13.09.2022, 4774 Zeichen
Die Analysten von Raiffeisen Research fassen in einer Aktieninfo hinsichtlich RBI zusammen: "Auf Basis derzeitiger Konsensusschätzungen (Quelle: Bloomberg) ist die Aktie mit einem KGV von 3,1x für 2022e bzw. 4,6x für 2023e und einem Kurs/Buchwertverhältnis von 0,3x für 2022e bewertet. Diese Zahlen sind allerdings im Kontext der Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Geschäftstätigkeit in Russland zu sehen. Die erwartete Dividende für das Geschäftsjahr 2022 entspricht bei aktuellem Kurs einer Rendite von 2,6 %. Von 18 Analysten haben gemäß Bloomberg derzeit 7 die Aktie mit „Kauf/Übergewichten“, 5 mit „Halten“ und 6 mit „Verkauf/Untergewichten“ eingestuft. Das durchschnittliche Kursziel liegt aktuell bei EUR 15,6."
Die Analysten haben auch die aktuellen (geopolitischen) Entwicklungen bei der RBI nochmals zusammengefasst:
- Der konsolidierte Nettogewinn von EUR 1.270 Mio. lag 49 % über den Konsenserwartungen, was hauptsächlich auf ein deutlich besseres Nettozinsergebnis (Zinserhöhungen in CE und SEE, Aufwertung des RUB), höhere Provisionserträge (anhaltend starke Kundenaktivität und das Devisengeschäft in Russland) und etwas niedrigere Risikokosten (76 Basispunkte) zurückzuführen ist. Der positive Einmaleffekt aus dem Verkauf der Tochtergesellschaft in Bulgarien in Höhe von EUR 435 Mio. wurde bereits im Vorfeld angekündigt.
- Die Quote für das harte Kernkapital (CET1) hat sich im Quartalsvergleich um 116 Basispunkte auf 13,4 % erhöht, nachdem der Gewinn aus dem Verkauf der Bulgarien-Tochter (+75 Basispunkte), die Gewinne des ersten Halbjahres (+53 Basispunkte, o/w -30 Basispunkte obligatorische Dividendenabgrenzungen) und der Währungseffekt (+19 Basispunkte) berücksichtigt wurden. Die Bank weist darauf hin, dass die CET 1-Quote selbst im Fall einer Dekonsolidierung Russlands(mit -5 Basispunkten) über 13 % bleiben würde.
+ NPE-Quote (non-performing exposure für notleidende Kredite) blieb stabil bei 1,6 % bei einer NPE-Abdeckungsquote von 60,7 %. Das Preis/Buchwertverhältnis (0,3x) liegt deutlich unter dem 10-Jahresdurchschnitt (0,6x)
+ Der Ausblick für 2022 wurde nach oben revidiert: 1) Stabile Kreditvolumina in H2 22 mit selektivem Wachstum in den Kernmärkten CE und SEE. 2) Das Nettozinsergebnis wird bei EUR 4,3 - 4,7 Mrd. und das Provisionsergebnis bei mindestens EUR 2,7 Mrd. erwartet; ohne RU/UA dürften beide um rund 20 % bzw. 10 % ggü. dem Vorjahr wachsen. 3) Die Risikokosten werden "bis zu 100 Basispunkten" betragen. 4) Die operativen Kosten werden in einer Spanne von EUR 3,3 - 3,5 Mrd. inkl. Integrationskosten erwartet, während die Cost/Income-Ratio bei ca. 45 % gesehen wird. 5) Die Eigenkapitalrentabilität (ROE) wird bei 15 % erwartet, gegenüber einer vorherigen Spanne von 8 bis 10 % und 6) die CET1-Quote sollte über dem Zielwert von 13 % liegen.
o Wegen aktueller Unsicherheiten wurden mittelfristige ROE- und Ausschüttungsziele ausgesetzt.
o Die Entscheidung für die Gewinnverteilung aus dem Geschäftsjahr 2022 sollte gegen Ende 2022 fallen.
o Das Engagement in den gasversorgungsgefährdeten Branchen beläuft sich auf EUR 15,1 Mrd. und in einem Gasversorgungsschock-Szenario (Preis bei EUR 250 /MWh) würde der potenzielle RWA-Anstieg, laut Unternehmensangaben, EUR 2,7 Mrd. betragen. Nach den Q2 Zahlen hat das Management darauf hingewiesen, dass zusätzliche Risikokosten aus diesem Szenario durch die aktuelle Risikokostenprognose abgedeckt werden (EUR 234 Mio. sind bereits an Reserven/Overlays für Energie- und Inflationsrisiken vorhanden).
- In Russland wurde ein Nettogewinn von EUR 534 Mio. erzielt, deutlich mehr als in Q1 22 (EUR 96 Mio.), was hauptsächlich auf die starke Aufwertung des RUB zurückzuführen war. In Bezug auf Russland und das Cross-border Geschäft gab die RBI den signifikanten Anstieg der risikogewichteten Aktiva (RWA) von EUR 19,8 Mrd. in Q1 auf EUR 27,1 Mrd. bekannt, wovon der Löwenanteil auf Währungseffekte (EUR 7,3 Mrd.) zurückzuführen ist. Das bereinigte Kreditvolumen ging jedoch um 22 % ggü. dem Vorquartal zurück, was den angedeuteten „De-risking“ Modus wiederspiegelt. Die RBI bestätigte, dass sie alle strategischen Optionen für die Zukunft der Raiffeisenbank in Russland prüft (u.a. Ausstieg, Verkauf, Verzicht auf Kontrolle).
- In der Ukraine verzeichnete die RBI einen niedrigeren Nettoverlust von EUR 28 Mio. gegenüber EUR 41 Mio. in Q1. Steigende Rückstellungen für in Polen begebene CHF Hypothekarkredite (EUR 138 Mio. im H1), die sich mittlerweile auf rund 25 % des aktiven Kreditvolumens belaufen (RBI liegt unter dem Durchschnitt der meistbetroffenen PL Banken die bei >30 % liegen).
- In Tschechien wird zurzeit eine Einführung einer 40-60 %-igen Übergewinnsteuer für die Jahre 2022-24 (zusätzlich erwirtschafteter Gewinn über dem gleitenden 5-Jahresdurchschnitt) diskutiert.
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RUSSLAND
RBI, AO Raiffeisenbank, Russland, Credit: RBI
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