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Live aus einer Privatbank - Kathrein Privatbank gibt via Interviews Einblick, Teil 5, Q1/2021

Die Kathrein Privatbank hatte den Switch von Tech hin zu zyklischen Value-Aktien als einer der ersten Player umgesetzt. CEO Wilhelm Celeda konstatiert im Quartals-Check, dass diese Entwicklung auch noch nicht zu Ende ist. Aufkeimende Inflation macht keine Sorgen.  

Wir beide hatten zuletzt vor 6 Monaten gesprochen, zuletzt unterhielt ich mich im Quartalscheck mit dem Vorstandskollegen Stefan Neubauer.  In den vergangenen sechs Monaten ist der Leitindex unserer Heimatbörse um mehr als 50 Prozent gestiegen. Ihr seid optimistisch gewesen, aber hättet Ihr das für möglich gehalten? 

Wilhelm Celeda: Ja wir waren optimistisch, der massive Bewertungsunterschied zwischen Old-Economy (ATX) und den Tec-Schwergewichten (wie Amazon und Facebook) erschien uns nicht gerechtfertigt. Dementsprechend freut uns die starke Aufholjagd der heimischen Unternehmen und dass das Potential der Titel im ATX von den Investoren geschätzt wird. Der ATX feierte zum Jahreswechsel seinen 30. Geburtstag – das 30. Jahr war eines der turbulentesten Jahre in seiner Geschichte: Der unglaubliche Absturz im März, gefolgt von der historisch schnellsten Gegenbewegung. Getragen war diese Entwicklung auch vom Start der Impfkampagne, die, auch wenn sie in Europa schleppend verläuft, den Anlegern doch Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität gibt.

Dazu passt auch das Zitat, das wir im September brachten: „Uns erinnert die Phase stark an 2000. Auf den New Economy Boom folgte damals eine längere Phase der Outperformance von Value Shares“. Wie weit sind wir in dieser erwarteten Switch-Entwicklung?

Wir glauben, dass die Sektorrotation in Richtung zyklischer Value-Aktien, also attraktiv bewerteter Unternehmen, in Kombination mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung zumindest noch in diesem Jahr weitergehen wird. Das 1. Quartal 2021 scheint uns vorerst recht zu geben. Solche strukturellen Umbrüche halten meist mehrere Jahre an, weil dahinter langfristige wirtschaftliche Entwicklungen stehen. Aktuell heißt diese Entwicklung „zurück zur Normalität“.

Und wie ist die Hausmeinung zum Thema Inflation? 

Sollte man sich wegen einer höheren Inflationsrate Sorgen machen? Wir glauben nicht. In Europa und den USA haben sich die Zentralbanken EZB und Fed auf eine jährliche Preissteigerung von 2 Prozent festgelegt. Die jährliche Steigerungsrate, gemessen seit 2010 würde für die USA ca. 1,85 Prozent und für die Eurozone 1,40 Prozent betragen. Wir sind also von diesem Ziel noch entfernt. Aktuell kann man im Allgemeinen von einem sehr niedrigen Inflationsniveau sprechen. Man muss bedenken, dass die Inflation im Jahresvergleich gemessen wird und die Preise während der Pandemie kaum gestiegen sind. Wir sehen in der steigenden Inflation ein Zeichen der Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität. Kurzfristig kann es aufgrund statistischer Effekte und der wirtschaftlichen Erholung zu einem Überschießen des 2-Prozent-Ziels kommen. Man kann aber davon ausgehen, dass die Zentralbanken dieses kurzfristige Überschießen zulassen werden und nicht sofort den Geldhahn zudrehen. Deshalb sehen wir diesem Thema entspannt entgegen.  

Gehen wir wieder kurz ein paar Asset Klassen durch bitte. Bei den Bonds, vor allem bei den längerlaufenden, hat sich ja einiges getan …

Unsere Strategie bei unserem Anleihenportfolio ist auf Qualität zu setzen und sich abzusichern. Die jüngsten Renditeanstiege haben auf die Kurse gedrückt. Wir präferieren kurze Laufzeiten, das hat sich in den letzten Wochen der Rendite-Anstiege bezahlt gemacht. Sollte es zu einem starken Inflationsanstieg gepaart mit starkem Renditeanstieg kommen, mischen wir inflationsgeschützte Anleihen bei. Bei Unternehmensanleihen investieren wir vorwiegend in solide Großkonzerne und werfen mit unseren Modellen einen kritischen Blick auf die Ausfallwahrscheinlichkeit. Mit diesen Methoden optimieren wir unser Risiko-Ertragsverhältnis.

Recht stabil wirkt hingegen die Situation bei Immobilien-Investments. Oder täusche ich mich da?

Hier wirken zwei unterschiedliche Kräfte: Die wirtschaftliche Abkühlung und Zukunftssorgen bzw. Unsicherheiten wirken dämpfend auf die Nachfrage nach Wohnimmobilien, positiv wirken dagegen anhaltend niedrige Zinsen und die Inflationssorgen. Die gleichen Zuwachsraten wie in den letzten 15 Jahren erscheinen unwahrscheinlich, ein Preiseinbruch allerdings auch. Office-Immobilien sehen wir kritischer, hier wird der Trend zum Home-Office unserer Meinung nach langfristig einen negativen Einfluss hinterlassen. 

Ein kurzer Blick bitte auf Edelmetalle, allen voran natürlich Gold ...

