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Die Rekorde des Andreas Treichl

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Die 22-jährige CEO-Ara des letzten grossen Sirs im Bankensektor brachte der Erste Group und ihren Aktionären börsliche Bestleistungen, die in ihrer Dimension überraschen werden.

Redaktionsschluss für dieses Börse Social Magazine war der 17. Februar, an diesem Tag wurde der Upload unserer 100 Seiten an die Druckerei getätigt. Und der 17. Februar ist ein besonderer Tag - gehen wir dazu 11 Jahre zurück:  Am 17. Februar 2009 hatte die Aktie der Erste Group bei 7 Euro geschlossen, die Aktie von Raiffeisen  International (damals noch nicht RBI) bei 13 Euro. Es waren die jeweils tiefsten Schlusskurse, die es in der Börsegeschichte der beiden Großbanken jemals gegeben hat. Und sicher nicht die lässigsten Tage für die CEOs.  CEO der Raiffeisen International war damals Herbert Stepic, CEO der Erste Group Andreas Treichl,  der Kursrückgang traf ihn etwa zur Hälte seiner CEO-Ära, die von 1997 bis zum Jahreswechsel 2019/2020 dauerte.  Eine Regentschaft, die - final betrachtet - wohl das Beste hervorholte, zu dem mitteleuropäische Banken in dieser Phase der Börsegeschichte fähig waren. Über Werdegang, Karriere,  Lebenswerk und Dimension der Treichl-Ära wurde bereits viel geschrieben. Ich denke, dass kein CEO einer europäischen Großbank so lange an der Spitze stand.  Ich konzentriere mich hier aber einzig auf die Hard Facts rund um die Aktie. 

Nr. 1 in der DACH-Region. Ich beginne mit dem Fazit: Sieht man sich den Stoxx Europe 600 Banks Index an, so kommt dieser von Dezember 1997 bis Ende 1999 auf eine Performance von -45 Prozent, incl. Dividenden geht es knapp ins Plus. Die Erste Group-Aktie hingegen schaffte ein Plus von 206 Prozent, incl. Dividenden sogar von 365 Prozent und liegt damit hinter der Santander Bank Polska, der DNB (Norwegen), Svenska Handelsbanken und der Close Brothers Group (UK) auf dem starken 5. Rang im Stoxx Europe 600 Banks Index. Heißt: Die Erste Group war  in der Treichl-Ära Nr. 1 ihrer Peer Group in der DACH-Region. Und dies überlegen. Aber es kommt noch besser ...

Einzige Großbank, die besser als ihr Index ist. Der Chart auf der rechten Seite zeigt zudem auch den Vergleich mit dem ATX. Die Erste Group ist in der Ära Treichl besser als der eigene Leitindex. Und das wiederum hat von 1997 bis Ende 2019 keine europäische Großbank im Vergleich mit ihrem jeweiligen nationalen Leitindex geschafft. Insofern bekommt dieser Performance historische Bedeutung zu. 

Meisterwerk zum Start. Als „Erstnotiz“ der Erste Group-Aktie wird der 4.12. 1997 geführt, ich schreibe das unter Anführungszeichen, da ja davor bereits Partizipationsscheine, Vorzüge und Stämme durchaus erfolgreich notiert waren. Die Zusammenführung dieser Kategorien ohne Aufzahlung war das 1. Meisterwerk des damals neuen CEOs Andreas Treichl. Es wurde fortan quasi zum guten Ton, dass man auf diese Art und Weise vorzugehen hat, wenn man Aktienkategorien zusammenlegt. Treichl war mit der „Erste“ der Erste, der das getan hat. Bereits zum Dezember-Verfall 1997 ist die Erste Group-Aktie in den ATX aufgenommen worden und hat ihn nie mehr verlassen. Das IPO war mit einem Volumen von mehr als 7 Mrd. Schilling (ja, Schilling-Ära) die damals größte Aktienemission in der österreichischen Geschichte. Die IPO-Roadshows führten die Erste-Banker innerhalb von zwei Wochen zu mehr als 100 Investorentreffen in 35 Städte in Europa und Übersee. Auf heute bezogen: 100 Investoren kann man schon mal treffen, aber 35 Städte sind wohl ebenso rekordverdächtig. Ich kann es nicht nachrecherchieren, aber der Verdacht des Rekords schwingt mit. Die damalige Equity Story: Im März 1997 die GiroCredit gekauft, wir sind ein ganz anderer Player geworden, ohne unsere Sparkassen-Wurzeln zu vergessen.

Im ATX künstlich gestutzt. Die Erste Group-Aktie ist fortan im ATX nach und nach zur treibenden Kraft aufgestiegen. Die einleitend erwähnte Kursstärke wirkte sich natürlich auch positiv auf die Marktkapitalisierung aus und so muss seit Jahren ein Repräsentationsfaktor von unter 1 (1= der Grösse entsprechendes Gewicht) eingesetzt werden, damit die Erste Group in der Streubesitzkapitalisierung dem ATX-Höchstwert von 20 Prozent für einen Einzeltitel gerecht werden kann.  Einzig die OMV (nicht ganz vergleichbar, weil sie mehrere bestimmende Aktionäre hat) ist hier in einer vergleichbaren Liga.

