05.04.2019, 4930 Zeichen
Ein Panda muss nicht unbedingt dieses gemütliche Tier sein, das den ganzen Tag lang nur Bambus mampft. Wer "Kung Fu Panda" gesehen hat, weiß, dass ein Panda durchaus ein Gamechanger sein kann. Der Bitpanda möchte das auch sein. Gründer Eric Demuth verlieh bei der Pressekonferenz am 4.4.19 seiner Freude über den Erhalt der PSD2-Konzession durch die FMA Ausdruck. Bitpanda könne nun als Zahlungsverkehrsdienstleister agieren. Der Kunde könne somit Kryptowährungen nicht nur kaufen und verkaufen, sondern (in Kürze) damit auch bezahlen, und zwar auch Kleinbeträge.
Bitcoin habe ein 2.800 m2 großes Office in Wien (gleich beim Praterstern), mit bereits mehr als 100 Mitarbeitern aus 31 Nationen und mehr als einer Million Kunden. Man habe kein Problem damit, neue Mitarbeiter zu rekrutieren und sie nach Wien zu holen, diese Industrie sei "nicht unattraktiv". Man sei stolz darauf, das ganze mit organischem Wachstum geschafft zu haben. Selbst in Zeiten des "Krypto-Winters", der bis vor drei Tagen gedauert habe, sei man gewachsen. Der herrschenden Negativmeinung, dass man aus Österreich weggehen müsse, wenn man etwas Großes machen wolle, schließe man sich nicht an. Man werde weitere Mitarbeiter in Österreich aufnehmen. Man wolle "hier bleiben und ausbauen". Man wolle "das erste Unicorn heuer" sein. Man wolle aus der Nische Kryptowährungen heraus, man wolle eine Schnittstelle zwischen alter und neuer Finanzwelt schaffen. Dieses Unicorn ist kein Fabelwesen, in der Finanzwelt nennt man ein Startup mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar so: https://de.wikipedia.org/wiki/Einhorn_(Finanzen)
Bitpanda wolle wirklich neuartige Dinge bauen, man arbeite schon daran und werde in einigen Monaten fertig sein. Und nun das Imponierende: Sie haben die Konzession durch die FMA in weniger als fünf Monaten erhalten, und das ohne Beauftragung (teurer) externer Berater, Anwälte oder Financial Advisors, die Expertise haben sie im eigenen Haus! Die Führungskräfte kommen von Wirtschaftskammer, FMA, Raiffeisen-IT. Alle Führungskräfte verstehen ihr Geschäft, man lagert nichts aus, und das wird auch so bleiben. Österreich sei ein hochregulierter Standort, die Diskussion mit der FMA sei sehr intensiv gewesen, aber kooperativ. Die beiden Geschäftsführer (Philipp Bohrn und Lukas Enzersdorfer-Konrad) würden das Unternehmen bis ins Detail kennen und hätten es mitgestaltet.
Die Vision sei: "Alles kann man digitalisieren." Man werde irgendwann auch Aktien und sogar Immobilien in kleinen Stückelungen handeln können. Immobilien, das sei das Beispiel, wo es noch länger dauern werde. Das Publikum hatte zu einem großen Teil mehr Bezug zu Kryptowährungen als ich und konnte entsprechend sinnvolle und interessante Fragen stellen. Edelmetalle seien ein sehr interessantes Thema, weil sie unglaublich illiquide seien. In anschließenden Gesprächen mit den Führungskräften von Bitpanda im kleinen Kreis konnte man weiteres Interessantes (also zumindest für mich als Noch-nicht-Kryptowährungs-Besitzer) erfahren. Dass man mit Bitcoin leicht die Spuren verwischen könne, sei nicht mehr ganz richtig, also zumindest wenn der Besitzer der Wallet bekannt sei (weil er sich bei Bitpanda legitimieren müsse, per Video-Identifizierungsverfahren), könne man alle Zahlungen lückenlos nachverfolgen. Die vorherrschende (private) Meinung im Hause Bitpanda ist offenbar: Kryptowährung kaufen und zwei bis drei Jahre nicht angreifen. Welcher Kryptowährung am ehesten ein Höhenflug zuzutrauen sei, das könne man leider nicht voraussehen, die Auf- und Ab-Bewegungen seien nicht wirklich nachvollziehbar, Bitcoin solle man aber trotz der bekannten Schwächen (hohe erforderliche Rechenleistung) nicht ignorieren. Bei Bitpanda seien alle 28 auf der Plattform handelbaren Kryptowährungen jedenfalls gleichberechtigt, man habe keine Präferenzen. Über Bitpanda könne man aber beim Bäcker mit Bitcoin bezahlen, das werde sofort abgerechnet, Bitpanda übernehme das Währungsrisiko (also dass Bitcoin bis zum tatsächlichen Umwechseln durch Bitpanda im Hintergrund steigt), der Kunde und der Bäcker sehen diese Verzögerung nicht, für sie wird das Geschäft sofort abgewickelt. Die Gebühren habe ich der Firmenseite entnommen: Bei Bitcoin 1,49% Gebühr für Kauf und 1,29% Gebühr für Verkauf. Mindestgebühr habe ich keine gesehen.
Wie immer speziell noch hier bei Kryptowährungen: Das ist keine Emfehlung, es war einfach eine sehr interessante Veranstaltung, bei der auch der Humor nicht zu kurz kam, wie man sieht: https://boerse-social.com/media/finanzmarktfoto/Image/image/76586/scalex/500 Die FMA hat sich die Entscheidung über die Konzessionserteilung sicher nicht leicht gemacht, das zumindest könnte ein Unterscheidungsmerkmal zwischen seriösen Anbietern und solchen sein, die die Hürde FMA nicht schaffen. Ich selbst werde mir wohl nicht so schnell eine Wallet zulegen.
(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 05.04.)
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