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Peter Bosek: Der Game Changer im Interview

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Peter Bosek wird mit 1. 7. zusätzlich zum Vorstandsjob in der Gruppe CEO der Erste Bank Österreich. Im INterview spricht der Privatkunden-Stratege über Digitalisierung, Challenges und Challenger, Apple Pay, Brokerage sowie sein Baby george.

Lieber Peter, wir plaudern direkt nach dem 4Gamechangers-Festival 2019 von Puls4. Wie seid Ihr als Hauptpartner dieses Events zufrieden? 

Peter Bosek: Wir sind sehr zufrieden. Ich glaube, dass Markus Breitenecker damit ein Format gelungen ist, das es schafft, einerseits jungen Startups und jungen Menschen, die an Veränderung interessiert sind, und auf der anderen Seite etablierten Wirtschaftsunternehmen wie unserem eine gemeinsame Plattform zu geben. Das macht aus meiner Sicht absolut Sinn. 

Das Motto lautete „Europe meets Asia“. Was fällt Dir zu „Erste Group meets Asia“ ein?

Na ja, für uns als Erste Group ist Asien nicht Kernmarkt, aber zunehmend interessant aus Investorensicht, sowohl im Equity- als auch im Bondbereich. Was mich als ,Papa vom George´ besonders interessiert, ist, was sich technologisch alles in Asien tut. Ich glaube, dass sich bei Artificial Intelligence ein extremer Wettbewerb USA/Asien auftut, Europa spielt leider gar keine Rolle. China ist schwer vergleichbar, extrem abgeschottet. Was ich mir schon länger überlege: Wieviel Innovation wäre wirklich möglich, wenn nicht der Staat sehr protektionistisch agieren würde. Vor eineinhalb Jahren haben mir schon amerikanischen VCs gesagt, dass man in puncto Innovation mittlerweile zuerst nach China schauen solle. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber die technologische Seite ist schon sehr weit. 

Danke für den Asien-Ausflug zu Beginn, nun zu den Challenges vor Ort. Ich musste ja schmunzeln: Wenn Vertreter neuer Banking-Geschäftsmodelle wie N26 oder Revolut mit Dir an einem 4GC-Panel teilnehmen, dann wird’s spannend. Da kann es auch schon mal ein Raunen im Publikum geben, wenn Du sagst, dass man - so man wolle - auch alles nachbauen könne und zudem ,neue’ Produkte wie Dauerauftrag oder Kreditkarte irgendwie schon erfunden seien …

(schmunzelt)  Zuvorderst  muss ich sagen, dass die genannten Unternehmen extrem tolle Sachen hingestellt haben, die Marktbewertungen sind stark, die Valuations liegen bei 2 bis 3 Mrd. Euro. Da kann ich nur gratulieren. Ich finde es aber auch spannend, mitzuverfolgen, wie diese Start-ups relativ rasch traditionelle Unternehmen werden. Bei den regulatorischen Dingen ist Schadenfreude nicht angebracht, das regulatorische Umfeld muss man mal mitwachsen lassen. Ist es nicht interessant, dass eine digitale Bank einen regionalen Landesleiter in Österreich installiert? Und so zu tun, als wäre eine Kreditkarte wie bei N26 eine Weltneuheit, da musste ich schon schmunzeln. Und bei Revolut wird ein Sparkonto möglich. ,Wie geil ist das?´ kann man sich fragen. 

Wenn ein CEO eines dieser Unternehmen, das hohe Summe von Kapitalgebern erhalten hat, sagt, die klassischen Banken werde es in 15 Jahren nicht mehr geben, sagst Du was? 

Na ja, uns gibt jetzt seit 200 Jahren und nach 215 Jahren dann ebenso.

