04.05.2016, 3315 Zeichen
Jetzt ist er da der Mai, der Böse, der in dem man immer verkaufen soll, weil, ja … weil‘s halt so ist.
Bevor jetzt zum gefühlt 1000. Mal die Storys von den alten englischen Adeligen mit ihren Börsenspielchen die sich über den Sommer auf ihren Landsitzen nicht so effektiv erledigen ließen, oder jene über das US-Steuerrecht das im letzten Jahrhundert die Gewinnmitnahmen für April nahezu einforderte von mir erzählt werden lassen wir’s einfach einmal. Ist eine Marotte der Märkte geworden über den „Mai“ zu sprechen, gehört also dazu. Was spannender wird sind Währungen und hier aus unserer Sicht naturgemäß der Euro.
Die Euro Stärke ist die US-Dollar Schwäche. Erkennbar ist dies vor allem am so genannten „Broad Index“ (die Namensgebung deutet schon darauf hin welch enorm wichtige Rolle der Kurs des US-$ für die USA in Wirklichkeit spielt bzw. immer schon gespielt hat). Dieser Index misst nämlich die handelsgewichteten Kurse aller Währungen gegenüber dem US-Dollar und erzeugt somit ein Bild des generellen Außenwertes dieser Leitwährung. Seit Jänner 2016 fällt dieser Außenwert.
Die Hintergründe liegen, erkennbar an dieser breiten Bewegung, daher in den USA und nicht wie man zuletzt öfters vernahm in einer wachsenden Stärke der Europäischen Volkswirtschaften. Man erkennt nämlich mittlerweile, dass die angekündigten Zinserhöhungen der FED wohl im besten Falle nur zur Hälfte eintreten werden, die Wachstumsraten der US-Industrie mit der Nulllinie kämpfen und die Unternehmensgewinne trotz Kaschierung via Aktienrückkaufprogramme real seit einiger Zeit sinken. Die Dollars suchen somit andere Häfen wo sie mehr Ertrag finden und strömen in die Welt. Als Erste Adresse dafür gilt mittlerweile wieder der chinesische Yuan, der mit Investitionsprogrammen innerhalb des 5 Jahresplanes und einer ziemlich raschen Translation von produzierend- in konsumierend-China die Investoren zum Handeln bringt. Asien ist überhaupt wieder am Radar internationaler Investoren gelandet. Die Direktinvestments des Auslandes erreichen hier wieder Spitzenwerte. Und auch selbst Europa hat wieder einige Freunde in USA gefunden und, nachdem Geld „kein (politisches) Mascherl“ hat, wird seit langer Zeit wieder Osteuropa und hier natürlich Russland langsam ins Portefeuille integriert. Der Russische Rubel ist seit seiner Spitze im Jänner um 22% gegen den US-$ gestiegen.
Somit zeigt sich folgendes Bild an das wir uns noch einige Zeit gewöhnen werden müssen: die Erholung der Ölpreise stützt mittelfristig vor allem die OPEC und weniger die USA die noch mit dem Knoten in der Verschuldung der Schieferöl-Firmen und dem durch Aktienrückkäufe vernebelten Profitabilitätsbild zu kämpfen haben, die Zinspolitik von Japan, USA und Europa ist nicht mehr dominant in der Begründung der jeweiligen Anlageentscheidung, und die Investoren suchen sich daher wieder weit selbständiger ihr mittel- bis längerfristig tragfähiges Investment und investieren auch selbstbewusster außerhalb der USA. Da gehört die Analyse von Währungsschwankungen einfach dazu.
Wir werden daher die Währungseffekte die kommenden Tage sicher medial und analytisch stärker adressiert bekommen. Einer Investitionsentscheidung, ob über einen Markt oder einzelne Werte, hat eine Relativierung sämtlicher Parameter aber noch nie geschadet. Währungen gehören da einfach dazu.
Börsepeople im Podcast S23/05: Tatjana Aubram
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