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Erste Group-CEO Treichl sagt das, was er für wirklich wichtig hält

Magazine aktuell


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29.03.2019, 7403 Zeichen

Die Erste Group hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2018 veröffentlicht. Der scheidende CEO Andreas Treichl zieht in seinem Vorwort Resümé und schreibt das, was für ihn zählt. Seine Worte: "Mit großer Freude präsentiere ich Ihnen unseren Bericht über das Jahr 2018. Es war ein sehr gutes Jahr mit dem besten Vor- und Nachsteuerergebnis unserer Geschichte. Wie detailliert Sie sich in die Zahlen vertiefen wollen, sei Ihnen überlassen. Ich würde Ihnen hier gerne ein paar Zeilen über das schreiben, was ich für wirklich wichtig halte und Ihnen als Eigentümern unserer Gruppe, für die Zukunft mitgeben möchte. Ich nehme mir die Freiheit, das zu tun, da die Erste Group in diesem Jahr nicht nur ihr 200. Jubiläum feiert, sondern auch weil ich Ende 2019 meine Funktion als CEO unserer Gruppe nach mehr als 22 Jahren zurücklegen werde.

Ich hatte das Privileg, dieser Gruppe 25 aufregende und abwechslungsreiche Jahre als Vorstand dienen zu dürfen, anfangs mit rund 3.000 in Österreich und jetzt mit über 47.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Zentral- und Osteuropa. Wir haben gemeinsam alle Höhen und Tiefen unserer Branche miterlebt. Wir haben große Erfolge gefeiert und schmerzhafte Niederlagen erlitten, wir haben gejubelt und waren verzweifelt, wir haben falsche Entscheidungen getroffen, aber Gott sei Dank sehr viel mehr richtige.

Heuer in unserem Jubiläumsjahr sind wir in jeder Hinsicht stärker als je zuvor. Nicht nur, weil wir in Tschechien, der Slowakei, Österreich, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Serbien und Montenegro zu den stärksten Finanzdienstleistern gehören und diese Region zu der am stärksten wachsenden Region in Europa zählt. Nicht nur weil wir die besten Mitarbeiter der Welt und mit George die beste digitale Plattform unserer Region haben, sondern vor allem, weil wir alle, die Erste Gruppe und Sparkassenfamilie, uns in einer Überzeugung vereint haben, mit der wir auch die nächsten 200 Jahre unserer Region und ihren Menschen, Firmen und Kommunen dienen wollen – unserem Zweck, Wohlstand für unsere Kunden zu schaffen und zu erhalten.

Viele denken jetzt noch mit Schrecken an die Finanzkrise, aber wenn wir unsere 200-jährige Geschichte Revue passieren lassen, dann klingt das recht wehleidig im Vergleich zu den fürchterlichen Ereignissen und Katastrophen, mit denen unsere Vorgänger im 19. und 20. Jahrhundert konfrontiert waren. Wir haben sie überstanden und unsere Türen für unsere Kundinnen und Kunden immer offen gehalten.

Das sollte uns Hoffnung und Zuversicht geben für eine Zukunft, die kommende Generationen von Erste- und Sparkassenmitarbeitern vor große Herausforderungen stellen wird. Wird es Banken in dieser Form noch geben, was müssen wir tun, damit zukünftige Generationen sich in ihrem Finanzleben bei uns wohlfühlen, wohin führen uns die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Digitalisierung? Wird sich die Blockchain-Technologie durchsetzen, und wenn ja, in welchen Bereichen? Was wird aus Europa, wohin entwickelt sich die Politik? Wie können wir ohne entwickelte Kapitalmärkte unseren Kunden zu Wohlstand verhelfen, wenn die Zinsen nicht und nicht steigen wollen?

Wir müssen auf alles vorbereitet sein und mit allen Situationen umgehen können. Das wird uns nur dann gelingen, wenn wir es schaffen, in all unseren Ländern ein wirklich attraktiver Arbeitgeber zu sein. Das wird uns nur gelingen, wenn wir aus voller Überzeugung unseren Mitarbeitern sagen können: Man nennt Euch Banker oder Sparkassenmitarbeiter, aber in Wirklichkeit seid ihr die Männer und Frauen, die sich um das Zweitwichtigste im Leben der Menschen kümmern: um ihre finanzielle Gesundheit.

