Ich stimme der Verwendung von Cookies zu. Auch wenn ich diese Website weiter nutze, gilt dies als Zustimmung.

Bitte lesen und akzeptieren Sie die Datenschutzinformation und Cookie-Informationen, damit Sie unser Angebot weiter nutzen können. Natürlich können Sie diese Einwilligung jederzeit widerrufen.





Cordoba

Magazine aktuell


#gabb aktuell



20.01.2012, 4276 Zeichen



Edi Finger und Rolf Kramer hatten sich vor Anpfiff im windigen Cordoba nur kurz die Hände geschüttelt. Beide wussten, dass ihnen Seltsames abverlangt würde an diesem 21. Juni 1978. Schliesslich ging es für die Live-Reporter von ORF und ARD darum, einen kurzfristig vereinbarten Sieg der Österreicher gegen Deutschland möglichst überrascht zu kommentieren. Finger hatte den nuancenreicheren Job, denn er musste narrisch werden, was ihm ausserordentlich authentisch gelungen ist. Sogar sein Bub hats geglaubt. Kramer wiederum hatte die Aufgabe, die bevorstehende Heimreise während des Spiels in den Mittelpunkt zu stellen. Die Einnahme von wortschatzerweiternden Drogen war ihm untersagt, die ARD-Übertragung skizzierte das emotionslose Freundschaftsspiel, das es war. Letztendlich waren beide Teil des „Schutzschild Deutsch-Österreichische-Freundschaft“ (vulgo DÖF), der vielleicht frechsten potemkinschen Aktion der Sportgeschichte.

Das „Schutzschild DÖF“ (später von Tauchen/Prokopetz vertont) wurde eigentlich als Abwehrprojekt zum Propagandaprojekt „Sparwasser 78“ der ostdeutschen Antifaschisten installiert. Diese hatten nämlich für den Tag nach Cordoba, also dem 22. Juni 1978, eine Warschauer Pakt-weite Jubelprovokation angekündigt. Vier Jahre zuvor, am 22. Juni 1974, war dem neoliberalen Westbruder die letzte Niederlage bei einer WM zugefügt worden. Noch dazu zu Hause in Hamburg, so etwas gehört vier Jahre später gefeiert. Man hat ja sonst nichts. Die DDR-Enghosenkicker hatten 1974 systemgerecht permanent über die linke Flanke angegriffen, Genosse Sparwasser machte dann in der 78. Minute mit einem Sturmlauf (man dachte kurzfristig, er will gleich überlaufen, rein des Tempos wegen) das 1:0. Zunächst hatten die Wessis geschmunzelt, da es damals eine geplante Niederlage war, um dem drohenden vorzeitigen Duell mit den verhassten Niederlanden zu entgehen. Doch die Ossis freuten sich seitdessen dermassen penetrant und konsequent den Haxen aus, dass es einfach zu viel wurde. Und dann noch dieses Projekt „Sparwasser 78“, man wollte die 78. Minute auch noch im Jahr 78 zelebrieren. Abertausende Transparente mit „Die letzten, die Euch bei einer WM schlugen“ waren in den Parteizentralen bereits fertiggestellt.

Das „Schutzschild DÖF“ hatte dies mit Hilfe der Proponenten Hans Krankl ("De homma den Goleador auf Lebzeitn vasprochn") und Hans Hubert Vogts ("hoffentlich macht nie einer einen Böörti-Song über mich"), der als Kapitän sogar ein Eigentor beisteuern musste, verhindert. Lieber von Ösis verhöhnt werden als von den Ostbrüdern. Später Eingeweihten wie Rainer B., Mittelfeldstar der Deutschen, war es egal: „Ich wollte eh schon heim an den Baggersee“. Denn auch im Siegesfalle gegen Österreich wäre ja nur der Gruppenplatz 2 hinter den verhassten Holländern geblieben. Die Deutschen hatten nicht vergessen, dass im WM-Finale 1974 der Oranje Johan Cruyff vom Ankick weg ein Solo startete, das – bevor noch ein deutscher Spieler den Ball berühren konnte – zu einem Elfer führte. Nie getilgte Schmach. Trotz Weltmeistertitel. Hinter dieser Mannschaft durfte man nicht Gruppenzweiter werden. Verhasst. "Besser die Schluchtenscheisser als die Keeskopp", entschied die Deutsche Führung.

