19.10.2013, 4639 Zeichen
Ein sparsamer Lebensstil und Erfolg an der Börse haben sehr wohl miteinander etwas zu tun. Denn: Wer sein Einkommen komplett ausgibt, dem bleibt logischerweise nichts übrig, um zu investieren. Also sparen Sie wenigstens ein wenig. Sie brauchen ja nicht fünf Mal im Jahr in den Urlaub fliegen. Ein gebrauchtes Auto fährt im Regelfall auch. Ich glaube, das leuchtet jedem ein.
OK, kommen wir zum nächsten Schritt. Haben Sie Geld übrig, stellt sich die Frage, welche Aktien Sie kaufen. Darüber habe ich schon endlos viel in diesem Blog geschrieben. Qualität, langweiliges Zeug, Substanz, hohe Cashflows, Wachstum, schöne Eigenkapitalrendite, Marktführer, Markenanbieter, Tradition, Insiderkäufe, Dividenden etc.
Wenden wir uns nun dem idealen Zeitpunkt des Kaufs zu. Wann Sie am besten Ihre Position aufstocken oder ein neues Wertpapier kaufen, ist freilich eine schwierige Frage. Wären wir Value-Anleger extrem egoistisch, würden wir uns jetzt eine fürchterliche Krise wünschen, in deren Folge die Kurse einfach kollabieren. Herrscht blanke Panik, greifen wir zu. Seelenruhig warten wir anschließend die Erholung ab. Die billig eingekauften Aktien halten wir einfach bis zur Rente durch. Einen guten Anleger können Sie mitunter an der Halteperiode ausmachen. Kurzfristdenken ist Gift.
So ähnlich macht das Warren Buffett. Er besitzt zu fast 100 Prozent Wertpapiere und Unternehmen. Gut, ein paar Anleihen hat er, um flüssig zu sein für sein Versicherungsgeschäft. Andernfalls würde er kaum so viel Cash horten. Aktien bringen schlicht auf lange Sicht die beste Rendite.
Buffett steigt am liebsten ein, wenn ein Unternehmen in einer Krise steckt oder wenn die Wirtschaft kriselt. So kommt er günstig rein. Buffett denkt so: „Schlechte Nachrichten sind wunderbar! Ein Horror-Crash. Na super.“ Der gewöhnliche Börsianer denkt: „Meine Güte. Alles geht den Bach runter. Oh, wie schlimm.“
Ändern Sie Ihre Einstellung. Eine grauenvolle Gewinnwarnung gefolgt von einem dramatischen Kurssturz kann ein Geschenk sein. Ein Skandal, ein Rücktritt, eine Rückrufaktion, eine Milliardenstrafe, ein Kartellverfahren, ein Ermittlungsverfahren, eine schlechte Reputation... das ist etwas Tolles, für denjenigen mit ausreichend Cash und Geduld.
Zahlen Sie besser nicht den vollen Preis. Nach Sonderangeboten im Supermarkt zu schauen, zahlt sich ja auch aus.
Die Herde denkt an der Börse komischerweise anders. Um es krass auszudrücken: Die Herde tickt nicht richtig, sie hat einen Sprung in der Schüssel. Sie handelt spekulativ, agiert wie ein Trader. Die Informationen des Spekulanten basieren auf Quellen und Daten, die zum Teil mit dem Preis des Assets nichts, rein gar nichts, zu tun haben. Es ist alles irrational, ziemlich irrational.
Die Gefühle machen dem Hobbyanleger eben einen Strich durch die Rechnung. Die Gier frisst den Verstand. Hohe Kurse liebt die Herde. Sie kauft wie im Rausch, wenn die Stimmung super ist. Einzusteigen, wenn Euphorie herrscht, wenn die Börse kurz vor Korrektur steht, ist idiotisch. Aber so ist das nun mal. Ignorieren Sie die Herde besser.
Im Grunde sind die Blasen für die Insider der Branche ein Riesengeschäft. Während der Dotcom-Blase brachten zum Beispiel unsere Banken massenweise ziemlich schwache Internetbuden zu absurden Preisen an die Börse. Sie machten einen Reibach. Ähnlich war das während des Immobilienrauschs in den USA, da wurden irre Summen mit Hypotheken(-papieren) verdient. Insofern haben die Nutznießer wenig Interesse daran, wenn die Blase platzt.
Wann Übertreibungen entstehen, können Sie anhand der allgemeinen Stimmung durchaus wahrnehmen. In New York waren zum Beispiel vor einigen Jahren die U-Bahnen mit Reklame für Wohnungen zugepflastert. Es waren Schlagzeilen wie: „Kaufen Sie jetzt Ihre Traumwohnung. So verdienen Sie richtig Geld.“ Oder: „Lehrgang, Wir haben Plätze frei. So traden Sie Häuser.“ Als Gold heiß begehrt war, warben die Goldhändler entsprechend im Fernsehen und in den U-Bahnen für den gelben Traum.
Ein wenig Sorge mache ich mir nach fünf Jahren Kursrallye (ohne Pause) an der Wall Street schon. Die nächste Korrektur muss kommen. Kürzlich hatte das „Time Magazin“ wieder einen Börsen-Bullen auf dem Titelblatt. Oje. Das ist kein gutes Omen. Ich halte grundsätzlich einen Rücksetzer um zehn oder 15 Prozent für möglich. (Aber genau weiß das niemand.) Eine Rezession kommt. Sie muss irgendwann kommen. Das ist wie ein Naturgesetz.
Verzeihen Sie mir das bitte, aber denken Sie daran: Genießen Sie den nächsten Crash. Genießen Sie eine Gewinnwarnung. Es gibt nichts Schöneres. Ich warte auf die Schlagzeile: „Dow Jones stürzt 1.000 Punkte ab. Chaos.“ So funktioniert die Geldmaschine.
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Erste Group
Gegründet 1819 als die „Erste österreichische Spar-Casse“, ging die Erste Group 1997 mit der Strategie, ihr Retailgeschäft in die Wachstumsmärkte Zentral- und Osteuropas (CEE) auszuweiten, an die Wiener Börse. Durch zahlreiche Übernahmen und organisches Wachstum hat sich die Erste Group zu einem der größten Finanzdienstleister im östlichen Teil der EU entwickelt.
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