16.10.2013, 3764 Zeichen
Nächste Woche soll es amtlich werden: der französische Staat und der chinesische Autobauer Dongfeng übernehmen angeblich gemeinsam die Macht beim kriselnden Peugeot-Konzern. Die Börsen reagierten gestern mit heftigen Kursverlusten von zweitweise zehn Prozent auf die Gerüchte. Ein Einstieg von Dongfeng wird zwar seit langem erwartet - aber dass nun auch Paris zum Großaktionär wird, verstimmt die Anleger. Mit der voraussichtlichen neuen Konstellation bei Peugeot werden die Karten im weltweiten Autogeschäft neu gemischt.
Viele mag es überraschen - aber ausgerechnet Frankreichs Autoaktien Peugeot und Renault sind die Börsenstars der letzten zwölf Monate. Beide haben ihre Kurse zeitweise verdoppelt. Renault konnte dadurch seinen Börsenwert auf 20 Milliarden Euro steigern, Peugeot aber hinkt mit knapp vier Milliarden weit hinter der Konkurrenz her, ist gerade einmal ein Zwanzigstel so viel wert wie Volkswagen. Das ist kein Wunder, verbrannte doch Europas zweitgrößter Autokonzern bis in dieses Jahr hinein pro Monat 200 Millionen Cash, schrieb 2012 fünf Milliarden Euro Verlust und musste seine Finanzierungstochter vom Staat stützen lassen. In diesem Jahr sollen zwar die Verluste deutlich kleiner ausfallen - aber klar ist, dass Peugeot ohne neues Kapital nicht überleben kann.
Der Einstieg der langjährigen Partners Dongfeng gilt deshalb seit Monaten als ausgemacht - aber anscheinend will die französische Regierung verhindern, dass die Chinesen das Sagen bei PSA Peugeot Citroen haben, wie die Firma offiziell heißt. Denn wenn Dongfeng die kolportierten drei Milliarden Euro, die nötig sind, allein einbringen würde, könnte man ihnen den Haupteinfluß kaum verwehren, würden sie doch über 40 Prozent vom Gesamtkapital besitzen. Jetzt sollen sich Frankreich und Dongfeng die Kapitalaufstockung teilen und jeweils 1,5 Milliarden Euro beisteuern.
Wenn es dazu kommt, entsteht ein neuer Autoriese mit weitaus besseren Chancen als wenn beide Konzerne allein marschieren würden. Peugeot krankt vor allem daran, dass seine Produktionsstätten überwiegend im teuren Europa liegen, und seine Absatzmärkte ebenso. Die breite internationale Streuung von Produktion und Absatz, wie es die deutschen Autobauer vorexerzieren, ist sicherlich ein Vorbild für Peugeot. Zumal es der heimische Konkurrent Renault ebenfalls praktiziert. Seitdem Renault fast die Hälfte an Nissan besitzt, ist Frankreichs zweites großen Autounternehmen viel flexibler, internationaler, kostengünstiger und profitabler geworden.
Der steile Kursanstieg der Peugeot-Aktie in diesem Jahr ist weitgehend der Phantasie auf eine Allianz mit Dongfeng oder alternativ einen Einstieg von General Motors zuzuschreiben. Dass nun aber der Staat mitmischen will, verdüstert die Aussichten deutlich. Denn die Regierung Hollande ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie dringend nötige Kostensenkungen und Kapazitätseinschnitte unterstützt. Eher ist das Gegenteil der Fall.
Trotzdem wird die erwartete neue Allianz den Automarkt stark beeinflussen. Peugeot erhält dann besser Zutritt nach China, Dongfeng nach Europa. Und beide zusammen können in den Märkten angreifen, in denen sie besonders schwach sind, beispielsweise in Amerika. Die Konkurrenzsituation wird sich damit weltweit zusätzlich verschärfen - allerdings erst mit Blick auf die Jahre ab 2015. Denn das neue Konstrukt braucht Zeit, bis es ins Laufen kommt. Und es ist vor allem bei einer Beteiligung Frankreichs mit erheblichen Risiken verbunden. Wenn es allerdings klappt, wird die Peugeot-Aktie erneut zu den Favoriten zählen - allerdings wohl erst, wenn die Kapitalerhöhung durch ist und die Details der Zusammenarbeit so ausfallen, dass die Chancen auf mehr Wirtschaftlichkeit groß sind.
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