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Christoph Boschan zum Thema MiFID II; viele Aufgaben, vereinzelte Chancen #gabb

Autor:
Christian Drastil

Der Namensgeber des Blogs. Ich funktioniere nach dem Motto "Trial, Error & Learning". Mehrjährige Business Pläne passen einfach nicht zu mir. Zu schnell (ver)ändert sich die Welt, in der wir leben. Damit bin ich wohl nicht konzernkompatibel sondern lieber ein alter Jungunternehmer. Ein lupenreiner Digital Immigrant ohne auch nur einen Funken Programmier-Know-How, aber - wie manche sagen - vielleicht mit einem ausgeprägten Gespür für Geschäftsmodelle, die funktionieren. Der Versuch, Finanzmedien mit Sport, Musik und schrägen Ideen positiv aufzuladen, um Financial Literacy für ein grosses Publikum spannend zu machen, steht im Mittelpunkt. Diese Dinge sind mein Berufsleben und ich arbeite gerne. Der Blog soll u.a. zeigen, wie alles zusammenhängt und welches Bigger Picture angestrebt wird.
Christian Drastil

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31.01.2018, 3451 Zeichen

Aus unserem neuen Börsenbrief: http://www.boerse-social.com/gabb .

"MiFID II wirkt sich auf alle Aktivitäten der Börse aus" Das stellte Börse-CEO Christoph Boschan bei einem Vortrag am Mittwoch Vormittag im Rahmen des Zertifikate Jahresauftakts 2018 klar.

Besonders betroffen seien: Marktmodell, IT Systeme, Prozesse, Berichtswesen, Marktdaten & Clearing. Der Gestaltung des Marktes würden viel engere Grenzen gesetzt, das sei ein „Kulturwandel, der sich beschleunigt“ und der alle europäischen Börsen gleich betrifft. So würden neue Marktphasen "Markt unter Stress" oder "Markt in außergewöhnlichen Umständen" eingeführt. „Da geht es auch um Kriege oder Dürre". Technischer fallen schon die Vereinbarungen über Nachkommastellen im Handel, die Festlegung von Auftragseinstellungs- und Ausführungsverhältnissen sowie eine stärkere vertragliche Verpflichtung der Liquiditätsspender aus. Boschan sieht das aber nicht nur als Belastung, sondern auch als Chance: So habe man etwa ein neues Marktdesign für Financial Bonds, Stichwort "Market Model Continuous Auction" schaffen können.

Die Anforderungen an IT-Systeme würden jedenfalls stark formalisiert. Beim Kapazitätsmanagement wird die die doppelte Kapazität des historischen Hochs an Kapazität vorausgesetzt. Oder das Thema Uhrenvergleich: "Die Synchronisation der Börsen ist eine Erleichterung für die Aufsicht, das ist regulatorisch nachvollziehbar. Das ist aber eine schwierige Aufgabe, denn es geht nicht nur um die Uhr, sondern auch um zB Leitungsgeschwindigkeiten“. Weitere Themen: Die Einrichtung von Vorhandelskontrollen, das Identifizieren der Kunden/Auftraggeber ("für einige Handelsteilnehmer Neuland") sowie Kennzeichnungen/Tests elektronischer Handelsstrategien. Bei Kunden & Eigengeschäften sei alles dokumentiert. 

Für Handelsaussetzungen gibt es neue Prozesse. Handelsteilnehmer werden stärker überwacht ("Insbesondere Konformitätstests und Due Diligence) . In Summe also extrem gesteigerte Anforderungen an die Betriebsdokumentation (Stresstests, Notfallvorkehrungen, Selbstbeurteilungen, Fachkompetenzen, Testmethoden, Umgang mit Interessenkonflikten, Anforderungen an Leitungsorgane etc., etc., etc.). Zudem werde mit MiFID II das Berichtswesen an die Aufsicht extremst ausgebaut. Chance: "Meldeplattform für außerbörsliche Geschäfte", so Boschan, der anmerkt, dass auch über den Handel hinaus MiFID II starken Einfluss auf die Börseninfrastruktur habe, zB beim Anschluss weiterer Abwickler,

Bei der Umsetzung der neuen Anforderungen bestünden jedefals grosse Herausforderungen, zB Synchronisation mit internationalen Standards. Bei den Berichten über zB Best Exekution herrsche bei den Börsen ein Abtasten."Da schaut derzeit einer auf den anderen". Zur Koordination der nationalen Aufsichten: „Natürlich ist auch das eine Herausforderung. Wir sind zB Xetra-Statthalter der Deutschen Börse für einige Börsen. Da kommen neben der Bafin, der FMA auch noch dritte Aufsichten ins Spiel." In Summe sei es ein starker Eingriff in die wirtschaftliche Hoheit über die Preisgestaltung und zum enormen Projektaufwand kämen neue Gebühren der Aufsicht.

Boschans Fazit: „Niemand möchte diese Punkte in Frage stellen. Und wenn ein Mitarbeiter käme und mir das vorlegt, sage ich: Toll, alles richtig. Als Verantwortlicher für das Unternehmen würde ich dem Mitarbeiter aber die Folgefrage stellen müssen: Hast Du auch eine Kosten/Nutzen-Rechnung? Und dann sieht es leider ganz anders aus". Es werde übers Ziel geschossen.

 


(31.01.2018)

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Bildnachweis

1. Christoph Boschan (c) Michaela Mejta

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