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Porr und das Bewertungsrätsel (Bettina Schragl)

Magazine aktuell


#gabb aktuell



22.11.2012, 2616 Zeichen



(Autorin: Bettina Schragl)
Ein Aktionär, der sich darüber beklagt, für seine Aktien am Markt nicht den angemessenen, den „wahren“ Gegenwert zu erhalten, ist dieser Tage kein Einzelfall. Die Liste jener Aktien, die unter Buchwert handeln, ist lang, mögliche Gründe – egal ob subjektiv nachvollziehbar oder nicht – bekannt.
Es geht aber auch andersrum, etwa bei Porr. Der Kurs für die Stammaktien des Unternehmens liegt deutlich über einem Preis, der als angemessen betrachtet werden kann. Das ist zwar für die Aktionäre sicher nichts Neues, jetzt ist es aber auch schriftlich. Denn die Übernahmekommission hat grünes Licht gegeben, dass die Strauss-Gruppe rund um Porr-Chef Karl-Heinz Strauss ein Übernahmeangebot legt, das deutlich (nämlich mehr als 40%) unter dem sonst als Messlatte dienenden Sechs-Monats-Durchschnittskurs liegt. Konkret werden 52 Euro je Stammaktie geboten, was einem Unternehmenswert von knapp 130 Mio. Euro entspricht. An der Börse ist Porr aktuell mit 170 Mio. Euro bewertet, zu Jahresbeginn waren es noch 50% mehr.

KPMG hat im Auftrag des Bieters errechnet, dass der Unternehmenswert zwischen 102 Mio. und 145 Mio. Euro liegt. Würde man lediglich historische Daten heranziehen, käme man gar auf 80 Mio. bis 90 Mio. Euro, was einem Kurs 29,76 bis 33,48 Euro entspräche.
Warum der Börsekurs für die Porr-Stammaktien nicht aussagekräftig ist, wird mit der Illiquidität begründet. Mögliche Stützungskäufe, kein Market Maker, keine Coverage, kursrelevante Meldungen ohne Einfluss auf den Aktienkurs. Ein Mitteleinsatz von 141.634 Euro hätte demnach genügt, um im Zeitraum Dezember 2011 bis September 2012 die Kursentwicklung der Porr-Stämme bestimmen zu können.
Eine Börse-Leiche also, was primär der früheren Patt-Stellung unter den Großaktionären und dem quasi nicht vorhandenen Streubesitz (offiziell um die 8%) geschuldet ist.

Die Zukunft soll rosiger aussehen, verspricht der neue bestimmende Aktionär. Vereinfachung der Börsenstruktur durch Zusammenlegung von Stämmen und Vorzügen, kein Delisting, Erhöhung des Streubesitzes, wobei kurz- und mittelfristig Kapitalerhöhungen ein Thema sind.

Voraussetzung dafür wäre freilich, dass sich der Aktienkurs irgendwann auch mal tatsächlich einem realistischeren Niveau annähert. Ob das allerdings im Interesse der übrigen Paketaktionäre ist, bleibt abzuwarten.

Die Preisbildung für Porr findet erst gegen 13.30 Uhr - und damit nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe - statt. Wir wagen allerdings die Voraussage, dass auch der jüngste Newsflow kaum für grössere Bewegung sorgen wird.
 (aus dem Börse Express vom 21.11., mehr Kommentare von Bettina HIER)



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    22.11.2012, 2616 Zeichen

    (Autorin: Bettina Schragl)
    Ein Aktionär, der sich darüber beklagt, für seine Aktien am Markt nicht den angemessenen, den „wahren“ Gegenwert zu erhalten, ist dieser Tage kein Einzelfall. Die Liste jener Aktien, die unter Buchwert handeln, ist lang, mögliche Gründe – egal ob subjektiv nachvollziehbar oder nicht – bekannt.
    Es geht aber auch andersrum, etwa bei Porr. Der Kurs für die Stammaktien des Unternehmens liegt deutlich über einem Preis, der als angemessen betrachtet werden kann. Das ist zwar für die Aktionäre sicher nichts Neues, jetzt ist es aber auch schriftlich. Denn die Übernahmekommission hat grünes Licht gegeben, dass die Strauss-Gruppe rund um Porr-Chef Karl-Heinz Strauss ein Übernahmeangebot legt, das deutlich (nämlich mehr als 40%) unter dem sonst als Messlatte dienenden Sechs-Monats-Durchschnittskurs liegt. Konkret werden 52 Euro je Stammaktie geboten, was einem Unternehmenswert von knapp 130 Mio. Euro entspricht. An der Börse ist Porr aktuell mit 170 Mio. Euro bewertet, zu Jahresbeginn waren es noch 50% mehr.

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