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16.07.2013, 3393 Zeichen

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Sie haben allesamt ein Kursgemetzel hinter sich, die Stahlaktien weltweit. Denn die Stahlpreise sind in den letzten Jahren stark gefallen. Nun aber mehren sich die Anzeichen, dass die Leidenszeit zu Ende gehen könnte und die Aktien der Branche ihren Boden erreicht haben.

Von ihren Kursen aus der Zeit  vor dem Ausbruch der Finanzkrise sind die Stahlaktien inzwischen Lichtjahre entfernt: Europas Branchenprimus Arcelor ist ebenso wie die deutsche Salzgitter gerade noch ein Sechstel so viel wert wie 2008, bei Klöckner&Co, ist es ein Fünftel, bei Thyssen - trotz aller Probleme in Amerika, dank eines starken Beins im Maschinenbau -  ein Drittel und bei Österreichs voestalpine die Hälfte. Seit Beginn dieses Jahres hat sich die Talfahrt sogar beschleunigt, weil die Stahlpreise nochmals abgetaucht sind.

Nun aber keimt leise Hoffnung auf. Die Aktien haben sich zuletzt leicht erholt, weil sich am Stahlmarkt eine Wende abzeichnet, ausgehend von den USA. Dort haben die Hersteller binnen kurzer Zeit zwei Preiserhöhungen durchgesetzt. Auch die Eisenerzpreise fangen an zu klettern, was auf steigende Nachfrage der Stahlhersteller hindeutet. Und vor allem: die Stimmungsindikatoren der Branche schießen steil nach oben. Der viel beachtete SMU Steel Buyers Sentiment Index erreichte den höchsten Stand seit März 2012, wobei die Erwartungen für die Zukunft deutlich stärker zugelegt haben als die Einschätzung der aktuellen Lage. Ein gutes Zeichen.

Die Gründe für den wachsenden Optimismus liegen auf der Hand: Die US-Konjunktur erholt sich, und hier sind vor allem die besonders stahlabhängigen Bereiche Auto- und Bauindustrie die Treiber. Sogar für Europa wird zum Jahresende hin eine leichte Konjunkturaufhellung erhofft - die Frühindikatoren signalisieren, dass die Hoffnungen nicht unberechtigt sind. Der Finanzchef des Stahlhändlers Klöckner, Marcus Ketterer, sagte denn auch Ende voriger Woche in einem Interview, dass nun sogar in Europa die Stahlpreise ihren Tiefpunkt erreicht hätten. Nicht zuletzt sind die Lagerbestände an Stahl und Erz weltweit deutlich gefallen, so dass Händler und Hersteller schon bei einer geringen Erholung der Nachfrage ihre Lagerbestände auffüllen müssen.

Das alles wirkt auf dem zyklischen Stahlmarkt tendenziell preistreibend. Allerdings gibt es noch einige Fragezeichen über die Nachhaltigkeit. Das wichtigste betrifft China. Der weltgrößte Stahlverbraucher hat zwar im Rahmen seiner neuen Wirtschaftspolitik die Ausweitung der Kapazitäten seiner Stahlhersteller eingedämmt - aber die müde Konjunktur lässt die Nachfrage nicht deutlich steigen. Beobachter erwarten jedoch spätestens zum Jahresende eine Wende in der zurzeit bewusst gebremsten Wirtschafts- und Geldpolitik Pekings - und damit wieder eine schnellere Konjunkturfahrt.

Da die Börsen in der Regel sechs bis neun Monate voraus blicken, dürften sie bald beginnen diese Erwartungen in die Aktienkurse einzupreisen. Erste vorsichtige spekulative Käufe könnten sich deshalb lohnen. Allerdings sollte sich jeder Anleger darüber im Klaren sein, dass der Trend nach oben noch keineswegs gesichert ist - und dass es noch längere Zeit zu heftigen Schwankungen kommen kann. Denn nach einem mehr als fünf Jahre dauernden Abwärtstrend der Stahlpreise und der Stahlaktien dauert es seine Zeit, bis sich die Gegenreaktion durchsetzen kann.
  
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