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Milchmännchens Interesse für Bitcoin in der WU (Günter Luntsch)

07.06.2018, 3210 Zeichen

Milchmännchens Interesse für Bitcoin. Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. So ähnlich hat es auch Warren Buffett einmal formuliert. Alle Welt spricht über Bitcoin, Ethereum, Ripple, Monero, Theta usw., mir ist das alles fremd. Aber der Bildungshunger läßt auch in meinem Alter nicht nach, gerne lerne ich dazu. So nahm ich unter anderem am 5.6.18 um 18 Uhr an der zweistündigen Veranstaltung "Blockchain and the Token Economy" in der WU teil. Die Veranstaltung fand in englischer Sprache statt, meine Englischkenntnisse sind nur noch rudimentär vorhanden, aber erstens ist die Blockchain-Fachsprache sowieso eine eigene Sprache, die wohl auch Native Speakers nicht besser verstehen als ich, und zweitens glaube ich, ganz gut zu verstehen, was Österreicher auf Englisch sagen wollen. Ich fasse kurz zusammen, frei übersetzt, incl. Publikumsrunde:

Man wünsche sich klare Regeln für Kryptowährungen, man wolle nicht im rechtsfreien Raum arbeiten. Wenn Staaten Kryptowährungen verbieten, sei das auch schlecht für das Prosperieren dieser Währungen. Obwohl man "Kryptowährungen"  eigentlich nicht sagen könne, Bitcoin usw. seien "währungsähnlich". Betrug gäbe es eigentlich nur, wenn Anleger schnell reich werden wollen, das sei beim altbekannten E-Mail-Betrug nicht anders gewesen. Wenn man in Bitcoin denke, anstatt in Währungen wie Euro und Dollar, müsse man an Deflation denken. So habe ich das jedenfalls verstanden: man bekommt immer mehr Güter für seinen Bitcoin, keiner will ihn ausgeben. Verständlich, denn wer vor ein paar Jahren ein paar Bitcoins für eine Pizza gezahlt hat, ärgert sich heute grün und blau.

Was die schlechte Energieeffizienz bei Bitcoin betreffe, so sei diese tatsächlich ein Problem, aber es gebe schon einige "Kryptowährungen", die mit sehr wenig Energieeinsatz geschaffen werden können. Meine Frage ans Podium, wer wegen der schlechten Energieeffizienz bei Bitcoin der Meinung sei, dass Bitcoin keine Zukunft hat, wurde im großen und ganzen so beantwortet: Bitcoin sei halt ein großer Player am Markt, und wenn Bitcoin wirklich verschwinden sollte, dann wäre das ein eher langfristiger Prozess. Es komme natürlich darauf an, wie die Bitcoin-Community auf die Konkurrenz und speziell auf das Problem mit der Energieeffizienz reagieren wird. Fakt sei, dass Bitcoin schon an die Limits kommt. Man könne aber keine Anlageempfehlungen geben. Man sah, wie schwer eine klare Antwort fiel, und ich konnte dieses Dilemma nachempfinden. Am Ende fasste der Moderator zusammen: "We know that we don´t know enough."

Es gibt an der WU bereits ein "Institut für Kryptoökonomie", und auf die Frage ans Publikum, wer bereits Bitcoin habe, zeigten ca. 40% auf. Das Publikum setzte sich vor allem aus sehr jungen Leuten zusammen, mutmaßlich WU-Studenten. Das macht mich etwas nachdenklich, und ich frage mich: Wissen die mehr? Früher waren die Milchmädchen die Gradmesser, wann eine Hausse vor ihrem Ende steht, sozusagen das letzte Aufgebot, das unwissend noch an Bord ging, wenn die Erfahrenen schon ausstiegen. Heute gibt es keine Milchmädchen mehr. Aber wenn Günter Luntsch seinen ersten Bitcoin kauft, werde ich es gerne hier mitteilen. Vielleicht passiert das eh nie. Ansonsten heißt es: aufpassen!


(07.06.2018)

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