21.02.2024, 3606 Zeichen
Die Volatilität als Absicherung gegen Glaskugeln. Unsere aktuellen Märkte haben es schon in sich. Aus depressiven Wirtschaftsnachrichten werden Kursbewegungen, die sich innerhalb von 48 Stunden komplett widersprechen und im Gegenzug werden aus optimistischen volkswirtschaftlichen Daten Interpretationen gezogen, die in ihren Umsetzungen wiederum tagelange Kehrtwenden provozieren. Und die Sprache der Politik ist gegenüber diesen wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen auch nicht mehr eindeutig zuordenbar. Zwischen „ernst genommen“, „wie befürchtet“ und „lächerlich aber deswegen gefährlich“ liegen die Bandbreiten der Kommentare. Leadership oder Guidance sehen anders aus. Die Märkte flogen aber trotz dieses Durcheinanders auf Rekordstände nach oben und halten sich dabei bereits wieder, wie schon im vergangenen Jahr, an Indizes oder ETFs an, die man, wenn irgendein Risk-Manager wieder nach dem Exit ruft, einen raschen Solchen versprechen. Stolperfalle vorprogrammiert.
Nun, trotz all dieser irritierenden und bisher kurzfristigen Bewegungen und Gegenläufe hat sich die Volatilität, unser Begleiter zur Risikomessung an den Kapitalmärkten, kaum bewegt. Die Volatilität ist noch so tief wie im letzten Jahr und verhält sich auch nicht so bockig wie man in Zeiten obiger Widersprüchlichkeiten vielleicht erwarten könnte. Wenn die Vola nun schon so „cool“ ist und sich nicht verteuert, warum dann diese Situation nicht nutzen, um dem Chaos rundherum die Schärfe zu nehmen?
Optionsstrategien sind so eine Sache. Man muss es sich einmal in der Optionslogik bequem gemacht und bestimmte „Einser-Fragen“ nach Risiko oder Chance von Optionen beantwortet haben, um sich über die Kombination von Optionen, eben Optionsstrategien, weiter Gedanken zu machen. Ein kurzer Ausflug ins vermeintlich Abstrakte ist hier am Beginn solcher Überlegungen hilfreich. Danach kann man vielleicht besser erkennen, wieso gerade jetzt eine tiefe Volatilität helfen könnte.
Also auf den ersten Gedanken fallen einem zwei einfache Strategien ein. Die erste, man kauft einfach Volatilität in Form von Optionen. Interessant zu wissen, dass es eben auch Optionen auf Volatilität gibt. Viel Spaß beim Argumentieren mit seiner Haus- oder Depotbank wie diese Option ins Portfolio passt, aber für Profis ein geübtes Instrument.
Die andere Möglichkeit ist, sich einen so genannten “Straddle“ zu bauen. To straddle bedeutet auf Deutsch „grätschen“, also mit beiden Beinen weit auseinander zu spreizen. In der Options-Welt wird darunter verstanden, sich so viel Möglichkeiten wie geht zu sichern. Also, wenn man nicht weiß, ob ein Plus oder ein Minus kommen wird, man aber annimmt, dass wenn es kommt, es jedenfalls eine stärkere Bewegung sein wird, dann macht ein Straddle Sinn. Und so ein (long) Straddle ist einfach gebaut: man kauft eine Put- UND eine Call-Option mit gleicher Laufzeit und gleichem Ausübungspreis. Sollte nun das auf diese Optionen bezogene Wertpapier irgendwann Kurskapriolen vollziehen, die die Kosten dieser Optionen übersteigen hat man bereits gewonnen. Und das, ohne eine Meinung über die Richtung dieser Bewegung vorab gehabt haben zu müssen.
Eigentlich, gerade in dieser aktuellen Zeit, wo Viele bloß so tun, als ob, aber in Wirklichkeit sogar froh sind, dahinter keine Meinung zu haben, ein Instrument das nicht nur ein Portfolio absichern helfen kann, sondern vor Allem die nachträglich kommunizierten Aussagen und Interpretationen absichern hilft.
Sorry, Zynismus ist eben auch ein Instrument am Markt geworden.
(Der Input von Wolfgang Matejka für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 21.02.)
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mind the #gabb
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