03.07.2018, 4593 Zeichen
Swisscanto hat den Kurzbericht zu den Einschätzungen für Juli veröffentlicht:
Trotz der politischen Risiken, die derzeit von einer drohenden Eskalation der Handelskonflikte zwischen den USA und ihren Handelspartnern ausgehen, sprechen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin für ein ansehnliches globales Wirtschaftswachstum. Insbesondere die US-amerikanische Konjunktur vermag immer wieder aufs Neue positiv zu überraschen. Die US-Wirtschaft wird im 2. Quartal an Tempo zulegen und über das gesamte Jahr so kräftig wachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Anders präsentiert sich die Lage in der Eurozone. Dort haben sich die Konjunkturindikatoren zuletzt eingetrübt. Trotzdem dürfte das Wachstum für das Gesamtjahr noch zwei Prozent betragen und stellt für die Eurozone nach wie vor einen respektablen Wert dar. Der Ausblick für die Schwellenländer ist durchwachsen. Die wirtschaftlichen Daten fallen immer häufiger unter den Erwartungen aus. In China haben die jüngsten Angaben zur Industrieproduktion, zum Einzelhandel und zu den Anlageinvestitionen enttäuscht.
Finanzmärkte
Die drohende Eskalation der Handelskonflikte, die konjunkturelle Verlangsamung außerhalb der USA und die politischen Spannungen in der Eurozone sind an den Finanzmärkten nicht spurlos vorbeigegangen. So ist die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten ins Stocken geraten und die Renditen von sicheren Staatsanleihen sind gesunken. Die anhaltende Unsicherheit dürfte an den Aktienmärkten für eine schwierige Phase sorgen und die zuletzt wieder tiefe Volatilität steigen lassen. Das Ende der langjährigen Hausse ist indes erst in Sicht, wenn sich eine weltwirtschaftliche Rezession abzeichnet - und davon sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt.
Nordamerikanische Aktien attraktiv
Unsere Markteinschätzung hat sich gegenüber dem letzten Monat hauptsächlich in zwei Punkten geändert. Erstens zeichnet sich immer deutlicher ab, dass sich die Konjunktur in den einzelnen Regionen nicht mehr so synchron entwickelt wie noch zu Beginn des Jahres. Zwar ist nirgends eine Rezession in Sicht, aber während sich das Wachstum in den USA beschleunigt, verlangsamt es sich in den übrigen Regionen. Zweitens sieht es derzeit nicht nach einer schnellen Lösung der globalen Handelsstreitigkeiten aus. Während wir zunächst angenommen haben, dass sich ökonomischer Sachverstand durchsetzt und es überwiegend bei Androhungen von Zöllen bleibt, zeigen die betroffenen Staaten Härte und beantworten restriktive Maßnahmen mit entsprechenden Gegenaktionen. Vor diesem Hintergrund hat sich die Attraktivität der einzelnen Aktienregionen etwas verschoben. Wegen der konjunkturellen Divergenz und der Tatsache, dass die USA eine Volkswirtschaft mit großem Binnenmarkt sind, sehen wir mehr Potenzial in Nordamerika für eine überdurchschnittliche Aktienkursentwicklung. Das heißt, auch Kanada, das zwar durch den Handelskonflikt und den vorerst offenen Ausgang der NAFTA-Verhandlungen belastet wird, dürfte insgesamt von der konjunkturellen Beschleunigung in den USA profitieren.
Renditeanstieg legt Pause ein
In den vergangenen Monaten wurde die Zinswende oft herbeigeredet. Die höheren Inflationserwartungen und das weiterhin robuste globale Wachstum führe zu steigenden Renditen. Im Juni war davon wenig zu sehen. In den wichtigsten Volkswirtschaften stagnierten die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen oder waren gar rückläufig. Gerade für die USA erachten wir dies als Pause in der Zinswende und nicht als neuen Trend. Die weiterhin robuste Konjunktur, die tendenziell steigenden Inflationserwartungen und die auch im zweiten Halbjahr anstehenden Zinserhöhungen der US-Notenbank werden den Renditen den nötigen Rückenwind bescheren. Die europäischen Kapitalmärkte können sich dieser Entwicklung nicht gänzlich entziehen. So rechnen wir auch bei den Anleihen der Schweizer Eidgenossenschaft mit leicht steigenden Renditen.
Vieles spricht für den US-Dollar
Der US-Dollar hat weiter an Stärke gewonnen. Dieser Trend dürfte vorerst auch nicht abreißen. Erstens befindet sich die US-Konjunktur in bestechender Form. Zweitens dürfte sich die Leitzinsschere zwischen den USA und den übrigen Währungsräumen nach den jüngsten geldpolitischen Entscheiden noch schneller öffnen. Der Effekt des sich zuspitzenden Handelskonflikts ist hingegen komplexer zu beurteilen. Zwar ist die USA an allen Fronten direkt beteiligt. Unter den zunehmenden Handelshemmnissen leiden aber vor allem stark vom Exportsektor abhängige Volkswirtschaften und deren Währungen. Dazu gehört auch der Euro. Der Yen profitiert hingegen von einer steigenden Unsicherheit.
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