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Aktien sollten gegenüber Anleihen leicht übergewichtet werden

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11.07.2018, 5379 Zeichen

Die extrem positiven Prognosen zu Jahresbeginn haben sich nicht erfüllt, die effektiven Wirtschaftsdaten blieben weltweit unter den Erwartungen. "Zwar ist das globale Wachstum im Vergleich zu den letzten Jahren hoch und robust, das Momentum flacht allerdings deutlich ab", erklärte Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH, im Rahmen seines Investment-Ausblicks für das dritte Quartal. Geopolitische Risiken und die protektionistische Handelspolitik Donald Trumps sorgen für erhebliche Verunsicherung der Märkte, das Wachstum in China verlangsame sich, die europäische Integration mache nur mäßige Fortschritte. Die weltwirtschaftliche Gesamtstimmung habe sich leicht eingetrübt, so Ramberger, statt stürmischer Offensive an den Märkten stehe eher eine Saison für Defensiv-Strategen ins Haus.

Ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Analysen zeigt global unterschiedliche Entwicklungen: Während die weltweite Konjunkturdynamik im vergangenen Jahr noch von allen Regionen unterstützt wurde, ist das aktuelle Wachstum nicht mehr so synchron wie erwartet. Zulegen konnte - insbesondere infolge der dortigen Steuerreform - vor allem das Wachstum in den USA, der Euroraum und die Schwellenländer verzeichneten hingegen eine schwächere Entwicklung als erwartet. Die Arbeitslosigkeit ist infolge des Wachstums weiter rückläufig und müsste vor allem in den USA mehr Lohndruck erzeugen.

Die Inflation zeigt weiterhin nur einen leichten Aufwärtstrend, obwohl der Ölpreis deutlich zugelegt hat. "Die Inflationserwartungen sind in den letzten eineinhalb Jahren kaum nach oben gegangen", erklärt Ramberger. Die globale Geldpolitik sorge bisher für keine Überraschungen bei der schrittweisen Anpassung der expansiven Maßnahmen. Die FED schreite sowohl mit der Reduktion der Bilanzsumme als auch mit der Anhebung der Leitzinsen voran, wodurch das Zinsdifferential zu den anderen globalen Währungen sukzessive zulege. Die Europäische Zentralbank hat das Auslaufen der Anleihekäufe angekündigt, geht jedoch von keiner Zinsanhebung vor Herbst 2019 aus. "In Summe bleibt die Geldpolitik unterstützend für die Wirtschaft, die Impulse für die Finanzmärkte gehen jedoch zurück. Zudem könnte die Verflachung der US-Zinskurve ein erstes Warnzeichen für die nächste Rezession in den USA darstellen", prognostiziert der Allianz Experte.

Für die weitere Entwicklung zeigt sich Ramberger insgesamt nur verhalten zuversichtlich: "Derzeit ist kein klarer Trend abzulesen. Es könnte aber wirklich schwierig werden, was die weltweite Wachstumsdynamik betrifft." Die geopolitischen Risiken würden weiterhin bestehen bleiben, auch die Gefahr verschärfter wirtschaftlicher Konflikte bis hin zu Handelskriegen sei nicht gänzlich auszuschließen, fasst Ramberger zusammen und zieht Parallelen zum Fußball: "Wir sind in der Rapid-Viertelstunde angekommen, vielleicht sogar schon im Nachspiel."

"Konkret raten wir Anlegern, im aktuellen Umfeld Aktien gegenüber Anleihen leicht überzugewichten", erklärt Mag. Doris Kals, Leiterin Multi Asset Management in der Allianz Invest KAG, die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Zwar sprechen der fortgeschrittene Wirtschaftszyklus und die langsame Rücknahme der geldpolitischen Maßnahmen für volatilere Finanzmärkte, dies sollte aber vorerst noch nicht das Ende des Aktienbullenmarktes bedeuten. Aktienseitig empfiehlt Kals, die USA und Europa überzugewichten, die Emerging Markets unterzugewichten und Japan neutral zu halten. In den USA werden die nach der Steuerreform ohnehin hohen Erwartungen hinsichtlich Gewinnwachstum und Profitabilität von den Unternehmen noch übertroffen, und es gibt weiterhin starke positive Gewinnrevisionen. Zunehmende Arbeitskosten, steigende Rohstoffpreise und höhere Zinsbelastungen werden von den US-Unternehmen durch Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen bis dato gut kompensiert. Die Bewertung europäischer Aktien sei nach den Abflüssen aus dem Markt aufgrund schwächerer Konjunkturdaten und politischer Unsicherheiten derzeit gegenüber US-Aktien deutlich günstiger. "Die Abschwächung des Euro in den letzten Wochen wird sich zudem positiv auf die Gewinne auswirken", ist Kals überzeugt. In den Emerging Markets sei das Momentum aufgrund des gestiegenen US-Dollars und weiter steigender US-Zinsen ebenso negativ wie das Bild, das die Unternehmensgewinne zeigen.

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Anleihen aus den Emerging Markets leicht überzugewichten, Euroland-Anleihen neutral zu halten und Unternehmensanleihen sowie Anleihen aus den USA unterzugewichten. Für EM-Anleihen, die in Hartwährung notieren, spricht der attraktive laufende Ertrag von aktuell 6,3 Prozent. Eine solide Entwicklung erwartet die Allianz auch am EM-Unternehmensanleihenmarkt, von Lokalwährungsanleihen wird hingegen abgeraten. "Bei Eurolandanleihen ist ein kurzfristiger deutlicher Anstieg der Renditen unwahrscheinlich, da die Inflation auch in absehbarer Zukunft deutlich unter der Zielmarke bleiben dürfte", betont Kals. Im Segment der Unternehmensanleihen kam es sowohl bei Euro- als auch bei US-Anleihen zuletzt zu deutlichen Spread-Ausweitungen, die die Allianz als Beginn einer längerfristigen Korrektur einschätzt und daher zur Vorsicht rät. Bei US-Staatsanleihen, deren Ertrag im 10-jährigen Bereich als attraktiv anzusehen ist, sollten Euro-Investoren das Fremdwährungsrisiko beachten.



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    Ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Analysen zeigt global unterschiedliche Entwicklungen: Während die weltweite Konjunkturdynamik im vergangenen Jahr noch von allen Regionen unterstützt wurde, ist das aktuelle Wachstum nicht mehr so synchron wie erwartet. Zulegen konnte - insbesondere infolge der dortigen Steuerreform - vor allem das Wachstum in den USA, der Euroraum und die Schwellenländer verzeichneten hingegen eine schwächere Entwicklung als erwartet. Die Arbeitslosigkeit ist infolge des Wachstums weiter rückläufig und müsste vor allem in den USA mehr Lohndruck erzeugen.

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