Wenn wir eines aus der Finanzkrise gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dass wir nie wieder einem Kunden oder einer Kundin etwas verkaufen dürfen, das er oder sie nicht braucht. Verkaufsziele sind daher in unserer Gruppe ein Ding der Vergangenheit. Wir müssen Geld verdienen, um Sie, unsere Aktionäre, zufriedenzustellen, wir müssen Geld verdienen, damit wir Kapital aufbauen und unserer Region zu Wachstum verhelfen können, wir müssen Geld verdienen, um uns die besten Mitarbeiter und die besten Technologien leisten zu können. Wir dürfen aber nie Geld zulasten unserer Kunden verdienen.

Wir brauchen keine Mission Statements, wir brauchen keine Vision Statements, wir brauchen kein Bekenntnis zu Customer Centricity und Corporate Social Responsibility. Wir haben eine ganz klare Bestimmung, einen Grund, wofür es uns gibt, einen Zweck, zu dem wir gegründet wurden, eine Aufgabe, der wir verpflichtet sind: den Menschen und der Region, in der wir arbeiten, zu Wohlstand zu verhelfen. Und wir müssen und wollen unsere Türen für alle offen halten, egal in welchem politischen System wir gerade arbeiten. Wir werden nicht alles richtig machen, aber wir müssen alles richtig machen wollen, und auch wenn wir dabei hoffentlich sehr, sehr selten Fehler machen, werden unsere Kunden diese hoffentlich verzeihen.

„Unsere Region braucht Menschen, die an sich glauben, und eine Bank die an sie glaubt“, das ist unser Leitmotiv und wird es hoffentlich für immer bleiben, auch wenn wir damit einen hohen Anspruch an unsere Mitarbeiter stellen. Finanzdienstleister gehören zu einer kleinen Gruppe von Unternehmen, deren Verpflichtung es ist, „Nein“ zu sagen, wenn wir überzeugt sind, damit für unsere Kunden das Richtige zu tun: „Bitte kaufen Sie das nicht, darf ich Ihnen erklären, warum Sie meiner Meinung nach diesen Kredit nicht aufnehmen sollten, aber ich glaube an Sie“. Mit „keinen Kredit vergeben“ vermeiden wir vielleicht zukünftige Risikokosten, verdienen werden wir damit sicher nichts. Egal, ob Ja oder Nein zum Kredit, was hilft es unseren Kunden, wenn wir an sie glauben, aber diese Entscheidungen in Zukunft nur mehr auf Basis irgendwelcher Algorithmen ohne Berücksichtigung des Individuums getroffen werden? Und für die Kredite, die auch in Zukunft nicht von künstlicher Intelligenz vergeben werden: Was hilft unser Glaube, wenn wir aufgrund der regulatorischen Vor- schriften ohne Sicherheiten und/oder Garantien keine Kredite mehr vergeben dürfen?

Auf all diese Fragen müssen wir in den nächsten Jahren wirklich gute Antworten finden. Je besser unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, je größer das Vertrauen unserer Kunden in uns ist und je größer der Respekt der Menschen in unseren Ländern vor dem ist, was wir und vor allem wie wir es tun, desto größer werden unsere Möglichkeiten sein, Einfluss auf Politik und Regulatoren zu nehmen, um uns genügend Raum zur Erfüllung unseres Zwecks zu geben – Wachstum und Beschäftigung, Eigentumsbildung, Altersvorsorge und die Erfüllung von Wohnträumen.

Die Zeichen stehen gut für unsere Gruppe und die Chancen sind groß, dass unsere Aktionäre in den nächsten Jahren zufriedene Eigentümer sein werden. Das wünsche ich Ihnen, aber auch mir, da ich ab 2020 als Aufsichtsratsvorsitzender der Erste Stiftung auf steigende Kurse und gute Dividenden hoffe, um damit unsere Social Banking- und Finanzbildungsaktivitäten weiter ausbauen zu können, was Ihnen als Aktionäre der Erste Group auch wieder zugutekommen wird.

Ich setze hohe Erwartungen in meinen Nachfolger und sein Team. Er muss all die Dinge, die ich nicht so gut gemacht habe, viel besser machen, und das, was ich gut gemacht habe, mindestens genauso gut. Dazu wünsche ich ihm und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unserer Gruppe sehr viel Glück und Erfolg."



