01.12.2016, 5608 Zeichen
Das Niedrigzinsumfeld ist die große Herausforderung für alle Versicherer. Bei der VIG hat man sich mittlerweile darauf eingestellt. In Österreich will man die Spitze verteidigen, in CEE wachsen.
Der Wiener Ringturm beherbergt die Vienna Insurance Group (VIG), vormals Wiener Städtische. Das ist heute ein Konzern, dessen Ausmaß man kompakt beschreiben kann: 23.000 Mitarbeiter sind, aufgeteilt auf rund 50 Gesellschaften, in 25 Ländern Europas tätig. Die Aktie notiert sowohl an der Wiener als auch an der Prager Börse. Standard & Poors bewertet das Unternehmen mit A+ bei stabilem Ausblick. Das ist das beste Rating aller Unternehmen im Wiener Leitindex ATX .
Zwei Ziele
Das Ziel des Versicherers gliedert sich in zwei Bereiche. Zum einen will man die Spitzenposition in Österreich halten. Hier ist man Marktführer. Zum anderen will man die Versicherungsaktivitäten in CEE weiter ausbauen. Aus Versicherungssicht ist Zentral- und Ost-Europa weiterhin ein eindeutiger Wachstumsmarkt. Um das Potenzial zu heben, verfolgt man vier Grundsätze. Zum einen will man lokales Unternehmertum betreiben. Zum anderen setzt man bewusst auf eine Mehrmarkenstrategie, es läuft also bei weitem nicht alles unter dem Namen Vienna Insurance Group. Hinzu kommen noch einerseits der Multikanalvertrieb und andererseits die konservative Veranlagung bzw. die konservative Rückversicherungspolitik.
Aktienkurs schwächelte
Ein Blick auf den Aktienkurs offenbart, dass sich auch die Vienna Insurance Group in den vergangenen Jahren den Problemen der Versicherungsbranche nicht entziehen konnte. Nach drei Quartalen 2016 notiert die Aktie rund ein Viertel unterhalb des letzten 2015er Kurses. Und auch 2015 war ein Jahr, in dem es bereits um knapp 32 Prozent nach unten ging. Die Probleme sind bekannt. Die Profitabilität des Versicherungsgeschäfts leidet massiv unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.
Das sieht auch VIG-Finanzvorstand Martin Simhandl so. Er erklärt im Interview mit dem BSN-Joint Venture boersenradio.at anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen: „Was uns momentan die größte Sorge macht, ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Wir sind der Meinung, dass dieses Zinsniveau ein künstlich niedriges ist, und es erreicht auch nicht die Zielsetzung, die sich die EZB vorgenommen hat. Wir sehen die wirtschaftsstimulierenden Effekte aus dieser Politik nicht. Wir sehen in dieser Politik viel mehr Nachteile als Vorteile.“
Und man sehe es zuletzt als sehr problematisch an, wenn man Menschen davon abbringe, für die Zukunft vorzusorgen: „Denn wir glauben, dass in der Zukunft ein großer Bedarf nach privater Vorsorge - gerade im Pensionsbereich - gegeben sein wird. Das ist das Umfeld in dem wir uns bewegen. Es ist ein Umfeld, das alle Versicherer so vorfinden. Wir haben versucht damit bestmöglich umzugehen. Wir würden uns aber wünschen, dass es sich über die Zeit ändert“, führt Simhandl aus.
Wo die VIG hin will
Apropos bestmöglich: Im August wurden die erwähnten Halbjahreszahlen veröffentlicht. Bei den Prämien konnte man ein Plus von 0,4 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro verzeichnen. Der Gewinn vor Steuern lag bei 201,3 Mio. Euro (und damit 17,5 Prozent unterhalb des Ergebnisses im 1. Halbjahr 2015). Bei der VIG ist man damit zufrieden. „Wir haben als Zielrichtung die Verdoppelung des Vorjahresgewinns (Anm: Gewinn vor Steuern 2015: 172,1 Mio. Euro) auf bis zu 400 Mio. Euro ausgegeben und sind mit dem Halbjahresergebnis somit erfolgreich auf Kurs. Dies, obwohl sich am Niedrigzinsumfeld nichts geändert hat und dadurch unser Finanzergebnis nach wie vor negativ beeinflusst wird“, hatte VIG-Generaldirektorin Elisabeth Stadler im Zuge der Veröffentlichung der Zahlen erklärt. Die Combined Ratio des Konzerns nach Rückversicherung lag zum Halbjahr deutlich unterhalb der magischen Grenze von 100 Prozent, nämlich bei 97,9 Prozent. „Die Combined Ratio soll mittelfristig in Richtung von 95 Prozent verbessert werden“, hält die VIG im Zuge der Präsentation der 2015-er Zahlen bzw. ihres Ausblicks für 2016 fest.
Die Dividende
Die letzten beiden Jahre waren für Anleger bzw. Investoren unangenehm. Doch was hat der Konzern seinen bestehenden und potenziellen Anlegern zukünftig zu bieten, etwa bei der Dividende? Die Vienna Insurance Group ist ein verlässlicher Dividendenzahler. Im Mai 2016 wurde eine Dividende von 0,6 Euro je Aktie bezahlt. Das entspricht der Auszahlung aus dem Jahr 2015. In absoluten Beträgen war die Dividende in den Jahren davor jedoch deutlich höher. Sie steigerte sich von 2009 (0,9 Euro je Aktie) bis 2014 (1,4 Euro) jährlich um 0,1 Euro. Derzeit kostet die VIG-Aktie knapp 20 Euro. Bleibt die Dividende stabil, kann man von gut 3 Prozent Dividendenrendite ausgehen. Im Sommer handelte die Aktie noch unter 16 Euro, ein Kursniveau, das man seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesehen hat. Finanzvorstand Simhandl nimmt zur Dividende Stellung: „Wir haben eine Dividendenpolitik, die wir schon seit über zehn Jahren verfolgen. Diese orientiert sich am Gruppennettoergebnis und hat einen Mindestprozentsatz.“ Heißt: Wenn sich das Ergebnis verbessert, sollte sich auch die Basis für die Dividendenhöhe verbessern. Simhandl betont allerdings: „Unsere Aussagen beziehen sich immer auf die Dividendenpolitik. Für konkrete Dividendenvorschläge ist es Mitte des Jahres deutlich zu früh.“ Es bleibt also abzuwarten, was hier noch passiert und wie viel für jede der rund 128 Millionen VIG-Aktien ausgeschüttet wird. 30 Prozent dieser Aktien befinden sich im Streubesitz, 70 Prozent beim Wiener Städtischen Versicherungsverein.
Aus dem Fachheft 48-50, "Ausblicke".
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Martin Simhandl, VIG
, (© VIG/Elisabeth Kesser) >> Öffnen auf photaq.com
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Die Uniqa Group ist eine führende Versicherungsgruppe, die in Österreich und Zentral- und Osteuropa tätig ist. Die Gruppe ist mit ihren mehr als 20.000 Mitarbeitern und rund 40 Gesellschaften in 18 Ländern vor Ort und hat mehr als 10 Millionen Kunden.
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