Frank Rijkaard, damals U16-Star der Niederlande mit Wurzeln in Surinam und Algerien, sagte in Reaktion auf das Schutzschild DÖF (das die Österreicher an ihren die Holländer trainiernden Landsmann Happel verraten hatten): "Als me met een Pokalkick een Duitser aanpassing vindt, I het aan gelijkaardig Lama spuug" (übersetzt: "Wenn mir einmal bei einer WM ein völlernder Piefke unterkommt, schlatz ich ihn voll wie ein Lama".

Verärgert über diese freche Aussage des Jungspunds beschlossen Österreicher und Deutsche noch in Cordoba, schon bei der nächsten WM in Spanien die algerische Mannschaft mit DÖF2 auszuschalten. DÖF2 ist als „Nichtangriffspakt von Gijón“ ebenfalls in die Geschichte eingegangen. "Da kennens dann no so vü mit de Geldschein wacheln, de Dünencowboys, mir worns ned".

Frank R. machte Jahre später seine Drohung an Rudi Völler wahr. Hans Krankl ist immer noch der Goleador ("Nachn Linz is nua a Laundeshauptstodt benaunt"). Nur in der DDR ist nach Jahren des Mauerns die Mauer irgendwann gefallen."

(geschrieben 2008 für das Magazin "Rappelkopf")



Was noch interessant sein dürfte:


Happy Tennis, Wildcard für die Wirtschaft



BSN Podcasts
Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

Börsepeople im Podcast S23/19: Daniel Hahn




 

Bildnachweis

1.

Aktien auf dem Radar:FACC, UBM, Strabag, Austriacard Holdings AG, Polytec Group, Palfinger, Amag, Rosgix, Bajaj Mobility AG, AT&S, Wienerberger, Lenzing, Telekom Austria, Addiko Bank, Bawag, Erste Group, Gurktaler AG Stamm, Heid AG, RHI Magnesita, BKS Bank Stamm, SW Umwelttechnik, Oberbank AG Stamm, EuroTeleSites AG, Frequentis, CA Immo, EVN, Flughafen Wien, CPI Europe AG, OMV, Österreichische Post, Verbund.


Random Partner

Matejka & Partner
Die Matejka & Partner Asset Management GmbH ist eine auf Vermögensverwaltung konzentrierte Wertpapierfirma. Im Vordergrund der Dienstleistungen stehen maßgeschneiderte Konzepte und individuelle Lösungen. Für die Gesellschaft ist es geübte Praxis, neue Herausforderungen des Marktes frühzeitig zu erkennen und entsprechende Strategien zu entwickeln.

>> Besuchen Sie 53 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


Useletter

Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

Newsletter abonnieren

Runplugged

Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
(kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

per Newsletter erhalten


Meistgelesen
>> mehr





PIR-Zeichnungsprodukte
Newsflow
>> mehr

Börse Social Club Board
>> mehr
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 15-16: SBO(2), FACC(1), Porr(1), Fabasoft(1)
    Star der Stunde: FACC 1.23%, Rutsch der Stunde: Zumtobel -0.76%
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 14-15: AT&S(4), VIG(2), Wienerberger(1), Strabag(1)
    BSN Vola-Event SBO
    Star der Stunde: Frequentis 0.85%, Rutsch der Stunde: AT&S -0.75%
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 13-14: RBI(2), Frequentis(1), SBO(1)
    Star der Stunde: voestalpine 1.43%, Rutsch der Stunde: Semperit -0.6%
    wikifolio-Trades Austro-Aktien 12-13: Kontron(2), OMV(1)
    Smeilinho zu Flughafen Wien

    Featured Partner Video

    Wiener Börse Party #1087: ATX fünf Wochen nach 13.000 schon kurz über 14.000, auch bei RHI ist heute 14.000, AT&S weiter on top

    Die Wiener Börse Party ist ein Podcastprojekt für Audio-CD.at von Christian Drastil Comm.. Unter dem Motto „Market & Me“ berichtet Christian Drastil über das Tagesgeschehen an der Wiener Börse. Inh...

