24.10.2021, 4957 Zeichen
Aus dem wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research: "Nachdem die Krise rund um den chinesischen Immobiliengiganten Evergrande von den Marktteilnehmern bereits gut verdaut erschienen war, hat der im Wochenverlauf negative Nachrichtenfluss dieses Thema wieder etwas prominenter in Szene gesetzt. Der wankende Immobilienriese hat nämlich seine Pläne zum Verkauf eines Mehrheitsanteils an seiner Immobilienverwaltungssparte für umgerechnet USD 2,6 Mrd. absagen müssen, was einen erheblichen Rückschlag für die Bemühungen des Unternehmens, seine Liquiditätskrise zu überwinden, darstellte. Zumindest hat der Konzern es aber in quasi letzter Minute geschafft, das Geld für die am 23. September fällige Anleihezinszahlung aufzutreiben und somit vor Ablauf der 30-tägigen tilgungsfreien Zeit am 23. Oktober auszahlen zu können. Die Zahlung bedeutet daher eine kurze Atempause, da sie dem Unternehmen etwas mehr Zeit verschafft, um Vermögenswerte zu verkaufen und Barmittel zu beschaffen. Denn in den kommenden Wochen und Monaten werden weitere Zinszahlungen für Anleihen fällig, zumal die 30-tägige Zahlungsfrist für die ebenfalls versäumten Kupon-Zahlungen vom 29.09. und 11.10. auch immer näher rückt. Generell ist die aktuell getätigte Zahlung als positiv zu werten und bestätigt uns in der Annahme, dass es sich hierbei um ein relativ kontrollierbares Ereignis handelt. Nichtsdestotrotz kann die durch dieses Thema immer wieder aufkommende Unsicherheit für einsetzende Gewinnmitnahmen verantwortlich sein. Ähnliche dämpfende Auswirkungen haben auch die Inflationssorgen der Investoren: Zuletzt stiegen die Erzeugerpreise in Deutschland nicht nur stärker als erwartet, sondern sie verzeichneten auch mit +14,2 % im Jahresvergleich den höchsten Anstieg seit Oktober 1974. Ein ähnliches Bild bzgl. der Inflation ergibt sich auch in den USA: Hier wurde zuletzt im „Beige Book“ der US-Notenbank der Inflationsanstieg zwar weiterhin als „vorübergehend“ bezeichnet, allerdings geht die Fed aber gleichzeitig davon aus, dass die Materialengpässe und Lieferkettenprobleme bis ins nächste Jahr hinein zu spüren sein werden. Dementsprechend ändert dies nichts daran, dass sie ihren ultralockeren geldpolitischen Kurs in Bälde etwas zu straffen beginnen wird.
Die oben genannten Punkte dämpften naturgemäß die Kaufbereitschaft der Investoren, wenngleich der dämpfende Effekt in Europa etwas stärker als in den USA ausgeprägt war. Vor allem die Richtungssuche der europäischen Aktienmärkte setzte sich auch in der vergangenen Woche weiter fort, wobei aber Kursrücksetzer immer noch gerne als gute Kaufgelegenheit genutzt werden. Auch wenn es auf Wochenbasis nicht so stark ins Auge springt, so verlief dennoch das Börsengeschehen in den USA zuletzt deutlich besser: So notiert der marktbreite S&P 500 auf Schlusskursbasis aktuell auf einem neuen Allzeithöchststand, während sich sowohl der Dow Jones als auch der Nasdaq 100 nur noch wenige Punkte darunter befinden.
Für Unterstützung sorgte hier die sehr gut angelaufene US-Berichtssaison der Unternehmen. Beginnend mit den starken Zahlen der großen Banken in der Vorwoche lagen auch die anderen bisherigen Ergebnisausweise großteils über den Erwartungen der Analysten. Zugegebenermaßen fallen die bislang anteilsmäßigen Ergebnisveröffentlichungen mit knapp 18 % noch recht überschaubar aus, geben aber bereits einen guten Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Wochen noch erwarten dürfte. So konnten immerhin 88 % der vorgelegten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen übertreffen und somit positiv überraschen. Der Chart der Wochedemonstriert hier sehr schön, dass der Saldo aus den Aufwärts- und den Abwärtsrevisionen in den letzten Monaten auf Basis der 12M-Gewinnerwartungen für die im S&P 500 enthaltenen Unternehmen im Vergleich zum letzten Monat deutlich positiv ausgefallen war. Auch wenn die Dynamik – wie von uns erwartet – im letzten Monat klar abgenommen hat, so dominierten unterm Strich die positiven Revisionen. Noch eine Spur interessanter ist die im Jahresvergleich erzielte Gewinnentwicklung: Satte 81 % der bisher veröffentlichten Unternehmensergebnisse wiesen ein im Jahresvergleich positives Gewinnwachstum auf, wobei sich der aggregierte Gewinnanstieg für das Q3 aktuell auf knapp 51 % beläuft. Allerdings muss aber für Letzteres festgehalten werden, dass hier insbesondere die bereits vermeldeten Zahlen aus den Sektoren Energie (>700 %) und Grundstoffe (knapp unter 300 %) massiv nach oben verzerren.
Auch wenn die Inflationsängste durch die sehr gut angelaufene Berichtssaison nicht aus den Köpfen der Anleger verschwunden sind, so sind sie zumindest für den Moment wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Da wir auch weiterhin von mehrheitlich positiven Überraschungen bezüglich der Unternehmensergebnisse ausgehen, bleiben wir für den weiteren Aktienmarkt-Verlauf ebenfalls positiv gestimmt und halten unsere "Kauf"-Empfehlungen für die von uns betrachteten Indizes weiter aufrecht."
Wiener Börse Party #1100: ATX etwas stärker, AT&S vorne, vor Changes im ATX Five, Uhrzeiten für Best of Austro-IR beim 2. Aktientag fixiert
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