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Andreas Treichl, CEO Erste Group (16. Juni) - finanzmarktfoto.at wünscht alles Gute!, (© entweder mit freundlicher Genehmigung der Geburtstagskinder von Facebook oder von den jeweils offiziellen Websites )


Autor
Christine Petzwinkler
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    Die Erste Group hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2018 veröffentlicht. Der scheidende CEO Andreas Treichl zieht in seinem Vorwort Resümé und schreibt das, was für ihn zählt. Seine Worte: "Mit großer Freude präsentiere ich Ihnen unseren Bericht über das Jahr 2018. Es war ein sehr gutes Jahr mit dem besten Vor- und Nachsteuerergebnis unserer Geschichte. Wie detailliert Sie sich in die Zahlen vertiefen wollen, sei Ihnen überlassen. Ich würde Ihnen hier gerne ein paar Zeilen über das schreiben, was ich für wirklich wichtig halte und Ihnen als Eigentümern unserer Gruppe, für die Zukunft mitgeben möchte. Ich nehme mir die Freiheit, das zu tun, da die Erste Group in diesem Jahr nicht nur ihr 200. Jubiläum feiert, sondern auch weil ich Ende 2019 meine Funktion als CEO unserer Gruppe nach mehr als 22 Jahren zurücklegen werde.

    Ich hatte das Privileg, dieser Gruppe 25 aufregende und abwechslungsreiche Jahre als Vorstand dienen zu dürfen, anfangs mit rund 3.000 in Österreich und jetzt mit über 47.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Zentral- und Osteuropa. Wir haben gemeinsam alle Höhen und Tiefen unserer Branche miterlebt. Wir haben große Erfolge gefeiert und schmerzhafte Niederlagen erlitten, wir haben gejubelt und waren verzweifelt, wir haben falsche Entscheidungen getroffen, aber Gott sei Dank sehr viel mehr richtige.

    Heuer in unserem Jubiläumsjahr sind wir in jeder Hinsicht stärker als je zuvor. Nicht nur, weil wir in Tschechien, der Slowakei, Österreich, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Serbien und Montenegro zu den stärksten Finanzdienstleistern gehören und diese Region zu der am stärksten wachsenden Region in Europa zählt. Nicht nur weil wir die besten Mitarbeiter der Welt und mit George die beste digitale Plattform unserer Region haben, sondern vor allem, weil wir alle, die Erste Gruppe und Sparkassenfamilie, uns in einer Überzeugung vereint haben, mit der wir auch die nächsten 200 Jahre unserer Region und ihren Menschen, Firmen und Kommunen dienen wollen – unserem Zweck, Wohlstand für unsere Kunden zu schaffen und zu erhalten.

    Viele denken jetzt noch mit Schrecken an die Finanzkrise, aber wenn wir unsere 200-jährige Geschichte Revue passieren lassen, dann klingt das recht wehleidig im Vergleich zu den fürchterlichen Ereignissen und Katastrophen, mit denen unsere Vorgänger im 19. und 20. Jahrhundert konfrontiert waren. Wir haben sie überstanden und unsere Türen für unsere Kundinnen und Kunden immer offen gehalten.

    Das sollte uns Hoffnung und Zuversicht geben für eine Zukunft, die kommende Generationen von Erste- und Sparkassenmitarbeitern vor große Herausforderungen stellen wird. Wird es Banken in dieser Form noch geben, was müssen wir tun, damit zukünftige Generationen sich in ihrem Finanzleben bei uns wohlfühlen, wohin führen uns die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Digitalisierung? Wird sich die Blockchain-Technologie durchsetzen, und wenn ja, in welchen Bereichen? Was wird aus Europa, wohin entwickelt sich die Politik? Wie können wir ohne entwickelte Kapitalmärkte unseren Kunden zu Wohlstand verhelfen, wenn die Zinsen nicht und nicht steigen wollen?

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    „Unsere Region braucht Menschen, die an sich glauben, und eine Bank die an sie glaubt“, das ist unser Leitmotiv und wird es hoffentlich für immer bleiben, auch wenn wir damit einen hohen Anspruch an unsere Mitarbeiter stellen. Finanzdienstleister gehören zu einer kleinen Gruppe von Unternehmen, deren Verpflichtung es ist, „Nein“ zu sagen, wenn wir überzeugt sind, damit für unsere Kunden das Richtige zu tun: „Bitte kaufen Sie das nicht, darf ich Ihnen erklären, warum Sie meiner Meinung nach diesen Kredit nicht aufnehmen sollten, aber ich glaube an Sie“. Mit „keinen Kredit vergeben“ vermeiden wir vielleicht zukünftige Risikokosten, verdienen werden wir damit sicher nichts. Egal, ob Ja oder Nein zum Kredit, was hilft es unseren Kunden, wenn wir an sie glauben, aber diese Entscheidungen in Zukunft nur mehr auf Basis irgendwelcher Algorithmen ohne Berücksichtigung des Individuums getroffen werden? Und für die Kredite, die auch in Zukunft nicht von künstlicher Intelligenz vergeben werden: Was hilft unser Glaube, wenn wir aufgrund der regulatorischen Vor- schriften ohne Sicherheiten und/oder Garantien keine Kredite mehr vergeben dürfen?

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