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Analysten empfehlen: In Schwächephasen Aktien-Positionen aufbauen

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10.10.2021, 5021 Zeichen

Aus dem wöchentlichen Marktausblic von Raiffeisen Research: "Auch die abgelaufene Woche war von einer erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten geprägt. Die Gründe dafür waren mannigfaltig. So scheinen die Turbulenzen rund um den trudelnden chinesischen Immobilienentwickler Evergrande fürs Erste gut verarbeitet und es standen indirekt die Inflationsthematik angesichts der jüngsten Berg- und (teilweise auch wieder) Talfahrt bei den Gas- und Ölpreisen sowie die virulenten Lieferkettenengpässe im Fokus. Zusätzlich sorgte der Nachrichtenfluss rund um die Anhebung der US-Schuldenobergrenze für ein Auf und Ab der Gefühle.

Speziell die genannten Entwicklungen an den Energiemärkten mutierten zuletzt zum Top-Aufregerthema. So legte etwa der Preis für Erdgas gemessen am November Futures-Kontrakt seit Jahresbeginn in der Spitze massiv zu. Hintergrund für die Rally war eine Mischung aus trockenem Frühjahrswetter (daher niedrige Stromproduktion), unerwarteten Produktionsausfällen (z.B. in Norwegen), leeren Lagern, einer starken Nachfragesituation durch die Konjunkturerholung und einer Portion Geopolitik (Stichwort Nordstream 2). Zuletzt wurde der Preisauftrieb dann noch durch spekulative Finanzpositionierungen verstärkt, ehe die Aussagen des russischen Präsidenten Putin, wonach sinngemäß die Preisexzesse in niemandes Interesse seien und Russland bereit sei den Markt zu stabilisieren, eine scharfe Preiskorrektur einleitete. Im Soge des Preisauftriebs bei Erdgas konnte auch der Ölpreis auf ein Mehrjahreshoch klettern, wobei die starke Nachfragesituation und das weiterhin knappe Angebot – die OPEC+-Staaten blieben hier am Montag bei ihrer Erhöhung des Angebots von lediglich 400.000 Fass pro Tag – ihr Übriges zur Stärke beitrugen.

Der Energiesektor ist klar als einer der Profiteure aus der aktuellen Situation auszumachen und rangiert wenig überraschend in den USA mit einem Kurszuwachs von 45,5 % an der Spitze der Sektorentabelle seit Jahresbeginn. Bei Versorgern (+3,9 % seit Jahresbeginn in den USA, -3,3 % in Europa) sorgt das aktuelle Umfeld allerdings für gemischte Gefühle. Während zahlreiche Unternehmen hier dank Hedgingstrategien mit vergleichsweise geringen Schrammen steuern werden, gibt es sicherlich einige Titel, welche die Preisanstiege nicht in der Geschwindigkeit und im Ausmaß an ihre Endkunden weitergeben können, was die Margen auf absehbare Zeit belasten dürfte.

Die Energiepreisthematik fachte indirekt auch wieder die Inflationssorgen an, was die Staatsanleiherenditen auf den zuletzt höheren Niveaus gut unterstützte. Die Inflationsfantasie beflügeln momentan auch die virulenten Lieferkettenengpässe, welche über die Energieengpässe zusätzlich befeuert werden, da z.B. asiatische Chipproduzenten aktuell ihre Produktion aufgrund der Elektrizitätsknappheit drosseln müssen. Beachtenswert waren auch die Daten zur deutschen Industrieproduktion, welche im August um 4,7 % zurückging. Hauptgrund dafür war ein Rückgang bei Autos und Komponenten im Ausmaß von 17,5 %.

