03.01.2019, 4521 Zeichen
Ökostrom-HV 5. Viele Fragen gingen in die Richtung, wie die AG über den Verkauf von Erdgas mit Beimischung von Biogas (was das genau ist, das muss man mir noch näher erklären, ich bin nicht aus der Branche) zur Energiewende beitragen könne, in Details will ich mich hier nicht vertiefen, für Stühlinger jedenfalls zählt jeder Kunde, der durch Beimischung langsam von 100% Erdgas weg geht. Eine Frage betraf die Ergebnisanteile der Minderheitsgesellschafter, die ein Aktionär für zu positiv hielt, laut Stühlinger hätten wir nur in der Produktionsgesellschaft Mitgesellschafter. Das heißt, in der Produktionsgesellschaft machen wir einen Großteil des Gewinns. Ein Aktionär hatte Fragen zur als Einlagerückzahlung gestalteten Dividende, und er schlug mehr Pressearbeit vor, es gäbe genügend Fonds, die nachhaltige Sachen suchen würden. Und er sprach von einer Gratwanderung durch den Einstieg in den Gasvertrieb, aber man könne schwer verlangen, eine gut funktionierende Kombitherme aufzugeben und auf Strom umzusteigen. Gutes Argument. Die Energieeffizienz von Gas ist ja viel höher als von Strom, selbst von nachhaltig erzeugtem Strom, darum zahlt man bei Strom ja über den Daumen das Doppelte bis Dreifache dessen, was die gleiche Leistung bei Gas kostet. Zur Präsenz bei den AR-Sitzungen erfuhren wir, dass an drei Sitzungen alle Mitglieder des AR teilgenommen hätten und bei einer Sitzung Dr. Okresek aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen habe können. Die Frage nach einem Management Letter wurde dahingehend beantwortet, dass der Wirtschaftsprüfer keine konkreten Maßnahmen empfohlen habe, dass aber die Veränderung der Umsatzdarstellung ein Thema gewesen sei. Zur Frage nach der D&O-Versicherung erfuhren wir, dass die Prämie 12.000 Euro oder weniger betrage und den Vorstand und die Geschäftsführer der Tochtergesellschaften umfasse, die Prämie sei marktüblich, man habe ausgeschrieben, und man halte diese Versicherung für wichtig.
Einem Aktionär tat der Rückgang bei den Kunden (Anmerkung: Die 1-Jahres-Kunden, die wir bei der Aktion des VKI gewonnen hatten, erwiesen sich zum Teil als neuerlich wechselfreudig, offenbar sind sie regelmäßig auf der Suche nach dem aktuell günstigsten Tarif) weh, er verlangte eine klare Positionierung, wie es der Verbund mit seinem 100% klimaneutralen Strom aus Wasserkraft schaffe. Wir hätten beim letzten Mal ein klares Votum gehabt, er sprach sich gegen Erdgas aus und riet "absolut" ab, die Satzung zu ändern. Interessant: Er erntete nur verhaltenen Applaus. Er beanstandete das Vollmachtsformular, wo es nicht möglich gewesen sei, neue Namen anzukreuzen, und er fragte den Notar, ob diese Vollmacht in diesem Punkt gültig sei. Ihm gefiel nicht, dass man "wegen 2% Gasumsatz so viele Kunden aufs Spiel" setze, und dass man darüber überhaupt nichts im Geschäftsbericht finde. Laut Notar sei die Vollmacht "selbstverständlich in Ordnung" und stelle "ein Service der Gesellschaft, dass sie überhaupt zum Download zur Verfügung steht" dar. Jeder könne ergänzen oder ändern, es gebe ein freies Feld auf der Vollmacht. Laut Huber habe man 2017 2.600 Kunden an die neue VKI-Aktion verloren, 2016 habe man aber 16.000 Kunden gewonnen. Man wolle nicht beim Dumpen mitmachen, mit noch tieferen Aktionspreisen, es sei halt so, dass dieselben Kunden mit dem nächsten Wechselangebot des VKI konfrontiert würden. Hier muss ich anmerken: Ich erinnere mich, dass der VKI jährlich nicht den billigsten Stromanbieter sucht, sondern den billigsten Ökostrom-Anbieter, also die absolut konkurrenzlosen Angebote steigen eh nicht in den Ring. Die Konkurrenz biete jedenfalls einige Monate Gratisstrom. Laut Huber gebe es 150 Stromanbieter. Bei Gas ist der Konkurrenzkampf offenbar nicht so groß. Wir müssten aufpassen, dass wir "nicht in der Orchideenzucht stehen bleiben". Huber sprach von "75% Rabatt im ersten Jahr" bei Gas, trotzdem würden wir im ersten Jahr 30.000 Euro Deckungsbeitrag bei Gas erwirtschaften, danach würde der volle Energiepreis schlagend werden. Wir würden 150.000 bis 160.000 Euro Deckungsbeitrag pro Jahr erzielen wollen, es lohne sich dann, den Gasvertrieb als eigene Sparte darzustellen. Wichtig: Leute, die die Beimischung nehmen, seien prinzipiell treue Kunden, die Beimischung sei ja teurer. Zur VKI-Aktion meinte er, in drei Jahren solle ein Kunde "was bringen" (also profitabel für den Lieferanten werden). Wenn er billiges Gas haben wolle, gäbe es das sowieso billiger.
(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 03.01.)
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