Du sagtest auch, dass, wenn Challenger günstige Tarife machen, deren Valuation steigt. Und wenn das ein Player wie die Erste macht, dann sinkt die Valuation, weil man Sorge um die Margen hat … 

Völlig richtig, das ist eine komische Marktlogik. Wir sind public listed, da haben wir Investoren, die auf die Margen schauen. Offenbar ist es im VC-Bereich derzeit anders. Da sieht es nach Überliquidität aus, aber hohe Verluste können kein VC-interesse sein. Preisdruck kommt aber definitiv durch die Neuen in den Markt.  Es gelingt den jungen Challenger-Banken jedenfalls, mit Kundenzahlen zu überzeugen. 

Um dann irgendwann die Exit-Karte zu ziehen ...

Exakt. Die Frage ist, wo das endet. Denn wo führt es hin, eine Gratisbankverbindung zu haben? Aber das werden sich die Investoren schon überlegt haben. 

Ganz aktuell und ein biss‘l Gamechanging ist der Start von Apple Pay in der Erste Bank Österreich, in der Česká spořitelna bietet Ihr das schon seit Februar an. Warum zuerst Tschechien? Und: Wie wichtig ist Euch die Partnerschaft mit Apple? 

Apple Pay ist die wohl modernste und bequemste Art zu bezahlen, und Apple ist insgesamt eine richtig coole Marke. Ich finde wir passen perfekt zusammen. Es war die Marktstrategie von Apple, zuerst in Tschechien zu starten und dann in allen
Erste Group Ländern für unsere Kunden anzubieten. Apple Pay ist in beiden Ländern ein Riesenerfolg, über den wir uns sehr freuen.

Kommen wir zum Hauptthema des Börse Social Magazine: Wertpapiere, klarer Schwerpunkt Aktien. Was wird George in dieser Hinsicht künftig bieten? 

Wir haben in der Sparkassengruppe ungefähr 336.000 Kunden, die ein Wertpapier-Depot bei uns haben. Wir haben schon seit längerem Trading-Funktionalität in George. Das funktioniert gut. Ich glaube, dass sich dieser Teil der Industrie komplett gedreht hat. Die Online Broker wie früher gibt es nicht mehr, das geht sich vom Geschäftsmodell her nicht aus. Man kann die Kunden nicht günstigst traden lassen und trotzdem alle regulatorischen Dinge erfüllen. Alles in diesem Bereich ist heute viel näher an den Banken dran, als das in der Vergangenheit der Fall war. Oder man hat Robo Advisor, die extrem preisaggressiv sind, man weiß aber oft nicht, worin man überhaupt investiert ist. Ich denke, wir müssen in der Form der Kommunikation besser werden. Da kann man von den Challengern lernen. Ich glaube, die Kommunikation rund um das Wertpapier löst ein Zuhören in unserer Altersgruppe aus, bei den jüngeren Leuten weniger. Das Ziel muss sein, die Jüngeren zu erreichen, eine Equity-Kultur zu schaffen. Gerade jetzt: Beim Sparen krieg ich nichts mehr, Bond könnte Bubble sein, der Equity Markt braucht aber Kultur. Wir müssen Kommunikation in die jüngeren Kreise schaffen.

Momentan bleibt in Österreich fast nur der Selbstentscheider mit Home Bias. Was habt Ihr für den? 

Wir haben innerhalb von George ja schon das DirektDepot, für alle, die selbständig, ohne Beratung und billiger traden wollen.

Es ist allerdings nicht unser Ziel, jener Trader zu werden, der am billigsten ist, das geht sich nicht aus. Wir haben Telefonaufzeichnungen, wir haben Workflow-Tools für Berater, das Wertpapiergeschäft wurde durch MiFID schon deutlich aufwendiger. Grundsätzlich ist das alles richtig und okay. Nur wird es mittelfristig wenige Banken geben, die Wertpapiergeschäft für Privatkunden überhaupt anbieten. Wir werden auf jeden Fall dazugehören.

Was sagt man einem Kunden, der einfach zu keiner anderen Bank will? 