    Books josefchladek.com

    Raymond Thompson Jr
    It’s hard to stop rebels that time travel
    2025
    Void

    Ray K. Metzker
    City Lux
    2025
    Ludion Publishers

    Jan Tschichold
    Typografische Entwurfstechnik
    1932
    Akadem. Verlag Dr. Fr. Wedekind & Co

    Jerker Andersson
    ABC Diary
    2025
    Self published

    Jacques Fivel
    CHINON DCM-206
    2025
    Le Plac’Art Photo

    Cordoba


    20.01.2012, 4276 Zeichen

    Edi Finger und Rolf Kramer hatten sich vor Anpfiff im windigen Cordoba nur kurz die Hände geschüttelt. Beide wussten, dass ihnen Seltsames abverlangt würde an diesem 21. Juni 1978. Schliesslich ging es für die Live-Reporter von ORF und ARD darum, einen kurzfristig vereinbarten Sieg der Österreicher gegen Deutschland möglichst überrascht zu kommentieren. Finger hatte den nuancenreicheren Job, denn er musste narrisch werden, was ihm ausserordentlich authentisch gelungen ist. Sogar sein Bub hats geglaubt. Kramer wiederum hatte die Aufgabe, die bevorstehende Heimreise während des Spiels in den Mittelpunkt zu stellen. Die Einnahme von wortschatzerweiternden Drogen war ihm untersagt, die ARD-Übertragung skizzierte das emotionslose Freundschaftsspiel, das es war. Letztendlich waren beide Teil des „Schutzschild Deutsch-Österreichische-Freundschaft“ (vulgo DÖF), der vielleicht frechsten potemkinschen Aktion der Sportgeschichte.

    Das „Schutzschild DÖF“ (später von Tauchen/Prokopetz vertont) wurde eigentlich als Abwehrprojekt zum Propagandaprojekt „Sparwasser 78“ der ostdeutschen Antifaschisten installiert. Diese hatten nämlich für den Tag nach Cordoba, also dem 22. Juni 1978, eine Warschauer Pakt-weite Jubelprovokation angekündigt. Vier Jahre zuvor, am 22. Juni 1974, war dem neoliberalen Westbruder die letzte Niederlage bei einer WM zugefügt worden. Noch dazu zu Hause in Hamburg, so etwas gehört vier Jahre später gefeiert. Man hat ja sonst nichts. Die DDR-Enghosenkicker hatten 1974 systemgerecht permanent über die linke Flanke angegriffen, Genosse Sparwasser machte dann in der 78. Minute mit einem Sturmlauf (man dachte kurzfristig, er will gleich überlaufen, rein des Tempos wegen) das 1:0. Zunächst hatten die Wessis geschmunzelt, da es damals eine geplante Niederlage war, um dem drohenden vorzeitigen Duell mit den verhassten Niederlanden zu entgehen. Doch die Ossis freuten sich seitdessen dermassen penetrant und konsequent den Haxen aus, dass es einfach zu viel wurde. Und dann noch dieses Projekt „Sparwasser 78“, man wollte die 78. Minute auch noch im Jahr 78 zelebrieren. Abertausende Transparente mit „Die letzten, die Euch bei einer WM schlugen“ waren in den Parteizentralen bereits fertiggestellt.

    Das „Schutzschild DÖF“ hatte dies mit Hilfe der Proponenten Hans Krankl ("De homma den Goleador auf Lebzeitn vasprochn") und Hans Hubert Vogts ("hoffentlich macht nie einer einen Böörti-Song über mich"), der als Kapitän sogar ein Eigentor beisteuern musste, verhindert. Lieber von Ösis verhöhnt werden als von den Ostbrüdern. Später Eingeweihten wie Rainer B., Mittelfeldstar der Deutschen, war es egal: „Ich wollte eh schon heim an den Baggersee“. Denn auch im Siegesfalle gegen Österreich wäre ja nur der Gruppenplatz 2 hinter den verhassten Holländern geblieben. Die Deutschen hatten nicht vergessen, dass im WM-Finale 1974 der Oranje Johan Cruyff vom Ankick weg ein Solo startete, das – bevor noch ein deutscher Spieler den Ball berühren konnte – zu einem Elfer führte. Nie getilgte Schmach. Trotz Weltmeistertitel. Hinter dieser Mannschaft durfte man nicht Gruppenzweiter werden. Verhasst. "Besser die Schluchtenscheisser als die Keeskopp", entschied die Deutsche Führung.

    Frank Rijkaard, damals U16-Star der Niederlande mit Wurzeln in Surinam und Algerien, sagte in Reaktion auf das Schutzschild DÖF (das die Österreicher an ihren die Holländer trainiernden Landsmann Happel verraten hatten): "Als me met een Pokalkick een Duitser aanpassing vindt, I het aan gelijkaardig Lama spuug" (übersetzt: "Wenn mir einmal bei einer WM ein völlernder Piefke unterkommt, schlatz ich ihn voll wie ein Lama".