Insofern wird interessant, welche Wortwahl von den Unternehmen in der nächste Woche anlaufenden US-Berichtssaison zur Energiepreisthematik und den Lieferkettendisruptionen gewählt wird. Absehbar ist, dass das eine oder andere Unternehmen hier stärker leiden wird und daher auch ein paar empfindliche Gewinnwarnungen zu erwarten sind. Auf Marktebene sehen wir aber nicht die Gefahr von breitflächigen Enttäuschungen. Einerseits stiegen die Gewinn- und Umsatzerwartungen zuletzt nicht mehr an, sondern gingen sogar leicht zurück. Zudem können viele Unternehmen im aktuellen Umfeld etwaige Preisanstiege vor dem Hintergrund der guten Nachfragesituation an die Endkunden weitergeben. Daher erwarten wir von den Unternehmensergebnissen in den nächsten Wochen wieder mehrheitlich positive Überraschungen und damit Unterstützung für die Aktienmarktentwicklung. Den Auftakt in der US-Berichtssaison machen dabei üblicherweise die Finanztitel, welche zuletzt von niedrigen Risikokosten und der wieder steiler werdenden US-Zinskurve Rückenwind erfuhren.

Dafür, dass die aktuelle Schwächephase eine gute Gelegenheit darstellt, um die Aktienquote wieder aufzustocken, spricht auch, dass wir von einer weiterhin robusten Konjunkturdynamik ausgehen und der Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik seitens der FED wohlkommuniziert und weithin antizipiert ist und trotz dieser Weichenstellungen die Liquiditäts- und Refinanzierungssituation für die Unternehmen auf längere Zeit noch sehr vorteilhaft bleiben.

Zu guter Letzt spricht auch die Markt-Positionierung dafür, dass die jüngst gesehene Konsolidierung schon bald vorüber sein könnte. So signalisieren der Sprung bei den Volatilitätsindizes und mittlerweile mehrheitlich bearishe Stimmungsumfragen unter Kleinanlegern dafür, dass das Sentimentbild keineswegs als euphorisch einzuordnen ist. Letzteres bildet aus antizyklischen Gesichtspunkten oftmals die Grundlage für Aktienmarktanstiege. Daher empfehlen wir in Schwäche Aktien-Positionen aufzubauen bzw. zu erhöhen."



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Autor
Christine Petzwinkler
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    Speziell die genannten Entwicklungen an den Energiemärkten mutierten zuletzt zum Top-Aufregerthema. So legte etwa der Preis für Erdgas gemessen am November Futures-Kontrakt seit Jahresbeginn in der Spitze massiv zu. Hintergrund für die Rally war eine Mischung aus trockenem Frühjahrswetter (daher niedrige Stromproduktion), unerwarteten Produktionsausfällen (z.B. in Norwegen), leeren Lagern, einer starken Nachfragesituation durch die Konjunkturerholung und einer Portion Geopolitik (Stichwort Nordstream 2). Zuletzt wurde der Preisauftrieb dann noch durch spekulative Finanzpositionierungen verstärkt, ehe die Aussagen des russischen Präsidenten Putin, wonach sinngemäß die Preisexzesse in niemandes Interesse seien und Russland bereit sei den Markt zu stabilisieren, eine scharfe Preiskorrektur einleitete. Im Soge des Preisauftriebs bei Erdgas konnte auch der Ölpreis auf ein Mehrjahreshoch klettern, wobei die starke Nachfragesituation und das weiterhin knappe Angebot – die OPEC+-Staaten blieben hier am Montag bei ihrer Erhöhung des Angebots von lediglich 400.000 Fass pro Tag – ihr Übriges zur Stärke beitrugen.

    Der Energiesektor ist klar als einer der Profiteure aus der aktuellen Situation auszumachen und rangiert wenig überraschend in den USA mit einem Kurszuwachs von 45,5 % an der Spitze der Sektorentabelle seit Jahresbeginn. Bei Versorgern (+3,9 % seit Jahresbeginn in den USA, -3,3 % in Europa) sorgt das aktuelle Umfeld allerdings für gemischte Gefühle. Während zahlreiche Unternehmen hier dank Hedgingstrategien mit vergleichsweise geringen Schrammen steuern werden, gibt es sicherlich einige Titel, welche die Preisanstiege nicht in der Geschwindigkeit und im Ausmaß an ihre Endkunden weitergeben können, was die Margen auf absehbare Zeit belasten dürfte.

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