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Short People rechtfertigen sich mit Wirecard (Wolfgang Matejka)

08.07.2020



Short People. Die letzten Tage und Wochen konnten einem die Leerverkäufer, jene „Investoren“ die auf fallende Kurse setzen und deswegen Aktien „leer“ verkaufen, schon leidtun. Die Kurse stiegen recht lustig, und wer da vorher verkauft hatte, sah dem Treiben mit wachsendem Unmut zu. Verluste tun auch den Shorties weh.

Aber dann kam, wie Manna vom Himmel, Wirecard. Ein Bilanzskandal erster Güte, gefolgt von einem ebensolchen Kurssturz. Wer da vorher leer verkauft hatte machte ein dickes Plus. Und kaum ist Wirecard passiert, setzte schon die Lobby der Leerverkäufer ein und brachte uns unwissenden Long-only-Investoren bei wie wichtig es ist, die Short Seller mitten in unseren Märkten zu wissen. Die Mär von der „gesunden“ Hyäne die sich nur um unser aller Wohl sorgt und die Schwachen und Kranken frisst.

Ich hoffe, dass im ganzen Covid-19-ich-zahle-was-es-kostet-Irrsinn, die Regulatoren und Börsen nicht den Durchblick verlieren und die Chance verpassen, hier auch in Euroland ein wenig mehr Disziplin im Lager der „Shorties“ einzufordern, oder gar Abweichungen unmöglich zu machen. Es ist nämlich so, dass aus dem Lager der „short People“ so oft Falschmeldungen oder Liquiditätslöcher die plötzlich entstehen genutzt werden wie bei keiner anderen Investorengruppe. Jede börsennotierte Firma hat bei Ad Hoc Meldungen sämtliche Regeln zu beachten, interne Dokumentationsketten zu liefern und ja keine Zeit zu verlieren. Weil sonst kommt der drohende Arm der Aufsicht und straft. Selbst gegen anonyme Unterstellungen darf man sich nicht sofort wehren ohne vorher den gesamten Sachverhalt nachweislich geprüft zu haben. Welch Absurdität, man wird beschuldigt Falsches getan zu haben und kann erst nachdem man Tage damit verbracht hat sämtlichen Aspekten dieses Vorwurfes nachzugehen und dies zu dokumentieren öffentlich behaupten nichts falsch gemacht zu haben. Dazwischen gibt’s den Handel an der Börse. Mahlzeit. Jedes noch so verrückt anmutende Statement aus dem Internet bleibt dagegen ungestraft. Und das in Zeiten der „gläsernen“ Information. Wo Google schon weiß was wir tippen, wenn wir dies tun. Man kann jetzt sagen, gegen kriminelle Machenschaften gibt es nie wirklich 100%ige Sicherheit. Stimmt, aber man kann es einem schwerer machen, oder zumindest genauso schwer wie allen anderen.

Wie kann das gehen? Nun vielleicht mit der zwingenden Einführung von Namensaktien, wo es schwieriger wird sich hinter der Anonymität von reinen Inhaberpapieren zu verstecken. Oder einer zwingenden Lieferung verkaufter Aktien. Und nicht erst nach ein paar Tagen „bitte bitte liefern sie uns die Stücke“. Nein, Zwangseindecken bis der Trade gesettelt ist. Oder der Kontrolle der Handelsbücher über die Inhaberschaft der gehandelten Bestände. Und nicht allein in österreichischen Banken, sondern sehr wohl auch bei unseren ausländischen Handelsteilnehmern. Oder einer generellen Transparenz für verliehene Aktien. Nämlich auch für Jene transparent, denen diese Aktien wirklich gehören. Vielleicht ist es Versicherungs-, Bank- Fonds- oder Pensionskassenkunden nicht egal, ob ihre Bestände verborgt werden? Bei dem vielen Tam Tam um das Thema ESG und Nachhaltigkeit ist dieser Aspekt noch nie berührt worden (genausowenig wie jener, welchen Sinn es macht negativ rentierende Bonds zu kaufen). Viele dieser Finanzunternehmen und Kapitalanlagegesellschaften haben genau deswegen begonnen das Verleihen ihrer Wertpapiere stärker zu analysieren und sehr oft, wenn sie es nicht ohnehin vorher schon ausgeschlossen hatten, eingestellt. Es ist vielleicht irritierend, damit auf ein paar Prozentbruchstücke Leihegebühr zu verzichten, angesichts des Risikos einer parallelen Underperformance ihrer Aktien erscheint das aber für Manche ein geringer Preis zu sein.

Ehrlich gesagt ist das Leerverkaufen von Aktien ein wirklich schwieriges Geschäft. Eine Aktie kann maximal 100% fallen, aber weit mehr als das steigen. Verluste entstehen da bei Leerverkäufern sehr schnell. Genauso ist die Performance nicht linear, selbst wenn man Recht hat und die Aktie fällt, muss man, um sein Gewicht im Portfolio nicht zu verwässern, weiter nach Unten shorten. Der Kurs nimmt ja ab und somit das Gesamtgewicht der Position im Portfolio. Und etliche Finanzinstrumente benötigen sogar eine Leerverkaufsposition. Jeder der eine Put-Option kauft zwingt den Verkäufer eigentlich zum Short. Das macht auch Sinn, weil es ja dem Interesse des Besitzers dient, sich in diesem Fall abzusichern. Gegen diese Form ist ja auch nichts einzuwenden, weil die Kontrolle durch den Anbieter der Put-Option automatisch mit dem Markt in Einklang ist.

Brutal wird’s nur dann, wenn der Markt bewusst überfordert wird. Und dann noch die Schlagzeile zufällig dazu passt.
Wirecard ( Akt. Indikation:  2,83 /2,85, -9,82%)

(Der Input von Wolfgang Matejka für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 08.07.)




 

Bildnachweis

1. Short gehen , (© Martina Draper/photaq)   >> Öffnen auf photaq.com

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