29.04.2019, 3792 Zeichen
Soviel Papier liegt vor mir, so viele interessante Geschichten, die ich weitergeben sollte, Material für einen Monat, aber ich kann nicht alles gleichzeitig erzählen, die Qual der Wahl. Reden wir über Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment, in sie habe ich zuletzt am meisten Zeit investiert, weil die AG doch ein Stückerl von Wien entfernt beheimatet ist, in Ternitz. Und es gab ja eine Besonderheit: Werksführung! So etwas macht man gerne mit, Werksführungen sind leider selten geworden.
Auf der HV am 23.4.19 war die Berndorf Industrieholding AG mit 5,341.286 Aktien der größte anwesende Aktionär. Es folgten Nordea 1 Sicav mit 391.154 Stück, BHT Invest aus Frankfurt am Main mit 194.551 Stück und ca. 10 weitere Fonds mit einer Positionsgröße von 100.000 bis 200.000 Stück. Eine natürliche Person mit großem Bezug zur Metallindustrie hatte 173.560 Stück angemeldet. Die Norges Bank mit 134.509 Stück und die ERSTE Asset Management GmbH mit 223.361 Stück fielen noch auf. Die Höhe der Beteiligung der Norges Bank (die sogar in einem ganz aktuellen Artikel einer politisch eindeutig als links einzuordnenden Seite im Vergleich mit der ÖBAG recht gut davon kommt: https://awblog.at/norwegischer-staatsfonds-vorbild/) ist insoweit von Bedeutung, als sich der norwegische Staatsfonds ja aus Risikogewichtungsgründen aus Öl- und Gasaktien zurückziehen will. Wenn diese 134.509 Aktien also über kurz oder lang auf dem Markt landen werden, wird das alleine meiner Einschätzung nach keine Delle im Aktienkurs bewirken, diese Stückzahl wird sich ganz bestimmt kursschonend abtragen lassen.
Hochinteressant finde ich weiters, dass der Edmond de Rothschild Euro Sustainable Growth Fund aus Paris mit 29.577 Aktien vertreten war. Wie wir auf der HV hörten, macht SBO ca. ein Drittel ihres Umsatzes mit Fracking, was man ja gemeinhin als eher nicht extrem umweltfreundlich sieht. Laut meinem Dictionary bedeutet "sustainable" jedenfalls sowohl "nachhaltig" als auch "umweltverträglich". Irgendwie werden sie es ihren Kunden schon kommunizieren können, dass die Öl- und Gasförderung umweltfreundlich oder zumindest nachhaltig ist. Vielleicht ist die Sichtweise auch einfach diese: mit SBO-Technologie kann man mehr aus dem Boden herausholen und muss nicht unzählige Bohrlöcher über ganze Landstriche ziehen. Und dann sind noch einige vor allem amerikanische Pensionsfonds mit vergleichsweise kleinen Stückzahlen investiert, mit Öl und Gas sind die Pensionen wohl immer noch am besten abgesichert.
Wir hörten vom "directional drilling", wo man viele Bohrstränge von einer einzigen Bohrplattform aus in den Boden treiben könne, in verschiedene Richtungen und Tiefen. Vorstandsvorsitzender Gerald Grohmann freute sich über den Applaus nach der Präsentation des neuen Unternehmensvideos. 2017 habe man sich bewusst durch die Akquisition in Nordamerika gestärkt. Die Öl- und Gasindustrie sei stark amerikaorientiert. Alles außerhalb der USA sei "international". "Oilfield Equipment" sei eher nordamerikanisches Geschäft, AMS ("Advanced Manufacturing & Services") dagegen sei eher international orientiert. Laut Grohmann habe man nach Schließung der beiden Standorte in Mexiko und England Maschinen und Equipment der SBO an andere globale Standorte gebracht, zum Großteil nach Vietnam, und könne sie nun besser nutzen. Dort habe man 2008 einen Standort auf der grünen Wiese gegründet. Die Vietnamesen seien komplett ausgebucht und könnten neue Maschinen dringend benötigen. Ein Teil der Maschinen gehe nach Ternitz, ein Teil nach Houston. Die Produktpalette der Saudi-Tochter solle um weitere SBO-Produkte erweitert werden, im wesentlichen würden Geschäfte mit Aramco angestrebt.
SBO ( Akt. Indikation: 83,03 /83,41, -1,16%)
(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 29.04.)
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