparenz ist hier ein unabdingbares Muss. Es muss der Öffentlichkeit klar werden, welcher Politiker mit welchen Argumenten gegen oder für den Kapitalmarkt ist. Nur dann, kann man sich ein Urteil über Polemisierung oder Pauschalurteile überhaupt erst bilden. Quasi, hat der, der andauernd Investoren als Zocker bezeichnet, überhaupt eine Ahnung was er da spricht, oder ist ihm eh nur die Lufthoheit am Stammtisch wichtig. Ein unabhängiger Deutscher traut sich da vielleicht mehr an öffentlicher Darstellung, wer weiß.
Ein nächster Schritt wäre es, auch die Eigentümerstruktur der Wiener Börse zu überdenken. Denn hier gibt es noch immer eine Holdingstruktur, die über den tatsächlichen Eigentümern, den Banken und den Emittenten, schwebt ohne Diesen Einfluss zu ermöglichen. Vielleicht ein Schritt diese Struktur zu überarbeiten und die vielleicht nach langer Zeit erste Emission gleich mit sich selbst zu gestalten. Die Wiener Börse an der Wiener Börse zu listen, hätte wohl auch für internationale Investoren Charme.
Viel Stoff für ein gutes Börsenjahr also. Von selbst läuft aber kein Braten auf den Teller und daher wird man diese Opportunitäten, die sich nach langer Zeit wieder vor uns auftun, direkt und aktiv angehen müssen. Und auch darüber reden, dass man dies tut. Den Medien ist dies mittlerweile sogar recht. Das ewige Totraunzen hilft niemandem mehr. Mittlerweile hat man scheinbar doch erkannt, dass nicht mehr einzig bad News good News sind. Auch die Medien beginnen ihre Rolle im Umfeld positiver Weichenstellungen als positive Mitverantwortung zu erkennen. Potential genug, auch selbst als Teil positiver Veränderungen zu wirken. Erkenntnisgewinn verbreitert sich.
Let’s face it: Wir haben gerade einen Elfmeter geschenkt bekommen …
Börsepeople im Podcast S23/02: Markus Cserna
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