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Buddy-Blog: "Die Südeuropäer sind uns näher als die Chinesen" (Max Otte)

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29.05.2012, 3870 Zeichen

(Autor: Max Otte) Warum sind Südaktien so billig?

Sehr geehrte Privatanleger,

ich bin seit ca. 2 Jahren in Aktien der Südländer engagiert. Zunächst nur extrem vorsichtig, mittlerweile mit ca. 12 bis 13 Prozent des Fondsvermögens der PI Global Value Fonds (WKN: A0NE9G).

Der Fonds hat sich wacker geschlagen, aber bislang hat der Anteil Aktien der Südländer (und anderer Zykliker, z.B. aus Frankreich), die Performance deutlich eingebremst. Ohne diese Titel wäre ich sicher besser gefahren.

Viele waren beim Einkauf schon sehr billig, und sie fallen fleißig weiter, z.B. Telefonica (WKN: 850775), CIR (WKN: 864687), Italmobiliare (WKN: 864875), Mediaset (WKN: 901402). Nach meinen Rechnungen haben sie ein Wertsteigerungspotential von 100, 200 und mehr Prozent. Der ganze italienische Aktienmarkt ist zum Beispiel mit weniger als 30 Prozent seines bilanziellen Eigenkapitals (Buchwerts) bewertet.

Natürlich sind die Gefahren der sogenannten „Eurokrise“ real. Da hilft es wenig, dass die USA zum Beispiel wesentlich schlechter dastehen als Europa im Durchschnitt. Ihre Wirtschaft kann man meines Erachtens ungefähr mit der spanischen vergleichen: hohe Arbeitslosigkeit und einen Immobiliensektor im Koma.

Dennoch sprechen wir nur über Europas Probleme, und die Dummheit der europäischen Politik trägt einiges dazu bei, diese zu verstärken. Wir fahren in der Geldpolitik Vollgas und ziehen in der Fiskalpolitik die Handbremse wieder an. Die Südländer haben ein Problem der Wettbewerbsfähigkeit. Sämtliches Kapital, das derzeit noch hinfließt, kommt via Europäische Union und Europäischer Zentralbank aus dem Norden. Das hilft aber nicht, die Südländer wettbewerbsfähiger zu machen.

Wenn wir also die gegenwärtige stupide Politik noch eine Weile betreiben, kann es sein, dass sich die Rezession im Süden noch einmal verschärft. Aber soviel Vertrauen habe ich in die Demokratie, dass sie im schlimmsten Fall neue Lösungen erzwingt, wie zum Beispiel in Griechenland. Die Leute merken, dass die Politik gegen sie gerichtet ist und reagieren. Sollte nur Griechenland nicht mehr zahlen, wird es irgendwann aus der Eurozone aussteigen müssen. Die EU wird zwar alles versuchen, Griechenland zu halten, aber irgendwann wir es nicht mehr gehen.

In einem solchen Fall werden dann der Wettbewerb und der Markt in Form der Drachme viele Probleme regeln, die derzeit vor sich hin köcheln.

Natürlich gibt es in der jetzigen politischen Lage auch Risiken: die Unternehmensgewinne könnten aufgrund der Misere in den Südländern noch deutlicher besteuert werden. Sogar Verstaatlichungen sind zumindest in Griechenland nicht komplett ausgeschlossen. Das Risiko ist sehr gering, aber es ist vorhanden. Mein Griechenlandanteil macht daher im Fonds unter 1,5 Prozent aus. Aber bei den Preisen, die Mr. Market derzeit ausruft, will ich dabei sein. Wenn ich jetzt nicht drin bin, schaffe ich den Einstieg wahrscheinlich nicht, wenn es dreht.

Viele der Südaktien schieben auch eine signifikante Schuldenlast vor sich her, z.B. die Telecoms und die Versorger. Sollte eines dieser Länder aus der Eurozone ausscheiden, müsste das Unternehmen seine Anleihen teilweise in Euro und Dollar bedienen. Außer im Falle Griechenlands sind wir davon zwar weit entfernt, aber auch diese Risiken bestehen.

Südeuropa ist nichts für weiche Nerven. Aber die Chancen sind – bei bekannten Risiko – oftmals sehr hoch.

Italien ist nicht Spanien ist nicht Griechenland. Und – zum Donnerwetter – Südeuropa ist immerhin Europa. Diese Länder liegen vor unserer Haustür. Trotz der Eurokrise halte ich die langfristigen – auch politischen – Risiken für beherrschbarer als die zum Beispiel die Risiken von Investments in Brasilien und China.

Und mögen wir auch einiges anderes sehen als die Spanier, Franzosen oder Italiener – näher als die Chinesen sind sie uns allemal.

Auf gute Investments,

Ihr
Prof. Dr. Max Otte
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