    Verärgert über diese freche Aussage des Jungspunds beschlossen Österreicher und Deutsche noch in Cordoba, schon bei der nächsten WM in Spanien die algerische Mannschaft mit DÖF2 auszuschalten. DÖF2 ist als „Nichtangriffspakt von Gijón“ ebenfalls in die Geschichte eingegangen. "Da kennens dann no so vü mit de Geldschein wacheln, de Dünencowboys, mir worns ned".

    Frank R. machte Jahre später seine Drohung an Rudi Völler wahr. Hans Krankl ist immer noch der Goleador ("Nachn Linz is nua a Laundeshauptstodt benaunt"). Nur in der DDR ist nach Jahren des Mauerns die Mauer irgendwann gefallen."

    (geschrieben 2008 für das Magazin "Rappelkopf")



    Was noch interessant sein dürfte:


    Happy Tennis, Wildcard für die Wirtschaft



    BSN Podcasts
    Christian Drastil: Wiener Börse Plausch

    Börsepeople im Podcast S23/19: Daniel Hahn




     

    Bildnachweis

    1.

    Aktien auf dem Radar:FACC, UBM, Strabag, Austriacard Holdings AG, Polytec Group, Palfinger, Amag, Rosgix, Bajaj Mobility AG, AT&S, Wienerberger, Lenzing, Telekom Austria, Addiko Bank, Bawag, Erste Group, Gurktaler AG Stamm, Heid AG, RHI Magnesita, BKS Bank Stamm, SW Umwelttechnik, Oberbank AG Stamm, EuroTeleSites AG, Frequentis, CA Immo, EVN, Flughafen Wien, CPI Europe AG, OMV, Österreichische Post, Verbund.


    Random Partner

    Matejka & Partner
    Die Matejka & Partner Asset Management GmbH ist eine auf Vermögensverwaltung konzentrierte Wertpapierfirma. Im Vordergrund der Dienstleistungen stehen maßgeschneiderte Konzepte und individuelle Lösungen. Für die Gesellschaft ist es geübte Praxis, neue Herausforderungen des Marktes frühzeitig zu erkennen und entsprechende Strategien zu entwickeln.

    >> Besuchen Sie 53 weitere Partner auf boerse-social.com/partner


    Useletter

    Die Useletter "Morning Xpresso" und "Evening Xtrakt" heben sich deutlich von den gängigen Newslettern ab. Beispiele ansehen bzw. kostenfrei anmelden. Wichtige Börse-Infos garantiert.

    Newsletter abonnieren

    Runplugged

    Infos über neue Financial Literacy Audio Files für die Runplugged App
    (kostenfrei downloaden über http://runplugged.com/spreadit)

    per Newsletter erhalten


    Meistgelesen
    >> mehr





    PIR-Zeichnungsprodukte
    Newsflow
    >> mehr

    Börse Social Club Board
    >> mehr
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 15-16: SBO(2), FACC(1), Porr(1), Fabasoft(1)
      Star der Stunde: FACC 1.23%, Rutsch der Stunde: Zumtobel -0.76%
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 14-15: AT&S(4), VIG(2), Wienerberger(1), Strabag(1)
      BSN Vola-Event SBO
      Star der Stunde: Frequentis 0.85%, Rutsch der Stunde: AT&S -0.75%
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 13-14: RBI(2), Frequentis(1), SBO(1)
      Star der Stunde: voestalpine 1.43%, Rutsch der Stunde: Semperit -0.6%
      wikifolio-Trades Austro-Aktien 12-13: Kontron(2), OMV(1)
      Smeilinho zu Flughafen Wien

      Featured Partner Video

      Wiener Börse Party #1087: ATX fünf Wochen nach 13.000 schon kurz über 14.000, auch bei RHI ist heute 14.000, AT&S weiter on top

      Die Wiener Börse Party ist ein Podcastprojekt für Audio-CD.at von Christian Drastil Comm.. Unter dem Motto „Market & Me“ berichtet Christian Drastil über das Tagesgeschehen an der Wiener Börse. Inh...

      Books josefchladek.com

      Alessandra Calò
      Ctonio
      2024
      Studiofaganel

      Anna Fabricius
      Home is where work is
      2024
      Self published

      Otto Neurath & Gerd Arntz
      Gesellschaft und Wirtschaft : bildstatistisches Elementarwerk
      1930
      Bibliographisches Institut AG

      Pedro J. Saavedra
      Donde el viento da la vuelta
      2023
      Self published

      Raymond Thompson Jr
      It’s hard to stop rebels that time travel
      2025
      Void