16.12.2018, 2998 Zeichen
Aus dem wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: Die globalen Aktienmärkte erwiesen sich zuletzt weiter als Spielball der unterschiedlichen politischen Risiken. Im Hauptfokus steht dabei der sich ständig verändernde Nachrichtenfluss rund um mögliche Fortschritte im US-chinesischen Handelsstreit bzw. der Ausgestaltung des Brexits. Bei ersterer Thematik schürten der G20-Gipfel und die dort erfolgten zarten Annäherungen Hoffnungen, ehe die Verhaftung der CFO von Huawei Meng Wanzhou die Stimmung wieder kippen ließ. Jüngst war es dann wieder einmal US-Präsident Trump, der für Schlagzeilen sorgte, indem er eine Intervention zu Gunsten von Meng Wanzhou als Teil einer möglichen Verhandlungslösung in Aussicht stellte. Aus unserer Sicht könnte zwar in den kommenden Monaten eine gewisse Hoffnung auf Fortschritte im Handelsstreit mit China dem Markt zwischenzeitlich Halt geben (das aktuellste Beispiel stellen die chinesischen Käufe von US-Sojabohnen dar), große Lösungsansätze halten wir aber für unrealistisch. Für diese Interpretation spricht, dass der Konflikt Teil größerer geopolitischer Überlegungen seitens der Streitparteien ist.
In Punkto Vorgehensweise der Briten beim Brexit ist ebenfalls vieles im Fluss. Hier werden nach dem erfolgreich überstandenen Misstrauensantrag die nächsten Schritte von Premierministerin May mit Argusaugen beobachtet werden. Kurzfristig sind hier noch zahlreiche Wendungen möglich. Wir erachten einen „Hard“-Brexit letztendlich aber als unwahrscheinlich. Sobald sich hier die eine oder andere „sanfte“ Lösungsvariante abzeichnet, sollte dies auch an den Aktienmärkten für ein Aufatmen sorgen.
Eine Stimmungsaufhellung war zuletzt auch rund um den italienischen Budgetstreit mit der EU-Kommission festzustellen, da sich die dortige Regierung kompromissbereiter zeigte als zuvor befürchtet. Dies sollte Rückenwind beim Eurozone-Bankenindex verbreiten, welcher ob der Italien- Thematik, der flachen Zinskurve und der folglich niedrigen Nettozinsmargen heuer mit einem Minus von rund 26 % das Tabellenschlusslicht unter den Branchen darstellt. Generell erwarten wir die internationalen Aktienmärkte in Blickrichtung erstes Halbjahr 2019 auf Erholungspfad, da viele Indizes mittlerweile deutlich „überverkauft“ erscheinen und sich gleichzeitig die Bewertungen merklich reduziert haben. Des Weiteren dürfte die Korrektur beim Ölpreis der wirtschaftlichen Entwicklung ins Frühjahr hinein unter die Arme greifen und solcherart noch einmal Konjunkturoptimismus verbreiten.
Zu guter Letzt dürfte auch eine „taubenhafte“ Interpretation der Worte auf der nächstwöchigen Fed-Sitzung einer Aktienmarkterholung bei den etablierten Indizes zuträglich sein und solcherart bestätigen wir unsere „Kauf“-Empfehlung für diese. Einzig den Hang Seng CE stufen wir aufgrund der anhaltenden Abschwächungstendenzen der chinesischen Wirtschaft wieder auf „Halten“ zurück.
Den ATX sehen die Raiffeisen-Experten im März 2019 bei 3.050 Punkten und im Juni 2019 bei 3.150 Zählern.
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