28.02.2018, 3610 Zeichen
Aus dem Börsenbrief. http://www.boerse-social.com/gabb
Buwog-Informationsveranstaltung betreffend Übernahmeangebot. Eiskalt. Trotzdem fanden sich am 27.2.2018 viele Aktionäre im neuen Novotel am Hauptbahnhof ein, wo Vorstandsvorsitzender Daniel Riedl über das Übernahmeangebot der Vonovia für die Buwog berichten wollte. Riedl sprach über die Erstnotiz am 28.4.2014 bei 13 Euro, und dass es gelungen sei, den Abschlag zum NAV zu beseitigen, der Total Return (Aktienperformance plus Dividende) liege bei 125%. Er hält das Übernahmeangebot bei 29,05 Euro für ein sehr faires Angebot, er und seine Familie hätten es bereits angenommen.
Die erste Annahmefrist laufe bis 12.3.2018. Wenn bis dahin der Vonovia nicht 50% plus 1 Aktie angedient würden, sei das Angebot hinfällig. Nur wenn 50% plus 1 Aktie angedient würden, würde es eine Nachfrist geben. Sollte in der Nachfrist beim Preis nachgebessert werden, stünde der Nachbesserungsbetrag auch den Aktionären zu, die schon in der ersten Annahmefrist ihre Aktien angedient haben. Riedl glaubt, dass sich seit Dezember 2017 die Aktionärsstruktur gewandelt habe, viele Privatanleger hätten die hohen Kurse genutzt, um auszusteigen, dafür seien Hedgefonds eingestiegen, die sich mit den restlichen paar Cents Profit bis zum Übernahmepreis zufrieden geben, und dieser Profit sei halt ziemlich risikolos verdient.
Einige Aktionäre zeigten ihre sentimentale Seite, nach dem Fiasko damals bei Immofinanz sei die Performance der abgesplitteten Buwog ein schöner Trost gewesen, sowas wolle man nicht hergeben. Ein großes Thema war die Steuer. Ein Teil der Aktionäre hat die Buwog als Altbestand und kann sich nach Abfindung nur mehr Aktien kaufen, die der Kursgewinnsteuer unterliegen. Ein anderer Teil der Aktionäre muss für den Kursgewinn heute schon Steuern zahlen, das tut natürlich auch weh. Dem Herrn von Vonovia war anzusehen, dass er nicht mit soviel Gegenwind gerechnet hatte. Obwohl kartellrechtlich angeblich bereits genehmigt, ist der Deal offenbar doch noch nicht in trockenen Tüchern. Die große Unbekannte sind die Hedgefonds. Auch wenn der gemeinsame Aktionär Blackrock die Übernahme positiv sieht, wie zu hören war, so bleiben noch diejenigen Fonds, die bei hohen Preisen eingestiegen sind. Was planen sie? Sollten sie Nachbesserungen verlangen und damit erfolgreich sein, wird es die Nachbesserungen auch für die anderen Aktionäre geben, die ihre Aktien der Vonovia andienen. Soll nix Schlimmeres passieren.
Wenn Vonovia mit der Übernahme von 50% plus 1 Aktie scheitert, könnte der Kurs halt dorthin gehen, wo er herkommt. Mittelfristig wird die Buwog aber wohl die 29,05 Euro auch dann wert sein, wenn sie alleine bleibt. Ich geh bei knapp unter 29 Euro jedenfalls nicht mehr in die Aktie, auf Hedgefonds verlasse ich mich nicht, die kochen immer ihr eigenes Süppchen. Klar, nach der Trennung von der Buwog wird es nicht leicht sein, eine ähnlich gute Aktie zu finden, man kann schon verstehen, dass die Trennung manchem Aktionär schwer fällt. Wie es weitergehen würde: solange Vonovia unter 90% hat, kommt es jedenfalls zu keinem Squeeze-Out, und Riedl verspricht, dass es dann keine Strukturänderungen in der Buwog geben kann, er sei schließlich auch den Minderheitsaktionären verantwortlich. Wenn Vonovia am Ende die Totalübernahme gelingt, soll die Buwog die deutschen Immobilien abgeben, dafür die österreichischen Immobilien der Conwert mitverwalten. Und Riedl würde in den Vonovia-Vorstand aufrücken. Es klang alles: nachvollziehbar, klar, ehrlich. Das Übernahmeangebot findet sich unter: de.vonovia-tob.de
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