01.08.2018, 5214 Zeichen
Swisscanto hat den Kurzbericht für August präsentiert:
Konjunktur
Nach der synchronen Konjunkturerholung in den letzten Quartalen driftet die Wachstumsdynamik allmählich auseinander. Auf der einen Seite stehen die von den Steuersenkungen profitierenden USA, auf der anderen Seite Europa, Japan und China mit einer sich leicht abschwächenden Wachstumsdynamik. Auch wenn im schwelenden Handelsstreit erst wenige Zölle effektiv implementiert wurden, hat der Konflikt eine Dynamik entwickelt, die sich nicht mehr so einfach stoppen lässt. Sollte sich der Handelskonflikt weiter verschärfen, dürften vor allem die Wachstumsprognosen für 2019 von den Konjunkturauguren nach unten revidiert werden. Der stärkere US-Dollar und höhere US-Zinsen haben zu Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern geführt und sind für Volkswirtschaften mit einer hohen Fremdwährungsverschuldung eine Belastung.
Finanzmärkte
Während in den USA die Zinsnormalisierung weitergeht, bleibt die Geldpolitik in der Eurozone und in Japan expansiv. China hat sogar jüngst damit begonnen, die geldpolitischen Zügel zu lockern. Der anhaltende Handelskonflikt begrenzt das Aufwärtspotenzial bei den Renditen. Was die Aktienmärkte anbelangt, stellt die handelspolitische Unsicherheit für die kleineren offenen Volkswirtschaften eine größere Belastung als für weniger exportabhängige Länder dar. Der US-Dollar hat aufgrund der starken US-Wirtschaft und der sich öffnenden Leitzinsschere weiterhin etwas Aufwärtspotenzial.
Die Zinsschere öffnet sich weiter
Während die Leitzinsen in der Eurozone und der Schweiz auf tiefem Niveau verharren, werden die Notenbanken in Nordamerika zunehmend restriktiver. Nachdem die US-Notenbank (Fed) ihre Leitzinsen im Juni zum siebten Mal in diesem Zyklus angehoben hat, folgte die Zentralbank Kanadas mit ihrem vierten Zinsschritt im Juli. Die Zinsschere zwischen den wichtigen Notenbanken dürfte sich auf Jahressicht noch weiter öffnen. Sollten sich die Wachstumsaussichten in den USA nicht eintrüben, dürften innerhalb Jahresfrist vier weitere Zinsschritte folgen. In der Eurozone wird eine Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes erst ab Mitte 2019 zur Debatte stehen, so dass die Zinsdifferenz zwischen US-Dollar und Euro bis September 2019 auf drei Prozent zunehmen dürfte.
Unternehmensgewinne erneut überraschend gut
Nachdem mittlerweile etwa 250 Unternehmen aus dem S&P 500 berichtet haben, zeichnet sich ab, dass sich der Anteil der Unternehmen, die bei den Gewinnen und den Umsätzen positiv überrascht haben, erneut gestiegen ist. Dies hängt unter anderem mit dem kräftigen Wirtschaftswachstum im 2. Quartal zusammen. Aber auch die möglichen Auswirkungen des Handelskonflikts wurden weniger thematisiert als befürchtet. Die meisten der bisher verhängten Zölle traten Anfang Juli in Kraft, so dass die tatsächlichen Auswirkungen erst im 3. Quartal spürbar werden. Folglich verlagert sich das negative Überraschungspotenzial auf Oktober, wenn die nächste Berichtssaison beginnt; insbesondere falls während des Sommers weitere Güter mit Zöllen belegt werden.
Zuversichtlicher für Aktien der Eurozone
Noch gehen wir in unserem Basisszenario davon aus, dass die Erwartungen zu pessimistisch sind, sich der ökonomische Sachverstand in der Politik durchsetzen wird und keine deutliche Eintrübung der Konjunktur bevorsteht. Obschon die USA für die aktuelle Unsicherheit verantwortlich sind, halten wir an unserer Einschätzung fest, dass die Aktienmärkte der kleinen offenen Volkswirtschaften davon stärker belastet werden als der US-Markt. Wir favorisieren deshalb weiterhin die Aktien Nordamerikas und erachten Japan, Australien, Großbritannien als weniger attraktiv. Da die Eurozone einen großen und derzeit noch robusten Binnenmarkt aufweist, beurteilen wir sie etwas zuversichtlicher. Aber selbst dort ist angesichts des hohen Leistungsbilanzüberschusses der Währungsgemeinschaft erkennbar, wie wichtig ein reibungslos funktionierender Außenhandel für die gegenwärtige Erholung ist.
Leichter Rohölpreis-Anstieg zu erwarten
Auf dem Rohölmarkt ist in erster Linie die Angebotsentwicklung preistreibend. Zahlreiche Ausfälle ließen den Preis für Brent-Rohöl im 1. Halbjahr zwischenzeitlich auf USD 80 pro Fass steigen. Zwar wurde im Juni im Rahmen des halbjährlichen Treffens der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) eine Produktionserhöhung beschlossen. Diese fiel aber zu tief aus, um den Ölpreis nachhaltig zu dämpfen. Erst durch die Wiedereröffnung mehrerer Ölhäfen im Osten Libyens, die zuvor von international nicht anerkannten Ölgesellschaften kontrolliert wurden, korrigierte der Rohölpreis. Während der nächsten Monate erwarten wir aufgrund der anhaltend unsicheren Angebotssituation einen weiteren leichten Anstieg des Rohölpreises. Erstens kann es in Ländern wie Libyen, Venezuela und Nigeria zu weiteren Produktionsausfällen kommen, was in einem knappversorgten Markt den Preis nach oben drückt. Zweitens sind die USA entschlossen, den Iran zu sanktionieren. Damit steht ein beträchtlicher Teil der Exporte des sechstgrößten Ölproduzenten auf dem Spiel. Auch wird sich die US-Regierung davor hüten, Ausnahmen im großen Stil zu gewähren. Ansonsten wären die Sanktionen nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.
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