28.08.2017, 5851 Zeichen
Ab dem Frühjahr 1923 hyperventilierte die Messziffer des Dollarkurses in Berlin nach oben. Die Reichsmark krachte nach unten und entwertete sich vollständig. Die Lebenshaltungskosten wurden unbezahlbar, der Dollar stieg ins Astronomische.
Nicht unähnlich sieht der Anstieg von Bitcoin gegenüber dem US-Dollar aus. Auch hier ging es um mehrere Zehnerpotenzen nach oben, wenn auch in einem längeren Zeitraum (folgender Chart).
Die Zahl der Bitcoin-Besitzer nahm von einer Million im Jahr 2013 auf etwa fünf Millionen im Jahr 2017 zu. Die Welt hat 7,5 Mrd. Einwohner. Durchschnittlich nennt der Bitcoin-Besitzer drei Bitcoins sein eigen, hat also ein Portfolio von etwa 13.000 Dollar.
Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto (ein Pseudonym) soll allein über 1,1 Mio. Bitcoins verfügen. Damit wäre er 4,7 Mrd. US-Dollar schwer. Die nächstgrößere Summe (Bitcoins im Wert von 619 Mio. US-Dollar) verwaltet treuhänderisch das FBI. Im Jahr 2013 beschlagnahmte die Organisation 144.000 Bitcoins bei der Verhaftung des damaligen Silk Road-Betreibers Ross Ulbricht.
Eine Anekdote am Rande: Im Mai 2010 bot der Entwickler Laszlo Hanyec in Florida 10.000 Bitcoins für denjenigen, der ihm zwei Pizzas besorgen würde. Ein Forumsteilnehmer in Großbritannien veranlasste die Lieferung und erhielt die 10.000 Bitcoin. Der Empfänger verfügt heute – so er die 10.000 Bitcoin noch besitzt – über ein Vermögen von 43,3 Mio. US-Dollar.
In der Wellenreiter-Frühausgabe vom 17. Juni 2011 – ein Bitcoin notierte bei 15,68 US-Dollar – schrieben wir erstmals zum Thema:
„Übersetzt man die Tulpenspekulation ins Internet, so könnte man auf den Gedanken kommen, dass der Bitcoin das nächste Objekt der Begierde sein könnte. Ein mögliches Szenario: Es beginnt den Leuten in den Fingern zu jucken. Viele sind – folgt man den Blogs – mit Spielgeld dabei. Das macht Spaß, solange es aufwärts geht. Oh, das Ding funktioniert ja, denkt man sich. Schließlich hat man ein paar hundert, vielleicht sogar einige tausend Euro Gewinn erzielen können. Die nächste Urlaubsreise ist gesichert. Und immer noch steigen die Kurse, weil sich der nächste „Dumme“ findet, der bereit ist, einen noch höheren Preis für Bitcoins zu bezahlen.
Es beginnt die Phase, in der man seltsam angeschaut wird, wenn man zugibt, dass man noch keine Bitcoins besitzt. Die Nachzügler beginnen zu kaufen. Währenddessen steigt der Bitcoin-Kurs auf 1.000 US-Dollar. Man beginnt, ernsthaft darüber nachzudenken, ob man nicht einen Teil seines Vermögens mit Bitcoins absichert. Dann beginnt das große Geld, Bitcoins zu akkumulieren. Der Preis steigt weiter. Die Zentralbanken, die diesem Prozess mit immer tiefer werdendem Misstrauen beobachten, sehen ihre Position bedroht. Sie rufen die Politiker auf den Plan, die schließlich den Handel mit Bitcoins verbieten. Der Preis stürzt ab, die Blase platzt.“
Möglicherweise sind wir jetzt in der Phase, in der das große Geld (sprich Fonds, ETFs) einsteigt. Ob ein Handels- oder Besitzverbot durch die Zentralbanken durchsetzbar ist, erscheint aus heutiger Sicht fraglich. 15,5 Mio. Wallets (digitale Bitcoin-Portemonnaies) mit einem Wert von jeweils mehr als einem Dollar existieren. Ein weltweites Bitcoin-Verbot wäre sinnlos, weil es nicht zu kontrollieren wäre. Der Geist ist längst aus der Flasche.
Maximal 21 Mio. Bitcoin sind vorgesehen, das Mining wird immer weiter erschwert.
Etwa 16,5 Mio. Bitcoin (knapp 80 Prozent) existieren bereits. Bei einem Preis von 4.300 Dollar pro Bitcoin beträgt die aktuelle Marktkapitalisierung 71,5 Mrd. US-Dollar. BMW oder Tesla verfügen über einen ähnlichen Marktwert. Bill Gates, Jeff Bezos oder Warren Buffett wären theoretisch in der Lage, alle existieren Bitcoin zu erwerben.
Sämtliche Aktienmärkte weltweit kommen auf eine Marktkapitalisierung von 70 Billionen US-Dollar. Alle Goldvorräte zusammen haben einen Wert von 8 Billionen US-Dollar. Allein um den Gesamtwert von Gold zu schlagen, müsste der Preis eines Bitcoins auf etwa 500.000 US-Dollar steigen.
Nominal allerdings hat Bitcoin den Goldpreis mittlerweile übertroffen. Musste man Mitte 2010 mehr als 10.000 Bitcoin für eine Feinunze Gold ausgeben, so reichen heutzutage 0,3 Bitcoin (folgender Chart).