Gib mir ein biss‘l Zeit.  

Kommen wir zur eigenen Aktie. Die Erste Group ist der größte Titel im ATX, liegt year to date ca. 23 Prozent im Plus, der ATX 18 Prozent. Welche Rolle spielt die eigene Aktie im Haus? 

Die Aktie ist ein Produkt, das vor allem im Retail-Vertrieb sehr spannend ist. Von den Gesamtvolumina, die gehandelt werden, entfällt aber ein sehr geringer Anteil auf Retail. Es ist ein Produkt, auf das die ganze Bank und die Mitarbeiter stolz sind. Natürlich ist es für uns auch ein Gradmesser des Erfolgs, man schaut schon gerne darauf, wieviel das Unternehmen wert ist. Wir hatten dieser Tage ja erstmals mehr Market Cap als die Deutsche Bank, da ist man auch sehr stolz. Wir sind happy damit, dass wir einen entsprechenden Vermögenswert geschaffen haben.

Es ist zudem die seit Jahren mit Abstand meistgehandelte Aktie an der Wiener Börse. Und das, obwohl es eigentlich nicht die typische Trader-Aktie ist.

Ich glaube, das ist auch der sehr guten Arbeit unserer Investor Relations Abteilung zu verdanken.  Wir haben früh erkannt, da sehr transparent zu agieren. Das wird mit Liquidität belohnt.

Dieser Tage bringt ihr wieder fast ganz Equity Austria zu Eurem Partner Auerbach Grayson gemeinsam mit Wiener Börse, Löger und Schramböck. Welche Bedeutung hat das?

Das hat große Bedeutung. Auerbach Grayson ist unser Broker für Österreich, Tschechien, Ungarn, Kroatien. Die Partnerschaft ermöglicht zudem Zugang zu institutionellen US-Investoren, 24 Unternehmen aus Österreichs haben diese Chance heuer wahrgenommen. 

Abschließend nochmals zu George. Was waren Deine persönlichen Milestones? 

Natürlich der Marktstart Jänner 2015 in Österreich. Dann die Entscheidung, das in andere Länder in der Gruppe auszurollen. Das war arbeitsintensiv. Der nächste Schritt, den ich gerne machen würde, ist, einen Beratungsteil in George zu implementieren. Ich beschäftige mich derzeit stark mit der Frage: Kann das funktionieren? Konkreter: Kann Vertrauen in einer digitalen Welt funktionieren?  Beispiel AirBNB: Es schlafen plötzlich fremde Menschen in Deiner Wohnung. Man verlässt sich darauf, dass die App das so managt, dass da keine Verrückten kommen. Für uns als Bank ist Vertrauen extrem wesentlich. 

Euer Geldausgabeautomat wurde in den 80ern nach dem damaligen Generaldirektor Konrad Fuchs benannt und wurde zum Konrad. Warum heißt der George nicht Peter?

Das wäre Ego-Shooting. 

Mister Retail wird zusätzlich Erste Bank Österreich CEO

Mit 1.Juli wird Peter Bosek Vorstandsvorsitzender (CEO) in der Erste Bank Österreich und zusätzlich im Vorstand der börsenotierten Gruppe als Chief Retail Officer weiterhin für das Privatkundengeschäft zuständig sein. 

Die CRO-Funktion (Privatkundenvorstand) wurde in der Gruppe Anfang 2015 geschaffen, der Jurist Bosek war dafür die perfekte Besetzung, er ist beispielsweise mit Fintechs und Start-ups bestens vernetzt und gilt als treibende Kraft hinter George. Eine Doppelfunktion „Vorstand Österreich und Vorstand Gruppe“ hatte es bislang im Erste-Konzern nicht gegeben, die künftige Personalunion spricht für die hohe Bedeutung des zunehmend digitalen Privatkundengeschäfts im Konzern.


Text: Christian Drastil   Fotos: Puls 4, Diverse

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