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Buddy-Blog: Fouls mit der Wertpapierleihe (Wolfgang Matejka)

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27.06.2012, 3528 Zeichen

(Von: Wolfgang Matejka) Unser breiter Buckel

Was haben wir doch für ein Glück, dass wir in ach so effizienten Märkten leben. Jeder Preis hat seinen Wert, jeder Kurs entspricht exakt der Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Und zwar permanent und transparent. Wer’s glaubt. Die Rosstäuschung der täglichen Art.

Eigentlich schon interessant, dass wir in unserem normalen Alltag den Glauben an den effizienten Preis völlig in Frage stellen, aber an der Börse hat er zu gelten. Jeder, der auf Schnäppchensuche geht, der Preise im täglichen Leben vergleicht, der aus Kostengründen Vergleiche zieht, muss sich über die Interpretationen an der Börse ja eigentlich nur so wundern. Die Firma, die es gestern noch zum Kurs von 100 gab, ist nämlich heute nur mehr 95 wert. Super! Vielleicht kann man sie morgen schon um 90 haben? Warum dann überhaupt jetzt kaufen, wenn doch der Ausverkauf erst beginnt? Und im Wissen dessen, warum denn nicht gleich verkaufen? Genial!

Und plötzlich öffnet sich der ganze effiziente Markt für seine Investoren. Es ist nämlich so, dass man sehr wohl in diesen Märkten besser fährt, wenn man verkauft. Und man wird auch allerorten geholfen. Zauberwort: Wertpapierleihe!

Wer Aktien verkaufen will, die er nicht hat borgt sie sich aus. So lange es Investoren gibt, die ihre Aktien verleihen warum nicht. Falsch! Es ist für Viele ein widerlicher und unsittlicher Brauch geworden, die Bestände von Investoren zu verleihen, ohne dass diese überhaupt darüber informiert werden. Gefragt werden sie ohnehin nicht mehr. Weder im Voraus noch im Nachhinein. Und bekommen dafür natürlich daher auch nichts. Die Leihgebühr erhält jemand anderer. Die Depotbank, oder die Kapitalanlagegesellschaft. Dieses perfide Spiel wird unter dem Deckmantel des „Settlements“ getrieben. Man argumentiert, dass ohne sich kurzfristig Aktien etc. auszuborgen keine rechtzeitige Lieferung und Zahlung gehandelter Werte möglich sei. Was für ein Schwachsinn! Im 21. Jahrhundert ist akkurates Abwickeln nicht möglich? In Zeiten von Highspeedhandel im Kampf um die letzte Millisekunde braucht man geborgte Stücke um sonst nicht abrechnen zu können?

Während sich Fondsmanager und Private wundern, warum scheinbar aus dem Nichts Verkaufsprogramme die Märkte drücken und woher diese Aktien denn kommen, werden sie mit Verve in ihren tiefsten Bemühungen und Zielen untergraben und hintergangen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, dass man wenn man glaubt verkaufen zu müssen, es nicht tun darf. Weit gefehlt. Man soll es nur mit seinen eigenen Stücken tun, oder, wenn man sie sich schon ausborgt, mit Wissen und Billigung des Eigentümers. Wie würde man denn beispielsweise reagieren, wenn der Hausbesorger, während man seiner Arbeit nachgeht, Wildfremde gegen Gebühr in Haus und Wohnung lädt, sie dort wohnen lässt, und am Abend den Saustall und die Unordnung wieder einem selbst übergibt. Wer täte sich das gefallen lassen? Aber an den Märkten ist dies gang und gäbe. Völlig normal. Ja sogar notwendig? Das ich nicht lache!

Ich bin mir schon im Klaren, dass wir uns in einem Sonder-Umfeld an den Kapitalmärkten bewegen. Doch das darf nicht bedeuten, dass wir die Transparenz und Fairness völlig über den Haufen werfen. Wenn wir schon von positiven Effekten aus einer Finanzmarktkrise wie dieser sprechen, dann sollten es vor Allem Verbesserungen bei der Transparenz sein. Wenn schon jemand auf meiner Couch vor meinem Fernseher sitzt und meine Chips frisst, dann will ich es wenigstens vorher wissen um es ihm möglicherweise gar nicht zu erlauben.



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    (Von: Wolfgang Matejka) Unser breiter Buckel

    Was haben wir doch für ein Glück, dass wir in ach so effizienten Märkten leben. Jeder Preis hat seinen Wert, jeder Kurs entspricht exakt der Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Und zwar permanent und transparent. Wer’s glaubt. Die Rosstäuschung der täglichen Art.

    Eigentlich schon interessant, dass wir in unserem normalen Alltag den Glauben an den effizienten Preis völlig in Frage stellen, aber an der Börse hat er zu gelten. Jeder, der auf Schnäppchensuche geht, der Preise im täglichen Leben vergleicht, der aus Kostengründen Vergleiche zieht, muss sich über die Interpretationen an der Börse ja eigentlich nur so wundern. Die Firma, die es gestern noch zum Kurs von 100 gab, ist nämlich heute nur mehr 95 wert. Super! Vielleicht kann man sie morgen schon um 90 haben? Warum dann überhaupt jetzt kaufen, wenn doch der Ausverkauf erst beginnt? Und im Wissen dessen, warum denn nicht gleich verkaufen? Genial!

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