Aus Bitcoin-Sicht befindet sich die Welt in einer gigantischen Deflations-Spirale. Sieht man den Wert eines Bitcoins als stabil an, wertet alles andere dagegen ab: Immobilien, Aktien, Anleihen, Gold, Güter und Dienstleistungen.
Auch Schulden übrigens. In Bitcoin gerechnet ist die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren massiv rückläufig. Der Haken an der Sache: Um genügend Liquidität für das Aufsaugen der Staatsverschuldung (60 Billionen US-Dollar) zu schaffen, müsste der Bitcoin auf 3,6 Millionen US-Dollar steigen.
Na dann: Auf zur größten Hyper-Deflation aller Zeiten.
Bitcoin hat bisher Zehnerpotenzen stets in kurzer Zeit überbrückt. Der Weg von 10 Cents auf 1 Dollar, von einem Dollar auf 10 Dollar, von 10 auf 100 Dollar und von 100 auf 1.000 Dollar wurde jeweils innerhalb nur weniger Monate zurückgelegt (folgender Chart).
Setzt sich das Muster fort, dann würde die 10.000-Dollar-Marke innerhalb der nächsten Monate erreicht werden. Dort würde eine längere Pause inklusive eines Rückschlags eintreten.
Ein Beitrag von Robert Rethfeld.
Robert Rethfeld betreibt den Börsendienst Wellenreiter-Invest. Kernprodukt ist ein handelstäglich erscheinender, abonnementsbasierter Börsenbrief. Seit Ende der 80er Jahre lebt er im Vordertaunus, zunächst in Bad Homburg und seit dem Jahr 1999 in Oberursel. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und hält sich durch Laufen im Taunus sowie durch Golfspielen fit.
P.S. Ein kostenloses 14tägiges Schnupperabonnement erhalten Sie unter www.wellenreiter-invest.de
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.
Wiener Börse Party #1069: ATX zu Mittag leicht schwächer, Semperit fällt positiv auf, Germanys Stock Party läuft, Bell Marija Marjanovic
Bildnachweis
1.
Bitcoin ATM
>> Öffnen auf photaq.com
Aktien auf dem Radar:Polytec Group, Addiko Bank, UBM, RHI Magnesita, Zumtobel, Agrana, Rosgix, CA Immo, DO&CO, SBO, Gurktaler AG Stamm, Heid AG, OMV, Wolford, Palfinger, Rosenbauer, Oberbank AG Stamm, BTV AG, Flughafen Wien, BKS Bank Stamm, Josef Manner & Comp. AG, Mayr-Melnhof, Athos Immobilien, Marinomed Biotech, Amag, Österreichische Post, Verbund, Wienerberger.
Random Partner
Addiko Group
Die Addiko Gruppe besteht aus der Addiko Bank AG, der österreichischen Mutterbank mit Sitz in Wien (Österreich), die an der Wiener Börse notiert und sechs Tochterbanken, die in fünf CSEE-Ländern registriert, konzessioniert und tätig sind: Kroatien, Slowenien, Bosnien & Herzegowina (wo die Addiko Gruppe zwei Banken betreibt), Serbien und Montenegro.
>> Besuchen Sie 62 weitere Partner auf boerse-social.com/partner
Latest Blogs
» Österreich-Depots: Weekend-Bilanz (Depot Kommentar)
» Börsegeschichte 9.1.: Bitte wieder so wie 1996 (Börse Geschichte) (Börse...
» Nachlese: Viktoria Gass PwC, Herbert Ortner, Michael Marek Augenmedizin ...
» News: Neue Aktie im direct market, News zu Post, Research zu wienerberge...
» Wiener Börse Party #1069: ATX zu Mittag leicht schwächer, Semperit fällt...
» Wiener Börse zu Mittag schwächer: Semperit, FACC und Pierer Mobility ges...
» Börse-Inputs auf Spotify zu u.a. Viktoria Gass PwC, Herbert Ortner
» Börsepeople im Podcast S22/24: Viktoria Gass
» ATX-Trends: AT&S, wienerberger, Frequentis ...
» Wiener Börse Party #1068: ATX leicht fester, warum die Post zu erwähnen ...
Useletter
Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab.
Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.
Newsletter abonnieren
Runplugged
Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)
per Newsletter erhalten
- Wiener Börse: ATX gibt am Freitag 0,16 Prozent ab
- Wiener Börse Nebenwerte-Blick: Heid steigt mehr a...
- Wie Heid AG, Gurktaler AG Stamm, Wolford, Mayr-Me...
- Wie OMV, CA Immo, Strabag, DO&CO, VIG und CPI Eur...
- ATX charttechnisch: Es ist mit einer Verlangsamun...
- Fazits zu EVN, CA Immo, SBO, Ausblick auf kommend...
Featured Partner Video
Private Investor Relations Podcast #18: Paul Rettenbacher über die Polytec-IR, dann ein sehr privater Twist (und ich hänge mich an)
Paul Rettenbacher ist seit 2015 für die Polytec-IR zuständig, für mich einer der menschlichsten Menschen unter den vielen tollen Menschen in der IR. Eigentlich war der Anruf bei ihm für die Silvest...
Books josefchladek.com
Jan Holkup
Posedy / Hunting Stands
2025
PositiF
Elizabeth Alderliesten
Not Shameless
2025
Self published
Henrik Spohler
Flatlands
2023
Hartmann Projects
Pia Paulina Guilmoth & Jesse Bull Saffire
Fishworm
2025
Void