Spitzenreiter beim Handelsvolumen seit 2007. Und was der Wiener Börse wohl noch mehr gefallen wird:  Seit dem Jahr 2007 ist die Erste Group ununterbrochen der größte ATX-Titel beim Handelsvolumen, den Spitzenwert gab es 2008 mit fast 30 Mio. Euro. Davor, 2006, war die OMV letztmalig die Nummer 1, seither stets Nr. 2. Heuer ist das Rennen übrigens sehr knapp: Per Redaktionsschluss für diese Ausgabe steht Erste Group vs. OMV kumuliert bei 1,174 zu 1,144 Mio. Euro, wobei die 33 größten Tageseinträge entweder auf Erste Group oder OMV entfallen, erst dahinter, auf Rang 34, kommt mit der RBI ein anderer Titel.

Geringe Volatilität. Ein spannendes Detail rund um die Erste Group-Aktie ist, dass sie - obwohl Nr. 1 beim Handelsvolumen - im Vergleich zu anderen Bank-Aktien eine wesentlich geringere Volatilität aufweist, so hat im ATX  beispielsweise die Bawag oder RBI aktuell eine höhere 3 Mon.-Volatilität und deutsche Banken sogar eine noch deutlich höhere, die Erste Group ist in dieser Hinsicht eher mit Instituten aus der Schweiz zu vergleichen. Sie ist eine ruhige „Buy & Hold“-Aktie im Bankensektor, was eher eine Auszeichnung denn ein Makel ist.

Erste Group Promoter der Aktien. Auch wenn die eigene Aktie nicht aggressiv beworben wird, ist das Erste-Vorstandsteam seit Jahren sehr „laut“, wenn es darum geht, Eigenverantwortung und die Aktie an und für sich in die private Vermögensveranlagung zu reklamieren. Dies tat Treichl nicht selbst, sein langjähriger Wegbegleiter Peter Bosek hat sich hier, vor allem seit  Nullzinsen vorherrschen, als permanenter Wachrüttler positioniert. Mit Market Making, Equity Capital Markets und Research ist die Erste Group zudem Komplettanbieter am österreichischen Aktienmarkt. Gemeinsam mit der Raiffeisen Centrobank quasi als Rest vom Schützenfest.

Arbeite, Sammle, Vermehre. Treichls Abschiedstour im Jahr 2019 war eingebettet in die 200-Jahr-Feierlichkeiten des Instituts, die im Vorjahr begangen wurden. Für das begleitende Buch „Arbeite, Sammle, Vermehre“ hat Treichl das Kapital „Die Säulen der Zukunft“ begeisteuert. Er sieht darin die Bank, die er das letzte Achtel der 200 Jahre, also 25 Jahre, als Vorstandsmitglied (davon 22 Jahre als CE0) begleiten durfte, auf Kurs. Die Finanzkrise, deren Börsekurs-Auswirkungen ich in der Einleitung (Erste-Aktie bei 7 Euro) gebracht habe, sieht er dabei als „wohl eine der mildesten Katastrophen“ des 200-Jahre-Zeitraums. „Sie hat uns trotzdem hart getroffen, aber wir haben sie bewältigt wie auch die viel größeren politischen und wirtschaftlichen Katastrophen des 19. und 20. Jahrhunderts“. 

Was Treichl mit auf den Weg gibt. Treichl war also 25 Jahre Vorstandsmitglied. In den nächsten 25 Jahren werde die Gesellschaft - und damit auch das Bankwesen - Entwicklungen ausgesetzt sein, „die wir uns heute nicht einmal ansatzweise vorstellen können“, so Treichl. Dabei meine er nicht etwa Künstliche Intelligenz. „Ich meine vielmehr, dass es nicht mehr möglich sein wird, zu erfahren, was die Wahrheit ist. Niemand wird mehr Realität von Fiktion unterscheiden können“. Die Sehnsucht der Menschen, sich bei jemand sicher zu fühlen, wird zunehmen.  Eine große Chance für menschliche Partner und Banken im Bankwesen. 

Hör- & Lssetipp

Im Podcast für junge Anleger jeden Alters (boerse-social.com/podcasts, u.a. Spotifiy) gibt es 70 Min. „Treichl pur“, es handelt sich um einen Live-Mitschnitt eines Schulbesuchs mit Q&A. Und vielleicht können wir dem Klavierspieler noch einen Song abringen ... 

Das Buch zum 200er. 
„Arbeite, Sammle, Vermehre“ gibt es bei Amazon zu 35 Euro und ist ein großer Tipp.  Banken-, Börse- und auch europäische Gesellschaftsgeschichte auf 250 Seiten. Incl. eines Spoilers zur 400-Jahr-Feier 2219 mit Generaldirektor Yiyi. 

Text: Christian Drastil
Fotos: Polacsek, Börse Social Magzine 

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Aus dem Börse Social Magazine #37
(Jänner 2020)





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