Der Goldkurs hat in den vergangenen Monaten etwas nachgegeben, ein stärkerer USD und steigende Renditen wirken sich hier negativ aus,  Stichwort „Opportunitätskosten“. Langfristig wird Gold als reales Investment ähnlich wie Immobilien aber gern als Absicherung gegen Inflation gekauft. Für uns spielt das Edelmetall v.a. eine Rolle als Diversifikation im Portfolio-Kontext. 

Diese Spezialfrage muss jetzt sein: Das Q1 hat gezeigt, dass mit hohem Risiko das Investieren nicht immer nur ein Marathon, sondern doch auch ein Sprint sein kann. Mit gutem Timing bei Bitcoin oder auch GameStop konnte man in wenigen Tagen 10-Jahres-Renditen einfahren. Wird da auch der eine oder andere betuchte Kunde hungrig? Wie geht man damit um? „Ohne Beratung“ und „Kundenwunsch“?

GameStop und Bitcoin sind zwei Gesichter ein und derselben Thematik: Liquidität ist auf der Suche nach Rendite. Mit Investieren hat beides nichts zu tun, es ist Spekulation, wenn nicht sogar Gier. In der Ausprägung ist das Phänomen „Schwarminvestoren“, das GameStop – ein Unternehmen mit einem wenig zukunftsträchtigen Geschäftsmodell und rückläufigen Umsätzen – zwischenzeitlich Kursgewinne von 2000 Prozen (!) bescherte vom Phänomen „Kryptowährungen“ allerdings völlig unterschiedlich. 

Das Auftreten von „Schwarminvestoren“, die sich absprechen und Kurse von Unternehmen hochtreiben und sich dann neue Ziele suchen, ist relativ neu. Die Social Media-Gruppe WallStreetBets hat mittlerweile 9 Mio. Mitglieder, mit dieser Zahl lassen sich beachtliche Kursbewegungen orchestrieren.Man sollte aber bedenken, dass die Initiatoren solcher Aktionen zuvor die Titel oft billig gekauft haben, die dann später mithilfe der Schwarminvestoren in lichte Höhen gejagt werden. 

Zu Bitcoins habe ich, wohlwollend formuliert, ein ambivalentes Verhältnis. Die Kursentwicklung ist natürlich beeindruckend. Viele unserer Kunden interessieren sich dafür, auf Wunsch können wir da auch etwas anbieten. Ich persönlich warne davor, denn Bitcoin entbehrt einer fundamentalen Grundlage. Dass so viele Anleger in diese -  wie die Vergangenheit hinreichend bewiesen hat -  überaus volatile Kryptowährung als Inflationsschutz investieren, stößt nicht auf mein Verständnis. Dazu kommen der Einsatz von Bitcoins bei kriminellen Geschäften sowie der unglaubliche Energieaufwand, um die Bitcoins zu schürfen. Es besteht das Risiko, dass hier regulatorisch eingegriffen wird.

Für beide Themen gilt, dass eine Investition nur dann vorgenommen werden sollte, wenn das dahinterstehende Geschäftsmodell sinnvoll erscheint und man daran auch glaubt, denn reine Gier ist auf Dauer ein schlechter Ratgeber.

Und wie sieht Eure Ziel Asset Allokation für den konservativen Anlegertyp derzeit aus? 

Wir sind generell übergewichtet bei Aktien und untergewichtet bei Anleihen. Eine gewisse Aktienbeimischung halten wir für einen realen Werterhalt auch für sehr risikoscheue Investoren aber für unabkömmlich. Für konservative Anleger bieten sich beispielsweise Unternehmensanleihen von größeren Emittenten an, die vernünftige Erträge mit moderatem Risiko verbinden. Zertifikate mit Kapitalschutz sind ein weiterer Baustein für unsere risikobewussten Kundinnen und Kunden. 

Und wenn es ein wenig dynamischer gewünscht ist?

Der Aufwärtstrend bei Aktien ist intakt, man sollte sich aber aufgrund zum Teil hoher Bewertungen genau ansehen, wo man hingreift. In Phasen wie diesen ist eine aktive Titelauswahl unerlässlich. Wir schauen uns sehr genau an, welche Aktien wir ins Portfolio nehmen.  Aufgrund der immer noch andauernden Sektorrotation sehen wir günstige Risiko-Ertragsprofile vermehrt in Europa und Japan. Die Unsicherheit bleibt aber weiterhin hoch, was zwischenzeitlich zu Rücksetzern führen dürfte, die wir für Zukäufe nutzen werden.

Welche Ziele hat sich die Kathrein Privatbank für 2021 verpasst?

Im Unterschied zu manchen Mitbewerbern werden wir dem österreichischen Markt treu bleiben und planen weiter zu wachsen, nicht nur in Österreich, auch in den Nachbarländern. Wir werden unsere Marke modernisieren – Sie dürfen gespannt sein. Damit einher geht auch der Ausbau unserer digitalen Services für unsere Kundinnen und Kunden. Alles in allem haben wir uns viel vorgenommen, am meisten freuen wir uns, wenn wir unsere Kundinnen und Kunden wieder persönlich treffen können und auch wieder Events bei uns im Hause veranstalten können.

Da bin ich gespannt! Abschließend: Wie gehts persönlich?

Danke, grundsätzlich auch sehr gut, denn wir haben uns auch privat gut auf diese außerordentliche Zeit eingestellt, aber es gilt das Gleiche wie im Beruflichen, so wie jeder, freue ich mich bereits sehr auf die Möglichkeit wieder Freunde und Familie ohne Bedenken persönlich treffen zu können und verreisen zu können und bin auch sehr optimistisch, dass dies in diesem Sommer wieder möglich sein wird. 

Text:  Christian Drastil   

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Aus dem Börse Social Magazine #51
(März 2021)





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