09.10.2016, 4514 Zeichen
Herzlich willkommen im goldenen Oktober! „Der Herbst ist immer unsere beste Zeit“, das schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe 1797 an seinen Dichterfreund Friedrich Schiller. Und auch wenn wir nicht wissen, was genau der Herr Geheimrat damit meinte, können wir den Satz in punkto Börse nur bestätigen. Denn mit dem Oktober beginnt statistisch betrachtet das stärkste Quartal auf dem Parkett. In Zahlen sieht das dann so aus: +2,72 Prozent im Oktober, +2,43 Prozent im November und +2,51 Prozent im Dezember legt der DAX im Durchschnitt zu, und das mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von jeweils über 70 Prozent. Den Statistik-Anhängern treiben solche Werte vermutlich Freudentränen in die Augen, aber selbst alle, die solchen Zahlenreihen eher skeptisch gegenüber stehen kommen nicht umhin, dem letzten Quartal eines jeden Jahres eine gewisse positive Dynamik zu attestieren. Wobei auch hier natürlich der übliche Hinweis gilt, dass “past performance is not necessarily indicative of future results”, sprich – ob 2016 ebenfalls mit einem satten Plus endet, weiß heute noch niemand. Damit steigt jetzt die Spannung, zumal der deutsche Leitindex durchaus Nachholbedarf hat:
Wer jetzt keine Aktien hat…
Auf Jahressicht liegt der DAX nämlich knapp zwei Prozent hinten, satt und zufrieden dürften daher die wenigsten Markteilnehmer ins vierte Quartal starten. All-in auf Long-Engagements zu gehen, könnte allerdings ein wenig blauäugig sein. Denn auch auf dem Parkett muss mit ersten Herbststürmen gerechnet werden. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die US-Wahlen vor der Tür stehen – wir haben bereits berichtet – und in den Jahren, in denen der amtierende Präsident nicht wiedergewählt werden kann – auch darüber berichteten wir in der Vorwoche – geht es an der Wall Street im Oktober gerne erstmal gen Süden. „Lame Duck“ hat sich als Begriff dafür eingebürgert, da der letztlich handlungsunfähige Noch-Präsident wie eine lahme Ente auf dem Politik-Teich dümpelt. Lahm ist auch das perfekte Stichwort für diese Handelswoche, denn nach dem starken Intraday-Reversal vom vergangenen Freitag, als der DAX nach seinem Absturz auf 10.189,90 Punkte im Tagesverlauf wortwörtlich die Kurve kriegte und sich schlussendlich bei 10.511,00 Zählern ins Wochenende und aus dem September verabschiedete, kommen die deutschen Blue Chips nicht aus dem Quark, wie man so schön sagt. Ein bisschen hoch, ein bisschen runter und ansonsten seitwärts, mehr war bislang nicht drin. Und jetzt?
…der kauft sich noch welche
Es wird Zeit, dass sich die Käufer aus der Reserve wagen. Von alleine scheint dies allerdings nicht bzw. nur bedingt zu passieren, denn mit dem eher lustlosen Hin und Her irgendwo da in dem volumenarmen Raum zwischen 10.300 und 10.600 Punkten bleiben trendbestätigende Impulse naturbedingt aus. Wobei der übergeordnete Trend ja weiterhin intakt ist, denn beim Blick auf den Chart ist zu erkennen, dass der DAX weiterhin in seinem mittelfristigen Aufwärtstrendkanal notiert, und zwar ziemlich mittig. Für den Startschuss in Richtung Jahresendrallye wäre zuallererst ein Ausbruch über die August-Abwärtstrendgerade bei 10.680/10.700 Punkten erforderlich. Dumm nur, dass dafür so gar keine Unterstützung von der Nachrichtenfront kommt. Das britische Pfund zieht es vor, zusammenzubrechen, und ob die US-Arbeitsmarktdaten für eine Stimmungsaufhellung kurz vor dem Wochenende sorgen können, ist zum momentanen Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen schreibe, fraglich. Die Zahlen fielen zwar schlechter aus, als erwartet, aber so wirklich belebend wirkte diese Mitteilung zunächst nicht. Vermutlich wissen Sie schon mehr, wenn Sie wiederum diese Zeilen hier lesen, bis dahin halten wir jedenfalls an unserer Prognose fest, dass die Käufer auch in diesem Jahr noch mindestens einmal an die Ordertische zurückkehren werden. Ob nun vor oder nach der US-Wahl, ist dabei zweitrangig. Wichtiger wird sein, den richtigen Einstiegspunkt zu finden. Womit unsere Aufgabe klar definiert wäre!
Ein Beitrag von Sebastian Jonkisch von Prime Quants
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